Sonntag, 5. Juni 2016

Hoch ins Sauerland und zu den Weser-Hügeln bis nach Bremen

Da das vegane Grillen an sich schon



das latente Aggressionspotential eben so langsam wie stetig nach oben treibt,
war es reichlich an der Zeit für Austoben im Freien.

Eine Ausrede war schnell gefunden,
schließlich musste das neue Equipment (Taschen usw.) ja noch für die Norwegen-Runde getestet werden.


Schatz! Ich bin da zur Testfahrt weg.
Wie lange?
Bis Montag!
Was 5 Tage...........da komm ich mit, denn ich muss ja auch noch testen.


Naguto, du zwei Tage mit,
dann ich allein zur Werkstattparty zum Ulf in Bremen.

Deal!

Der Weg führte uns durch den Westerwald langsam aber sicher nach Westfalen. Die Schlösser und deren Parks wurden gepflegter, aber auch teurer und der Kaffee schlechter.


Hier gab's wahrscheinlich den schlechtesten Kaffee der Tour.
Aber dafür war die Location auch bei mittelprächtigem Wetter ganz nett.


Es ging den ganzen Tag kreuz und quer durchs Sauerland und wir verendeten in Sundern in einem echt netten Hotel, wo man so ein wenig auf Afrika machte.


Darüber hinaus verriet die Gestaltung des Kickers, dass es nicht überall in der Republik
 Bayernfans in der Überzahl geben tut.



Verwirrt hat es mich, dass der Sauerländer gerne die Glocken raushängen lässt,
wobei bei denen hier der Klöppel fehlte.


 Und dann hatte ich noch eine sehr anregende Unterhaltung mit einer alten Albanerin.


Der Plan für den nächsten Tag stand auch schon fest, denn bei schönem Wetter wollten wir alles sehen. Von den großen Talsperren bis zum Kahlen Asten und runter nach Dillenburg, wo ich mich dann von Sabine trennen würde.


 So richtig nach meinem Geschmack wurde die Strecke Richtung Weser aber erst gegen Abend.
Nicht nur kilometerlange Offroad-Passagen durch Baustellen....


... auch die vom Navi gefundenen Seitenstraßen waren absolut erfahrenswert.


Am Schluss legte die Strecke noch mal ne Schippe drauf, bevor ich dann meine Unterkunft in einem peinlich sauber gestalteten Ort bezog, wo bereits die "Dicke Backen Musik" tobte.


Man hatte extra Kuchen für mich gebacken und das Frühstück war superklasse. Genau wie die Strecke, die ging nämlich genau so weiter, wie sie gestern Abend endete.


Den etwas angerosteten Bruder eines ebenso bekannten wie verliebten Filmroboters
hab ich auch getroffen........


...........und so manch anderes angerostetes Material.


Der Weg führt durch verwunschene Täler und Brücken,


wobei der zumindest der Weg über die Brücke schon halbwegs illegal war.
Ich sag's nur deshalb, da man in diversen Fachmagazinen immer wieder tolle Straßen gezeigt bekommt, die aber hochgradig illegal zu befahren sind und deren Benutzung zumindest in Frankreich auch noch ziemlich teuer ist.
Besonders platzt mir da der Kragen, wenn diese Wege durch Naturschutzgebiete wie dem Mont Malamot und dem da beheimateten alten Fort führen.
Man muss den Radfahrern und Wanderern ja nicht unbedingt auf den Geist gehen.

Etwas später gab es dann auch legale Pisten durch den Wald.
Überhaupt war ich überrascht, wie viele Wege zur Benutzung freigegeben sind.
Selbst in der Eifel ist das nicht so verbreitet wie hier.


Der Weg führt hinauf zu Burgen und Festungen.
Rapunzel war aber nicht zugegen, die hatte so kurz vorm Schützenfest doch noch einen Friseurtermin bekommen.


Mein Favorit, wenn's um alte Bausubstanz geht, war allerdings dieses beschauliche Anwesen hier. Kleiner See im Garten, na gut die Turmuhr müsste mal gestellt und geölt werden,
aber sonst herzallerliebst.


Ziemlich zeitig erreichte ich die Weser. Irgendwie dachte ich, ich würde mich da vielleicht mit Bekannten treffen können, aber irgendwie war ich da für norddeutsche Verhältnisse wohl zu spontan, als dass man das hinbekommen hätte.
Meinen Verweilort für die Mittagspause finde ich in einer Art Hofeinfahrt zwischen zwei Häusern, die mich zum Ufer führt. Eine Familie legt gerade mit zwei Falt-Kajaks an und beschlagnahmt Steg und Wiese. Macht Spaß zuzusehen, wie sie sich aus den Booten zappeln. Aber ich glaube, das wäre nix für mich, zumindest nicht in einer Gegend mit weniger als 8 garantierten Sonnenstunden pro Vormittag.



Hier im Weserbergland bin ich nun schon zum dritten Male,
aber zum ersten Mal werde ich mehr Eindrücke mit nach Hause nehmen, als das schwarze Asphaltband mit dem weißen Streifen, an dem ich mich bei unsäglichem Speed orientiere.
Noch mehr als das Endurofahren schenkt mir die kleine Inderin die Chance, die Landschaft um mich herum wahrhaftiger zu erleben.


Mein Weg führt wieder nach Westen von der Weser hinfort, da ich mir noch die Sababurg ansehen wollte.
Parken ist oben vor der Burg nur für Hotelgäste erlaubt. Wie lustig! So ein Schild kann man sich ja auch gleich sparen.
Die Burg ist eine dieser "Zahl, bevor du siehst, ob es sich lohnt" Attraktionen. Aber zumindest von außen wirklich nett.


Ok, wenn man von Rhein und Mosel kommt und in Frankreich und Italien war, dann sind diese Schlösschen hier in Nordostdeutschland nicht so der Burner. Dafür ist mal wieder alles pickobello sauber.
Beängstigend sauber.

Weiter geht's zur Trendelburg. Das wollte ich mir mal ansehen, da der Norberto im Sommer da ein Zeltplatz-Event mit Alkoholverklappung, Lagerfeuer und Grillen plant.
Und ich muss zugeben, dass mir sowohl Zeltverplatzung als auch Burg sehr gut gefallen haben.
Es ist eine der wenigen roten Burgen aus Sandstein.
Sehr schön, erinnert einen an die Heimat.



Es geht nach Höxter weiter, denn der Abend ist schon am hereinbrechen. Ja, und da lauerten neben diesen hübschen und wehrhaften Waschbär-Babys auch noch zwei wirklich böse Überraschungen.


Jugendherberge Höxter ist dicht.
Ausweichen nach Süden ging nicht, weil überfüllt.
Ausweichen nach Holzminden ging auch nicht, weil zu.
JHB Paderborn? Na hallo..... so verzweifelt war ich dann doch nicht.
Ein Blick bei Booking, super Hotel 50 € mit Sauna und Wellness. Klasse. Ein Anruf genügt, um festzustellen, dass so mancher Hotelier den Schuss noch nicht gehört hat. Also wenn ich das Entspannungsprogramm haben wollte, hätte sich das zu entrichtende Salär knapp verdoppelt.
Das ist dann schon unverschämt.
Preiswerter war aber auch irgendwie nicht, bis ich dann einfach mal gegoogelt hab. Siehe da, es gibt doch reichlich Pensionen um die 30€. Leider hab ich mir wohl die einzige ausgesucht, bei der es kein Abendessen in der Nähe gab und
die  Sonderausstattung Funkloch für alle Netze kombiniert mit dem WLAN ist nicht Paket
hatte man mir am Telefon auch verheimlicht.
Ich glaube, das hätte sich hier bei uns dann doch kein Gastwirt getraut.

Alles in allem merkt man den Mentalitätsunterschied dann doch an vielen Kleinigkeiten, wie zum Beispiel die Gastwirtin vom Vortag, die einerseits erstaunt über die rund 10 % Trinkgeld war, 7 Minuten später aber irgendwie für die Flasche Wasser, die ich nach Rückfrage eingepackt hatte, wohl weitere Kohle erwartet hatte.
Dann ging's weiter Richtung flaches Land, wo ich mich hinter Gütersloh mit Nobbes treffen wollte.
Nach einigen Anläufen haben wir dann auch zusammen gefunden und nun wurde es echt flach. Sehr flach und zum Glück konnten wir über schmale Wege sehr viel kreuz und quer fahren, um Caro und Thomas zu besuchen, bei denen ich nächtigen durfte.
Ich nehme es vorweg, die Party in Bremen war schön und ich hab mich sehr gefreut, ein paar Bekannte wieder zu sehen.
Noch schöner aber war die Zeit mit meinen beiden Gastgebern und den anderen Besuchern.
Ich sach nur:

Reisen sind ja gut gegen Vorurteile. 
Und so gibt es jetzt da ein paar Flecken in BRDnien, die ich besser verstehe als vorher.

und Hurra, ich hab es auch wieder an die Mosel geschafft.
Ich hatte nun jede denkbare Art von Regen.
Beginnend hinter Gütersloh mit einem weichen Landregen,
der dann in einen breit aufgestellten Dauerregen überging
nur unterbrochen von einigen Starkregenfeldern.
Garniert dann ab dem Hochsauerland mit böigem Aqua Cumuli Horizontala (a stat us, denn Regen ist weiblich).
Im Westerwald war's trocken, bis ich den MC Doof verlassen habe.
Ins Rheintal hat's Reingeschüttet
und im Hunsrück lag noch reichlich Patina auf der Gasse.
Alken runter warn noch neue Bäche zu bewundern
und es gibt einen neue Nebenfluss des Rheins
die B9.
Vor meiner Haustür liegt ein Zug, den nix mehr im Gleis gehalten hat.

Aber wer Enfield fährt, fürchtet sich ja vor nichts.