Sonntag, 28. Juni 2015

Willkommen in Raserbeidschan.... was möchten sie rauchen?

Kippenin/Kippin...
Ja Kippenin ist das erste Wort, das ich auf Raserbeidchan lerne.  Ein Wort, dass mich auf dieser Reise begleiten wird. Klingt ein wenig nach IKEA, lässt sich aber eher aus dem Ungarischen ableiten und bedeutet  in alllen saltischen Dialekten Aschenbecher.
Ein wichtiges Wort, denn Rauchen ist hier so eine Art Volkssport und kaum dass man es aus dem Kinderwagen eigenständig raus schafft, qualmt man sich hier den Verstand raus. Anders als bei uns wirft man seine Kippen aber nicht einfach auf die Straße, sondern sammelt sie in seinem Kippin / Kippenin und dokumentiert damit faktisch seine raucherische Leistungsfähigkeit.
Da ich gerade weder rauche noch ein Kippin in der Hand halte, erkennt jeder hier direkt, dass mit mir was nicht stimmt, ich also Tourist bin oder ich Dummkopf meinen Kippin verloren habe. Letzteres ist so ziemlich das Schlimmste, was einem Salten passieren kann. Entsprechend mitleidig empfinde ich die mir zugeworfenen Blicke.
Mit Hilfe eines englischsprachigen Mitreisenden wechsele ich zum ersten Mal Geld. Eine Hand voll krasachischer Kohmaar füllen meine Hosentasche. Die Papierrolle, die ich für meine 50€ bekommen habe, verunsichert mich  ein wenig. Vielleicht sollte ich mal versuchen, was zu kaufen, aber hier gibt's nur Schnappes und natürlich Kippen. Ich kaufe ein Päckchen Qualboro, ohne Steuerbanderole versteht sich, reiche ein paar Fetzen Kohmaar rüber und fange an zu rechnen
Für ca. 80 Cent habe ich 21 Glimmstängel in bekannter Aufmachung bekommen, die beim Abfackeln aber verdächtig nach getrockneter Eulenkacke riechen. Kein Wunder, dass mir nach nur einem Zug reihenweise die Lungenbläschen implodieren.
Aber der Kauf war dank der beiden gewonnenen Erkenntnisse
man hat mich beim Geldwechseln nicht beschissen und
ich hör hier sofort mit dem Rauchen auf
dennoch eine gute Entscheidung.

Gut, ich hab's also Samstag Nacht tatsächlich auf die Fähre geschafft. Zwar (oder glücklicherweise) war der 8 Tonnen Stapler, von dem Oleck dauernd redete und der mich hätte vom LKW heben sollen, seit 7 Wochen kaputt, aber schnell war eine Laderampe gefunden, die mit dem Trailer harmoniert. Und schon ging's rückwärts runter vom Laster und einmal quer durchs Kühlhaus und vorne zum Haupttor raus in den Hafen.
Bei der Fähre sollte ich Glück haben, denn es war nicht eine der ganz alten Dinger sondern eine italienischer Bauart, wie man sie auch aus dem Mittelmeer kennt.
Ich hoffe mal, dass "Vietato Fumare" (steht in fetten Lettern auf der Brücke) der Name der Reederei ist. Na, wie auch immer, ich bleibe erstmal lieber an Deck....in der Nähe der Rettungsringe und einem leeren Rettungsinselwerfer.
Loki Portu empfängt mich mit unangenehmen 27°. Der nette Mitreisende besorgt mir eine Unterkunft 300 Meter über Loki und etwa 400 Meter über dem Meer. Zu wenig Höhe, um wirklich kühler zu sein, aber der Wind ist angenehm und die Unterkunft für 500 Kohmaar (rund 10€) recht passabel.
Um elf ist das Mopped raus und ich angezogen und bereit für eine erste Runde zum Akklimatisieren. Also auf in den Wald, der direkt hinterm Haus losgeht.
Mein Ziel ist Kjnshwjsd, genauer gesagt Kjnshwjsd Ud. Ein armes Land hier man spart sogar an Vokalen. Dort soll nach Aussage meines Hauswirtes der Grund im Wald versteckt liegen, warum es hier überhaupt eine Straße gibt. Aber der Reihe nach.
Der Weg führt erstmal angenehm schattig nach oben (ud).


Schnell verliert er aber an Qualität,


die versprochene Randsicherung hat auch schon viel gesehen,
vor allem bessere Tage,


und dann mag man kaum glauben, dass hier auch Geländewagen draufpassen sollen.

Also auch hier!


Hier aber sicher nicht mehr, denn das Loch ist gut einen Meter tief und ich musste mit etwas Schwung oben an der Kante lang.


um dann hier zu landen.


1962 war ein gutes Jahr für das heiße Krasastan, sagt mein Hauswirt.
Es war das Jahr, in dem der damalige junge Genosse Generatosch Turbinski eine nicht ganz legalisierte Kopie eines bekannten Liebherr Patentes lizenzfrei nutzte und der Volksgemeinschaft neben kalten Getränken auch haltbare Fleisch- und Fischprodukte und Speiseeis brachte.
Bis dahin nutze man, wie in stromlosen abgelegenen Gebieten heute noch, solche Eisbunker, die man im Winter mit gestampftem Schnee vollstopfte, den man dann im Sommer gegen harte Khomaar ins Tal schaffte.


Dank dem Schnee war man in der Lage, das ganze Jahr über so wichtige Dinge, wie z.B. Bier brauen und lagern, zu können. Sehr zum Leidwesen der bis dahin hier reichlich lebenden Krasachen ist dieser Geschäftszweig nach 62 fast gänzlich zum Erliegen gekommen, was auch den Verfall der Straße erklärt.


Für den Rückweg hatte ich mir was anderes ausgedacht


Ich sag's gleich, eine mindergute Idee.


Gut war, du hörst hier keinen schreien.
Schlecht, es hört dich auch niemand schreien.

Einen Ort gab's mit 4 Häusern
und da musste ich so was von genau mitten durch


Dann ging's abwärts
und zwar ziemlich steil.


Irgendwann hatte ich absolut keine Ahnung mehr, wo ich war, aber willst du runter, dann folge dem Wasser. Ist zwar kein krasachisches Sprichwort, stimmte aber dennoch.


So, jetzt bin ich raus, denn ich kann schon Abendessen riechen und kühles Bier gibt's dank Generatosch auch schon.
Echt klasse Gegend hier.