Freitag, 4. August 2017

Wildromantisches Schluchten-Spektakel im Département Alpes-de-Haute-Provence

Wie schon mal erwähnt, rangiert der Combe Laval im Vercors bei mir nur so auf Rang 4-7 der sehenswertesten Asphaltpassagen.
Das liegt sicher an dem Kleinod natureller Landschaftsgestaltung, das ich euch jetzt näher bringen möchte.

Länge:                              ca 150 km
Belag:                               Asphalt pur
Schwierigkeitsgrad:         einfach
Kurzbeschreibung:
Von den Kilometern her eher eine Halbtagestour,  wer aber die sich bietenden Eindrücke dauerhaft aufsaugen möchte, sollte sich einen Tag Zeit lassen.




Ausgangspunkt ist Entrevaux,

eine kleine mittelalterliche Stadt, die hält, was andere versprechen.




Geographisch betrachtet ist die Stadt tatsachlich das alte Tor nach Frankreich. Dem breiten Tal des Var folgend, stößt man unverhofft auf eine Engstelle von herausragender strategischer Relevanz.






























Der Felsen, der hier unvermittelt das Tal zu einer engen Spalte formt, erhebt sich mit einem messerscharfen Grat in luftige Höhen.
Folgerichtig hat Ludwig der quatortzte äh quatorzième den guten alten Vauban,
der auch meine Heimatstadt gebastelt hat, beauftragt, ein Fort auf die Spitze zu bauen. Sicher nur um uns auch hunderte Jahre später noch die Größe und Schönheit seines Reiches unter die Nase zu halten und nicht damit heute hunderte fehlernährte Touris hier beim Aufstieg nach Sauerstoffzelten schreien.








Im Ort selbst gibt es neben engen Straßen und ein paar schönen Ausblicken auf den Var so allerhand kleine Nettigkeiten zu entdecken.
Auch ein kleines zweistöckiges Motorradmuseum gibt es dort, in dem man neben bekanntem auch ein paar sehr exotische Exponate findet. Der Eintritt ist frei, nur am Ausgang findet sich ein Teller, der sich zur Ablage übriggebliebener Münzen anbietet.






Und schon sehen wir uns wieder mit ihr konfrontiert...
Der gemeinen
"Landscape-Rule",
die schlicht und einfach definiert, "willst du irgendwo schön runter gucken, dann musst du vorher erst mal hinauf."
Und der Weg hat es in sich. Da ich mir vom hochgucken schon so ungefähr vorstellen konnte, was da abgeht, hab ich mir selbst empfohlen, den Aufstieg in den frühen Morgenstunden zu bewältigen.
Da ist noch recht kühl und nicht so voll. Ersteres traf dann auch zu, aber ein paar Amerikanos vegetierten dann in der ein oder anderen Kehre doch am Wegesrand, wobei unklar war, ob sie sich auf dem gestrigen Abstieg oder dem heutigen Aufstieg befanden.


Der Weg hinauf!
Kurz vor der Schule befindet sich ein Drehkreuz aus Stahl und etwas davor ein die Wand eingemauerter blauer Automat. 
Kleingeld mitbringen! 
An diesem Automat kann man gegen einen kleinen Obolus einen Jeton erwerben, mit dem sich das Drehtor öffnen lässt. Bei uns wäre der Automat sicher oben auf der Zitadelle, was dann von kleingeldlosen Zeitgenossen sicher entsprechend lautstark gewürdigt würde.


Der Weg selbst ist in gutem Zustand, bietet schon morgens kaum Schatten und ist viel steiler, als es auf dem Bild ausschaut. Dafür sind die Ausblicke schon jetzt begeisternd und spornen einen auf dem Weg hinauf weiter an.
Kaum dass man den Sockel der Festung erreicht, bietet sich die Option, durch den Keller herein zu spazieren. Eine Option, die ich nur empfehlen kann.
Es geht durch einen in den Stein gehauenen Tunnel
ins Innere der Feste und über Treppen dann langsam aus dem Kerker hinauf zum Gefängnis.
Gar düstere Gestalten sind da unten anzutreffen. Unter anderem sollen hier die letzten freilaufenden Grottenolme zu finden sein.






 You will never come back to the Tageslicht!

 Na, irgendwie dann doch. In meinem Fall finde ich mich plötzlich im Heizhaus wieder, wobei das Dach mal saniert werden müsste und der Boiler ist auch kaputt.

Überhaupt kann ich von einer Reservierung hier im Hotel nur abraten.
Bei Pokkking.kom hat das Ding nur ne 0,7! Prädikat unterirdisch.

Die Zimmer sind, seit der letzten Vermietung 1914 bis 1918 an gefangene deutsche Offiziere, nicht mehr renoviert worden und die Anzeichen eines erheblichen Investitionsstaus sind überall zu finden.

 Dafür ist die Aussicht wie versprochen grandios und jede Mühe wert gewesen.


Hat man die Strapazen mit der Beseelung durch die grandiose Aussicht erst einmal wieder verdrängt, geht es auch schon weiter in die Gorges de Daluis.



Hier die bekannteste Silhouette  der ganzen Sclucht.
"Tete de Femme"
Und dadavor, auch immer gerne gesehen
"tete de ma femme" "avec casque de moto"






 Ungefähr in der Mitte des oberen Drittels (nach Tete de Femme) gibt es einen kleinen Parkplatz. Der Haltepunkt liegt vor der Tunneleinfahrt. Orientieren kann man sich an dem Tunnel davor, da liegen noch die Reste von Helgas Kupplungszug, der die optischen Eindrücke wohl nicht verkraften konnte und vor lauter innerer Berührtheit gerissen ist.
 Es lohnt sich durchaus, einen Abstecher über die gesperrte Pont de la Mariée zu machen.



Auf der anderen Seite führt ein kleiner verwunschener Weg durch einige Tunnel nach Guilliomes.




Das ist ohnehin der Ort, in dem sich hier alle relevanten Straßen treffen. So auch die nach Sauze von wo an man über zwei kleine Wege die Berge erkunden kann. Irgendwie hab ich vergessen, da Bilder zu machen. Grrrrrr.

Ein weiterer Abstecher führt nach wenigen Minuten zum Château de la Reine Jeanne, welches aber eher einem Castell ähnelt.



Wer stets den Drang verspürt, irgendwo hochklettern zu müssen (wobei mir keine solche Person bekannt wäre), kann sich hier austoben. Aber es soll interdit oder divetato oder gar proibito sein, heißt es.

Jetzt kommt die nach Daluis doch recht nette Verbindungsetappe über Peone. Alternativ kann man auch auf der Hauptstraße bleiben. Beides irgendwie sehr ähnlich und dient eigentlich nur zum Warmhalten für das Feuerwerk, das jetzt noch kommen soll.

Gorges du Cian

Hab ich schon mal erwähnt, dass ich mehr so der mediterane Typ bin?
Falls es hier Gleichgesinnte geben sollte, dann werden die sich an der Kombination der warmen rot Töne des Gesteins im Kontrast mit dem satten Grün der Vegetation kaum satt sehen können.






Landschaftlich nicht ganz so brachial wie die Gorges de Daluis, sind es hier mehr die sanften Formen Farben und deren Übergänge, die einen kaum glauben lassen wollen, dass das die Natur alleine hinbekommen hat.
Die Bilder könnt ihr übrigens einzeln laden und dann in voller Größe genießen. (rechtsklick auf Bild, in neuem Tab öffnen, dann "Strg  +" zum Zoomen)


Wer hier einfach nur durchfährt, ohne die Nebenstrecken zu erkunden, würde sicher auch in der Pfarrkirche Sankt Stephan in Mainz die Chagall-Fenster nur von außen betrachten.
Zeit ist Erfahren und Mut wird belohnt! Na ja, man muss ja nicht unbedingt mit dem Motorrad hinter die Absperrung, per Pedes geht ja auch.




Der nach Entrevaux eingezeichnete Rückweg ist ein Geschenk für alle, die einfach noch nicht genug gefahren sind,
oder diejenigen, die sich nach den ganzen Impressionen noch ein wenig runterbringen müssen.
Wer dann noch was abgedrehtes machen möchte. 250 Meter vor Entrevaux gibt es eine nette Furt


durch den Var, im Frühjahr oder nach Starkregen fürVar eine Attraktion.

Ja, und eine Spielzeugeisenbahn gibt es auch.
















Montag, 31. Juli 2017

Voll Vercors! Kleine Runde zu den Sehenswürdigkeiten

Vercors

vielleicht eines der schönsten und vielseitigsten Urlaubsgebiete Europas lockt mit dunklen Schluchten, aufregend trassierten Straßen, mildem Klima und allerlei sonstigen Leckereien.

Wer schon mal nach einem kräftigen Regenschauer durch die Grands Goulets gewandelt ist,
wenn die von den Felsen fallenden Tropfen in den wenigen prallen Sonnenstrahlen funkeln, sich das Licht aufzubrechen scheint.

Herrlich.
Aber auch ohne vorher geduscht zu werden, ist diese alte in den Fels gestemmte Straße zauberhaft.
Dummerweise ist der Eingang seit Jahren versperrt und das Kassenhäuschen dauerhaft geschlossen.Vermutlich der Grund, warum ich  vergessen hab, in der Karte einen Marker zu setzen.




Man muss sich in einem unbeobachtetem Moment an dem Absperrtor festhalten und das Gitter, das bis über die Mauer zum Bach hin reicht, in einem schwungvollen Drehschritt umkurven.
Und schon ist man mittendrin statt nur dadingsda.














Die Karte hier soll gar keine Tour darstellen, sondern vielmehr einen Anhaltspunkt bieten, was man so an einem Tag alles zu sehen bekommen kann.


Saint-Nazaire-en-Royans

war für uns Ausgangspunkt und das ziemlich zufällig, denn auf einem Werbeflyer hatte ich das Aquädukt gesehen und die Stadt, die sich darunter zu beiden Seiten von Isere und Drome einfassen ließ.
Als dann das Hotel Roma, das genau unter dem Aquädukt liegt, sich genötigt sah, seine Zimmer zu besonders guten Konditionen anzubieten, war schon jede Art der Mitbestimmung meiner Mitreisenden gelaufen.

Ja, so sieht es da leider wirklich aus.



Auch vom Bett aus, denn wie schon gesagt, das Hotel liegt in den Bögen der Brücke
und beim Abendessen, denn die Terrasse liegt 20 Meter über dem Wasser, genau an der Kante zur Anlegestelle.

Die Grotte de Thais hatten wir dann gar nicht mehr besucht und wir sind auch nicht mit dem Aufzug hoch auf die Brücke gefahren. Roch irgendwie zu sehr nach Pauschaltourismus.
Na, man muss sich ja auch noch was aufheben, denn da kommen wir sicher noch mal vorbei.


Besonderen Umständen geschuldet, hatte ich mit Sabine einen Tag Zeit, die Gegend schon mal alleine zu erkunden, was für mich die Wegwahl etwas leichter gestaltete und da waren dann auch ein paar Spezialitäten dabei, aber dazu dann vielleicht später mehr.
Erstmal nur die wesentlichen Ziele.

Combe Laval

liegt irgendwie zwischen dem Col de la Machine (1.011 m) und dem Col Gaudissart (840 m) in der Sonne rum (wenn man Glück hat).
Das meist geblitzdingste Loch im ganzen Vercors


Der Streckenabschnitt entlang der Combe Laval gehört für viele zu den spektakulärsten Bergstraßen der Welt und für mich liegt er so an Platz 4-7. Fast 600 Meter soll er sich annähernd senkrecht über dem Talbecken in den Felsen gefressen haben. Na, die 600 Meter senkrecht nach unten sehen auf der Rotwand etwas seehr viel tiefer aus, aber dafür führt der Weg hier durch Felsentore (T1 bis T5) und schöne Straßenüberhänge.





























Es bietet sich eine ziemlich maximale Aussicht hinab in das Tal der Isère, und es tut fast weh zu sehen,


wie flach es da weiter geht, wenn man wieder in die Alpen zurück will.



Na, Sabine hat es jedenfalls gefallen, die war bisher nur bei Regen hier oben und ganz ehrlich,
bei Sonnenschein ist es echt schöner, weil schöner einfach schöner ist.
Schön, steht also die Frage im Raum

"Lohnt es sich also die Route de Combe Laval zu befahren?"
Und die Antwort ist ein klares nein!!!!

Ihr würdet mir da nur auf den Wecker gehen und mir die Idylle stehlen.


Unterhalb der Bergpassage schlängelt sich übrigens ein weiteres nettes Sträßchen am Fuße des Combe Laval entlang. Die Sackgasse endet an einem Hotel oder Kloster in einem U aus schroff nach oben weg steigenden Felsen.
Sicher eine schöne Ecke auch zum Wandern.




Pont-en-Royans

Wer kennt das nicht, man fährt eine Schlucht entlang, den Kopf leer, das Herz so voll und gibt sich dem Verlauf der Straße hin, saugt dabei so viel wie möglich der landschaftlichen Eindrücke auf.
Und dann kündigt sich viel zu früh der nächste Ort an, der dich deiner Gefühle berauben will.



Wie wäre es aber, wenn der Ort so zauberhaft auf zwei Ebenen liegt
von Schlucht,  Fluss und einem Bassin in zwei Hälften geteilt,
die eine Brücke verbindet, unter der sich der kleine Fluss aus der Schlucht in das Bassin stürzt.
So schön, dass du spontan Pippi machen musst.
Willkommen in Pont-en-Royans.

Da kommt man von der Gorges de la Bourne rein.
Unten sind ein paar Mühlsteine liegen geblieben.
Vielleicht von der letzten Inquisition.

Dann über die Brücke, unter der sich das Bächlein in die Tiefe stürzt. Da gibt es auch ein Klasse Restaurant, die machen einen tollen Schoki -Banane-Eis-Crepe.


 Da in den Felsen links kann man rein und hoch klettern und dann ins Bassin springen.
Scheißendrecks Motorradklamotten.



Gorges du Nan (D22)

sind eine eher unbekannte Kleinausgabe des Combe Laval und da auch weniger bekannt ein echtes Kleinod zum Abschalten.
Die Schlucht selbst ist recht eng.



Die Steilwände super steil und der Blick ins Tal macht einem deutlich mehr Angst als der von anderen Hochpunkten. Hier ist die Hin- und Herfahrt nicht unbedingt ein Nachteil, wenn man alle Eindrücke mitnehmen will ohnehin Pflicht.
Unbedingt besuchen!













Canyon des Ecouges (D35)

erwartet uns mit dem vermutlich dunkelsten Tunnel mit Asphaltboden der ganzen Alpen.
Er bietet ausreichend Platz für ein Auto und ein paar Zerquetschte.
Die Röhre ist 500 Meter lang und bietet nach 250 und 400 Metern eine kleine Kaverne als Ausweichmöglichkeit für den Gegenverkehr.
Reiten ist darin übrigens verboten, seitdem viele Reitschulen ihre Nachtpflichtstunden für den Reitführerschein tagsüber hier im Tunnel absolviert hatten.

Innen ist die Röhre so ausgelegt, dass sie jegliches Licht zu verschlucken vermag.
Also so eine 35 Watt Bilux-Enduro-Notbeleuchtung reicht ungefähr 45 cm weit und die Photonen fallen vor dem Schutzblech auf den Boden.





Die Strecke selbst ist eher nett als überwältigend,



solange man nicht auf die Idee kommt außen herum über die alte Trasse am Fels lang zu fahren.

Man muss dafür zwar über einen kleinen Wall drüber hoppeln, aber es ist die Mühe  es echt wert. Zu Fuß geht übrigens auch, denn man kann das Motorrad da gut abstellen. Es lohnt sich ein Blick in die Schlucht. Ich kann auch in Motorradklamotten einen kleinen Abstieg am Wasser lang empfeheln. Die Einblicke in die Schlucht (gerne mal Bilder googlen) sind molto krasso. Jedoch denkt daran, den Wiederaufstieg auf der steilen Trasse gibt es nicht geschenkt.

Nicht nachmachen!



Presles

La Route de Presles war für uns eigentlich als schicke Verbindungsetappe gedacht. Dank Navi, einer Baustelle, einem der steilsten zum Verkehr zugelassenen Naturbodenwege (endete direkt vor einem quer stehenden Lastwagen) und diversen Überraschungen am Wegesrand, wurde diese Etappe zum fahrtechnischen  Tageshighlight.
Ok, man hätte es auch einfach haben können und auf dem Weg bleiben.
Letztlich führt die Straße durch diese in den Fels geschlagene Galerie



und bietet einen schönen Blick ins Tal auf die Gorges de la Bourne.
Ach ja, fast vergessen. Oben auf dem Berg gibt es zwei Routen, denen man folgen kann. Wir hatten die mit dem "Achtung schmal und wenig Gewicht" Schild gewählt und nicht bereut.