Dienstag, 30. Juni 2015

Tish Alloh und Kieler-Woche ... oder der zweite Tag auf dem Fahrrad

Ein Tag beginnt prima, wenn dein Hauswirt dir mitteilt, dass ein Kumpane dich ein Stück mit dem Auto mitnehmen kann.
Nicht so prima startet der Tag..............
Ich schreibs anders, meine Toleranzschwelle endet bei hessisch  babbelnden Krasachen. Frajnosh, der 9 Jahre in Deutschland gearbeitet hat, redet tatsächlich dialektfrei ein superbreites Hessisch, wovon ich heute Morgen nicht so wirklich viel vertragen kann.
Nagutosh, dafür fährt er mich aber auch noch nach Loki runter, denn ich brauch noch was, um defekte Fahradschläuche zu reparieren, Duschgel und Zahnpasta.
Lustig, ausgerechnet Duschgel wurde zum Beschaffungsproblem.
Dank Frajnosh weiß ich jetzt aber alles darüber, wie man Straßenbahngleise dauerhaft im Frankfurter Kopfsteinpflaster verklebt.
Das wird eine scheiß lange Fahrt.


Unterwegs erfahre ich von dem großen Happening, das sich am Wochenende in Loki Portu abspielen wird.
Die "Kieler" Woche (übersetzt heißt es wirklich so, stammt aber aus der Anzahl der Schiffskiele, die über 100 sein muss, damit das Fest als gelungen gilt) startet heute einem großen Einlaufen der Saltischen Flotte.




Na ja, eigentlich ist nur die Schnellbootflottille der Küstenwache eingelaufen. Wobei eingelaufen bei dem Anblick eine gewisse Doppeldeutigkeit mitbringt.
Ich bin echt auf das Wochenende gespannt.

Aber zurück zum Plan  "Tish Alloh" die Zähne Gottes warten.
Und sie sollten lange warten
Gegen halb 10 setzt mich mein Fahrer am Einstiegspunkt ab. Eigentlich hoffte ich ein Stück weit weiter oben zu starten, aber da fehlt wohl ein Stück Weg.
Die Frage, ob er schon mal die Ambulanz rufen soll, ignoriere ich nach einem kurzen "Babsack".
Ok, ich mach's kurz, denn es war ein langer Tag.
Relativ schnell hatte ich Tish Alloh im Focus,


was die Navigation unterhalb 1500 Meter deutlich erleichterte.
Ich kam auch dank frisch gewachsener Muskeln reichlich flottig voran,
bis dann 503 den Tagesablauf verändert.


Ich dachte, dass der Motor oder der Akku überhitzt sind, was aber nicht stimmte. Kabel saßen auch alle.
Merdjewz (klingt wie Scheiße auf französisch, trifft es auch)
Der Motor unterstützte noch, aber nur so wie er gerade wollte, was neben einem extrem unrunden Tritt und gelegentlich grauslig durchdrehendem Hinterrad, auch eine Menge Frustration verursacht.
Saugefährlich wurde das dann, als die Piste so wurde.


Also lieber ohne Motor weiter, bis dann eh tragen angesagt war.



Ja, und dann hieß es eh schieben, schieben und nochmals schieben.
Der Akku wurd nicht leerer, die 24 Kilo vom Rad aber immer schwerer und noch gut 1000 Höhenmeter übrig.
Gestürzt war ich zwischenzeitlich auch mal, aber der Wille treibt mich dann weiter.

Mittlerweile wurde der Weg etwas schwerer zu erkennen


und von den Zähnen war schon lange nix mehr zu sehen. Dafür sehe ich einen netten blauen Fleck auf Oberschenkel und im Bauchraum.

4 km später geht außer dem Antrieb (plötzlich selbst repariert), den ich wegen fehlender Traktion jetzt eh nicht brauche, nix mehr.
Zeit die letzten Reserven zu mobilisieren.


Noch 500 Höhenmeter. Für mich ist die 2500 Meter Grenze immer so ein Punkt, wo mir das Atmen zunehmend zur Qual wird und der Schiebespaß will nicht enden.


Gegen 14:00 die ersten Schneefelder und der Durchbruch durch die Passhöhe.
150 Meter über mir erkenne ich eine fast steinfreie Rampe.
OK ich will da hoch!
Also nochmal schieben und dann kann ich tatsächlich im Turbogang (Akku ist eh noch bei 70 %, da nicht benutzt) die restlichen 2,5 km in weiten Bögen mit kleinen Schiebeeinlagen radeln.


Die Aussicht auf fast 3200 Meter ist erhebend. Ich bekomme gut 5 Minuten kaum Luft.


Ich hab es vor den Wolken geschafft.
Sie werden mich auf dem Weg runter nach Loki empfangen.


Völlig alle, dehydriert (Wasser ist seit dem Pass alle)
aber ziemlich glücklich
Schnell in die langen Klamotten.
Die Sonne ist dem kleinen Allergiker sein Feind.


Da geht's runter zwei Stunden vielleicht.
Ab 1500 gibt's wieder Wasser aus dem Sturzbach, der die Straße abgeräumt hat.
Ich werd nicht wählerisch sein.