Dienstag, 23. Juni 2015

Und plötzlich geht's nach Krasastan.

Da wir kurzfristig unseren gemeinsamen Urlaub umplanen oder besser gesagt große Teile davon streichen mussten,
werde ich mich mal eben so kurzfristig wie ungeplant auf den Weg nach Krasastan machen.
Da wollte schon immer dieses Kleinod am wohlgeformten Busen des Gaspischen Meeres besuchen.
Allerdings scheiterte es bisher immer an den dort herrschenden ungeklärten politischen Verhältnissen und den damit einhergehenden Unruhen, denen ich meine Mitreisenden nicht aussetzen wollte.
Aber..........
wie schon geschrieben, diesen Juni bin ich alleine unterwegs und somit steht meinem Besuch der eben so exklusiven wie wunderschön goldenen Stränden der "Costa Lotta dei Penunza"
nichts mehr entgegen.

Komisches Gefühl,
sonst zählt man immer die Tage, bis es los geht, und heuer fehlt einem ständig die Zeit, auch nur das Allernotwendigste zu planen.
Glücklicherweise hatte ich noch ein gültiges Visum von meinem letzten beruflichen Aufenthalt in einem der vier Saltischen Staaten und auch die obligatorische  Einladung (gleich Bürgschaft, ohne kommst du nicht rein) eines krasachischen Kunden konnte ich kurzfristig per Telex. klar machen, denn in Krasastan gibt es nur ein sehr sehr eingeschränktes, na, nennen wir es mal Intranet.

Unklar ist noch bis heute, und ich fürchte die Lage wird sich auch bis Freitag nicht ändern, ob die mich mit dem Motorrad im Bus überhaupt ins Land lassen werden, denn wegen der rigiden Zollbestimmungen ist es fast nicht möglich, Fahrzeuge ins Land zu überführen.
Da kaum ein Ausländer darüber informiert ist und auch die Seite des Auswärtigen Amtes sich darüber ausschweigt, finden sich  an den Grenzposten oft mietbare Abstellmöglichkeiten, die auch ausreichend bewacht sind und für kleines Geld ein Auto oder Motorrad bis zu 3 Wochen beaufsichtigen. Man sollte dann aber auch tunlichst zurück sein, denn am 4. Tage nach Ablauf der 3 Wochen werden die nicht ausgelösten Fahrzeuge der Verwertung sprich Versteigerung zugeführt. Und das sollte man sich unbedingt mal angesehen haben. Diese Versteigerungen werden in dem an Festen und Feiern eh kargen Land wie eine Bergkirchweih aufgezogen. Und überglücklich ist, wer ein Fahrzeug dabei erhaschen kann, ist es doch die einzige Möglichkeit, überhaupt an einen fahrbaren Untersatz zu gelangen, der nicht, oder nur im Falle eines Defektes, von einem Esel gezogen wird.
Um sicher zu gehen, dass ich, auch falls das Mopped kassiert wird, wirklich wie geplant die einsamen Höhen diese Landes erklimmen kann, habe ich mir schnell noch ein Pedelec MTB zugelegt, das mich - also falls es ausreichend Strom gibt - zu den alten Bergdörfern und Festungen tragen wird.
So der Plan.........


Strom ist ein gutes Stichwort, hat man sonst so das Problem, nicht sicher zu wissen, welchen Steckdosenadapter man benötigen wird, ist das Strömen in Krasastan noch eine Eskalationsstufe höher angesiedelt.
Im Osten des Landes findet man überwiegend 220-250 V Wechselstrom, der aus einem Kernkraftwerk russischer Bauart aus dem Nachbarland stammt und den Landstrich über eine atemberaubend durch die Berge geführte Trasse erreicht. Im Landesinneren findet man hingegen ein Edison Gleichspannungsnetz vor, wie es die Bewohner NewYork's auch kennen. Mit Trafos geht da nicht allzu viel, aber im Zeitalter der Schaltnetzteile lassen sich zumindest Handys preiswert laden.
Ja, und am Gaspischen Meer findet man 220 und 110 V Wechselspannung, was meinen Ladegeräten sehr entgegen kommt.
Als Adapter nimmt man am besten eines dieser nicht zugelassenen Eurostecker-Verlängerungskabel und zerschneidet den Stecker mittig.
Somit hat man einfach und billig zwei nicht miteinander verbundene Einzelstecker, die man dann in der Weite dem Lochabstand der vorgefunden Steckdose anpassen kann.
Also falls man eine vorfindet.
Ich möchte aber nochmal darauf hinweisen, dass man so etwas nur in Krasastan und niemals in einem energetisch besser erschlossenen Land auch nur in Erwägung ziehen sollte.
Ja, der Elektriker in euch hat recht. Das ist nicht ganz ungefährlich, da ja die Erdung immer fehlt, aber mal aus dem Nähkästchen krasachischer Baustellen geplaudert.
Die Erdung hier in den Hausverteilernetzen geht eh nie bis zum geklauten Staberder durch.

Ich bin jedenfalls sehr gespannt, auch weil meine ungarischen und rumänischen Sprachfertigkeiten nur sehr begrenzt sind. Überhaupt wird die Sprache eine der größten Hürden werden.
Ich finde ja schon das Rumänische wegen der vielen Sonderlocken
ă  ausgesprochen e oder oe
â ausgesprochen ü
c ausgesprochen wie „k“, aber vor e und i wie „tsch“ 
sehr schwierig.
Angereichert und vermischt mit der minimallogischen Grammatik  des Ungarischen generiert sich aus diesem Wortgut schnell der Alptraum jedes Linguisten.

Eine andere Sache, die mir echt zu Denken gibt, ist der Straßenverkehr.
Wie in vielen zu regelnden Angelegenheiten konnte man sich in diesem, im Verlauf der Jahrhunderte unter dem Banner vieler Herren sich windenden, Land nicht auf das Kopieren eines erprobten und gelebten Systems festlegen. Vielmehr ist man wieder der Versuchung erlegen, eine landeseigene Regelung aus den vielen ins Land verschleppten Ideen zu formen.
Zwar wird wie in England links gefahren, was unter dem Stress, in verstopften Innenstädten den richtigen Weg zu finden, schon aufregend genug sein kann, darüber hinaus gibt es aber ein paar Besonderheiten, wie die sklavische Umsetzung der rechts vor links Regel und das rechtsrum einfahren in Kreisverkehre, die einem das Blut in den Adern, bis zum Austritt der Augäpfel, aufkochen lässt.

Jetzt wird es langsam Zeit, den Bus voll zu packen. Mal sehen, ob ich nach 8 Jahren meine Fahrradklamotten nochmal finde
und ob ich da noch reinpasse, denn mit den Jahren bin ich ja immer .............muskulöser geworden.

Zwei volle Tage und rund 3200 km wird es wohl dauern, bis ich die Fähre erreiche.