Sonntag, 13. Juli 2014

Segen

Mit Schwester Sylvies Segen  -den sollte ich noch gut gebrauchen können- hab ich mich also im bewölkten Susa bei leichtem Niederschlag auf den Weg gemacht....
..... der mich dann direktamente zum Col de Finestre führt.

Kaum die ersten Höhenmeter überwunden, sticht die Sonne durch und verwandelt die Serpentinenstrecke in eine Großsauna mit Dampfbad. Die Feuchtigkeit schlägt sich überall nieder und kriecht in die Klamotten.



Aber dafür werde ich weiter oben mit tollem Ausblick belohnt.


Sieht aus wie Photoshop (vor allem der Horizont und Himmel), ist aber echt so geknipstdingst.
Die Strecke war übrigens in sehr gutem Zustand und natürlich gesperrt, wobei das auch Sinn machte, da wegen Schnee und Geröll eine der Kehren nicht passierbar war.
Oben nur mal kurz verschnaufen und weiter geht es zur Assietta
die natürlich auch



gesperrt war.
Ich wollte gerade hinein fahren, als mir zwei Männer in ihrem grünen Fiat der Polizia Forestale entgegenkommen.
Ich frage höflich und man macht mir klar, dass das Befahren nicht nur verboten sondern auch nicht möglich sei. Den Grund hab ich aber nicht verstanden. Ich glaube, es gab Muren.
Da ich eh noch zum Lage Negro wollte, war das aber auch nicht so tragisch. Dennoch wollte ich es nicht unversucht lassen und bin dann aus dem Tal einer kleinen Bergstraße folgend wieder zur Assietta hinauf.
Von dem Weg hatte ich mal in einer Zeitschrift gelesen und den Eingang dann auch prompt gefunden.
Der launige Ausflug endete aber ca. 500-1000 Meter von der Assietta entfernt.


Ja, in meiner Erinnerung fehlte wohl die Stelle, die auf den reinen Trialpfad hinwies.

Also wieder den Berg hinunter und nochmal einen Blick von der anderen Seite auf die Assietta werfen

Wie sich die Bilder doch gleichen.

Das Wetter wurde wieder schlechter und so machte ich mich schnell weiter zum Lago Nero.


Die Route führte über eine alte fast römisch anmutende Straße. Ihr wisst schon Kopfsteinpflaser. Am Rand die großen in der Mitte die kleineren Steine.


War mal für die Ewigkeit gedacht, was dann aber an den modernen Streitwagen gescheitert ist.
Die Straße war aber insgesamt in recht gutem Zustand, was sich dann aber nach dem Passieren von Madonna di Lago Nero schlagartig änderte.


Jetzt wird's endlich Enduro, dachte ich bei mir und schon verschwand die Piste im aufziehenden Nebel. Der wurde dann leider immer dichter und neben der Sicht fiel dann auch schon mal das NAVI aus oder erfreute mich mit heftigen Fehlablagen.


Aber die Gegend da oben ist echt klasse. Unmengen Wege und so wie ich es einschätze, gehen auch einige davon nach Frankreich weiter.



Der Nebel wird dichter, die Wege schmaler.
Die Wege waren eh irgendwie lustig. Der Boden sieht so fest und geröllig aus. Das täuscht aber, denn die körnige Oberfläche ist mit einem soften Unterbau gesegnet, der beim Befahren merklich nachgibt. Ein lustiges Fahrgefühl, an das man sich erst mal gewöhnen muss.
Ich fahre da oben ein wenig kreuz und quer, orientiere mich an den Masten der Seilbahnen, bis diese im Nebel verschwinden. An einem Mast, den ich von weiter entfernt zur Orientierung anvisiert habe, da er direkt am Weg steht, fahre ich wohl wenige Meter entfernt vorbei, ohne ihn zu sehen, und finde mich auf einer MTB Piste wieder, die mich, bevor sie zu krass wird, aber wieder zu einem breiteren Weg führt.

Der Abstieg zieht sich recht lange und es regnet auch wieder, aber ich komme günstig auf die Straße nach Briancon und mache etwas Zeit gut,
die ich nutze, um in die Gummipelle zu schlüpfen.
Eine gute Entscheidung, denn kaum drin hört das Getropfe auf und da ich keine Lust habe, in Briancon im Fetischkostüm abgekocht zu werden, tanke ich auch nicht, denn zwischen Izoard und Agnel weiß ich ja eine Tanke.
Ja, so der Plan,
der dann nach endlosen Abwärtspassagen ohne Motorunterstützung und noch spannenderen Aufwärtspassagen im Schleichmodus
so endete.


Ach, hab ich schon erwähnt, dass 7,5 Liter reinpassen. Da war also noch Luft.

Wie konnte  es dazu kommen?
Ja, Misserfolge sind die Summe der minderguten Entscheidungen.
Und die erste Schlechte war die, in Briancon nicht zu tanken.
Auch nicht gut war die Tatsache, dass die Tanke zwischen den beiden Pässen nicht mehr betrieben wird.
Nach NAVI bestand aber eine gute Chance, die erste Tanke nach dem Colle Agnello zu erreichen.
Das endete so.


Und noch 7 km bis Casteldelfino, wo es die nächste Gelegenheit gäbe.
Jetzt wird's psychologisch, denn der Weg wird ab jetzt nicht mehr nur bergab gehen.
Also langsam weiterrollen.
Ja ,ich hab's ja schon verraten, es hat gereicht.
Gerade so.

Das Wetter hatte sich wieder gebessert und so ging's schnurstracks weiter zum Col di Sampeyre, denn da hatte ich mich wieder bei
La Sousto dal Coll
angemeldet.
Und das hat einen paar sehr komplexe Gründe
Salat:

Vorspeise:


Pasta:


Secondi:


Die Nachspeise hab ich ausfallen lassen.
Wie immer mit Übernachtung und Frühstück 45€.
Ein mächtig fairer Deal.
Leider hatten die Hausherren einen Todesfall in der Familie und eigentlich geschlossen. Man hat mich dann dennoch untergebracht und ich hatte mit den Mädels aus dem neuen Team einen wirklich netten Abend. Der für mich dann aber doch sehr zeitig im Etagenbett endete. Es war wirklich ein ereignisreicher und langer Tag und die Planung für die nächsten Tage hab ich auch schon im Sack, ja und das Wetter soll superklasse werden. Schön so in den Schlaf zu fallen und sich auf den nächsten Tag
also darauf


zu freuen.