Dienstag, 5. Januar 2016

संस्मरण Enfield Tagebuch 2006




संस्मरण


Beim Aufräumen der Festplatte ist mir gestern Abend das Tagebuch meines ersten Kontakts aus 2006 in die Hände gefallen.
Die ersten Tage damals vor dem Norwegen Trip waren wirklich ziemlich chaotisch. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich überwiegend japanische und italienische Motorräder und die wurden in der Regel so ab Werk geliefert, dass sie mindestens die Strecke bis zur Erstinspektion schaffen. Daher war ich recht überrascht, auf den ersten 200 km gleich 2 mal liegen zu bleiben.......

Aber lest selbst.
14.08.06
Seit zwei Tagen beobachte ich dich schon bei Ebay und da nun nicht weit weg stehst, werde ich mal sehen, ob man dich ersteigern kann.
Gegen elf sind die Gebote immer noch im akzeptablen Rahmen. Ich telefoniere mit Sabine und wir entscheiden uns, es zu versuchen.
12.00 ich bereite ein Gebot von 3265,55 € vor. Das ist zwar mehr als ich eigentlich geben wollte, aber ich denke, dass die Anderen so an die 3.100 bieten werden.
12.0irgendwas ich schicke mein Gebot 5 Sekunden vor dem Ende ab. Es dauert ewig, bis die Bestätigung kommt. Klasse, die Versteigerung ist vorbei und du bist bereits für 3010€ zu haben.
Gegen Abend gehen wir die Papiere holen. Ziemlich abgelegene Werkstatt. Aber die Leute sind nett. Ich bekomme ne Menge Papier. Zollbestätigung, Empfehlung für den KFz-Brief und und und.
Zu Hause stoßen wir dann mit einem Glas Sekt auf dich an.

15.08.06
Auf der Zulassungsstelle geht alles gaaaanz genau, aber ich hab nie den Eindruck, dass wir das nicht zusammen hinbekommen würden. Als wenn es nicht schon genug Papier gäbe, brauchen wir jetzt auch noch eine KBA Anfrage, die zum Glück mittlerweile online erfolgen kann. Du bist also nicht geklaut sagt der Computer. Es fehlt aber noch eine Bestätigung des Händlers, dass du ein Neufahrzeug bist. Irgendwie lustig, was sollst du denn mit den Papieren und ohne bisherige Zulassung sonst sein.
Aber der Herr Adam von der Zulassungsstelle ruft den Händler an, der dann auch gleich den Kaufvertrag schickt. Lustig, wir hatten bis zu diesem Zeitpunkt gar keinen.
Nun können wir endlich ein Kennzeichen aussuchen. Ein schmales Oldtimerkennzeichen darfst du nicht haben, da nutzt auch alles reden nix. Aber das ist nicht so schlimm, da mein altes Kennzeichen VW-1 wieder frei ist und das nehme ich natürlich auch gleich.
So jetzt heißt es warten, bis Feierabend ist, und um vier geht es dann endlich Richtung Limburg.
Du stehst vor der Tür und bist ziemlich am glänzen. Du bekommst das Schild und dann kann es nach ein paar netten Worten losgehen.
Das Amperemeter geht nicht, aber das ist mir bis zur Erstinspektion auch nicht so wichtig (glaubte ich zumindest).

Ich und der Fremde auf mir tuckern los zu MC-Doof weil die neuen Besitzer ja noch nix gegessen haben. Es ist nicht zu glauben, wie schön die Sonne scheint. Alles wird gut, wenn es schon so anfängt.
Die nette Frau (Sabine) fährt direkt nach Koblenz und ich tuckere durchs Gelbachtal.
Der auf mir draufsitzt hat nicht mehr getankt, da mein Benzinhahn ja eine Reservestellung hat und es genug Tankstellen gibt (HiHi schwerer Fehler). Gerade an Dies vorbei, schüttel und rüttel ich mich und dann nützt auch alles Saugen nichts mehr, der Tank ist leer. Irgendwie lustig zu sehen, wie mein Mitfahrer am Benzinhahn auf Reserve und hin und her stellt, am Tank rüttelt und mich nach links neigt. Mann, kapier es doch, das Spritfass ist leer.
Schön, wenn man mal ne Weile geschoben wird. Es geht an einen Bauernhof mit Gastronomie. Der Bauer kommt gerade mit seinem Träcker angetuckert. Schön, klingt fast wie bei mir. Sie besprechen sich und dann kommt der Bauer mit einem Kanister. Er faselt was von Notstromaggregat und sie kippen was flüssiges in meinen Bauch. Iiiiiiih, das stinkt aber komisch. Kurze Geschmacksprobe und der Vergaser sagt eindeutig, dass da Zweitaktöl nicht unter 2% drin sind.
So was, bin doch kein Roller mit Löchern in den Zylindern.
Es geht weiter nach Koblenz und ich bekomme auch noch mal richtiges Benzin obendrauf.
Das Fahren macht mir langsam immer mehr Spaß. Und in Koblenz schauen sich alle nach mir um und befragen den netten Mann mit dem Plastikhut, der mich hierher gefahren hat.

Es wird Zeit, denke ich, in eine Garage zu kommen. Wird ja schon bald dunkel. In Löf angekommen werde ich aber erst noch kräftig eingeölt. Ahhhh das tut gut.
Ich mach das Licht aus und geh schlafen.

16.08.06
Ja, die Lichter sind tatsächlich aus. Weiß gar nicht, was mit mir los ist, aber ich bekomme keine Lampe an und die Zündung funzt auch nicht. Dabei hab ich noch über 12 Volt auf der Batterie, aber irgendwie kommt die Spannung gar nicht vorne an. Die kleine Sicherung zur Zündung ist es nicht. Aber ankicken geht auch nicht. Mist, was hatte ich denn gestern Abend noch an. Hat die Batterie nicht richtig geladen.
Egal, jedenfalls geht's nicht mit Kicken oder Schieben oder bergab Fahren, mich anzulassen.
Der nette Mann hat wieder seinen Plastikhut ausgezogen und schiebt mich zurück in die Garage. Er tauscht mich einfach gegen so ein italienisches Geraffel.
Dummerweise hat er auch noch bemerkt, dass der Vergaser nicht dicht ist und aus dem Überlauf der Schwimmerkammer Benzin tropft.
Mist!!!! Ob ich hier jemals wieder rauskomme...........................................

Das fängt ja stark an! Den ganzen Morgen wälze ich schon diverse Stromlaufpläne. Die Elektrik ist ne echte Katastrophe. Sie scheint aus einem Teil des 1955er Originalkabelbaums zu bestehen, der dann, hinter dem Lampentopf positioniert, beliebig erweitert wurde.
Nach weiteren Recherchen findet sich auch noch die 2. Sicherung des Hauptstromkreises. Klaro, an der könnte es liegen, das gar nichts mehr geht.
Ich mache mich schon früh auf den Heimweg! Verdammt, ich will mit dem Ding noch so viele Km wie möglich fahren, bevor es am Wochenende damit nach Schotten geht.

Is schon klasse konstruiert, nur die Sitzbank abschrauben und schon kommt man an die eine der beiden Sicherungen. Ok, da sie eh an einem langen Kabel hängt, hätte man sie sicher auch 5 cm weiter in dem Seitenfach unterbringen können, in dem die andere Sicherung steckt. HaHa.
Na gut, also Bank ab und feststellen, dass die Sicherung OK ist. So jetzt weiß ich auch, wie es bei Enfields unterm Sofa ausschaut.
Nächster Haltepunkt Amperemeter. Irgendwie messe ich da nur Blödsinn. Na ja, eigentlich messe ich garnix und das erscheint mir dann zu wenig. Also Lampe ausbauen und einen Blick auf die Hauptverteilung im Lampentop werfen. Zum Vorschein kommt das wohl beeindruckendste Sammelsurium an Steckverbindern, das ich je gesehen habe. Vom Flachstecker über AMP bis zu Systemsteckern für die Armaturen findet sich hier alles. Und alles so hübsch bunt und völlig planlos verknotet. Man hat den Eindruck, eine Tüte HARIBO Colorado aufgerissen zu haben. 
Nachdem ich die Kabelbinder entfernt habe, finde ich auch schnell den Stecker vom Amperemeter.
Er ist ja auch leicht ausfindig zu machen. Es ist der, der nicht verriegelt ist und es wird auch schnell klar warum der nicht bis zur Verriegelung zusammengesteckt war. So wie die Kabel verknotet sind, sind sie einfach 5 mm zu kurz!!!!
Also den Kabelbaum weiter entwirren, die Kabel neu ordnen und zusammenstecken und siehe da, alles passt und die Lampe passt nun auch gewaltfrei in ihren Topf.



Das Wetter ist passabel, ich dreh noch schnell ein paar Runden. Aber bloß nicht zu weit weg, man weiß ja nie.