Albanien 2015 "Drei Wochen im Septober"

Drei Wochen im Septober



Turbulente Woche war das
wenig Zeit zum Planen und so finde ich mich reichlich unausgeschlafen auf der A3 neben Sabine im Bus wieder, wie wir mit 150 hinter Lutz und Helga herfliegen.
Kleines Frühstück inklusive Begrüßungsknuddeln gab's natürlich auch



und die noch reichlich frische Luft lässt mich langsam wach werden.
Zwei Tage wird es wohl dauern, bis wir Bisirien erreichen.
Da die Grenzen zu Raserbeidchan momentan dicht sind, war der Weg durch die Steppe und dann an der Bisirischen Seenplatte vorbei in die Sjencez Hochebene die logische Alternative, um Krasastan von Nordwesten her zu erreichen.
Über die neuen durch die WHO finanzierten Straßen  kommen wir ziemlich gut voran.


Erst 40 km vor der Grenze endet der Ausbau und die Durchschnittsgeschwindigkeit sinkt unter die 40'er Marke.
Das Problem ist weniger der fehlende Randbelag als der ziemlich flottige Schwerverkehr, der einem hinter jeder Kurve fahrbahnfüllend entgegen kommen kann.



Am Nachmittag des 3. Tages passieren wir tatsächlich die Grenze nach Bisirien über den
Shatt al-Saltish (Küste der Salten).

 Dicke Schrauben suggerieren Sicherheit.



Entgegen allen Beschreibungen ist der Holzbelag der Grenzbrücke über die Niresh-Schlucht in sehr gutem Zustand.

Dennoch, ein wenig Abenteuer bleibt. Hinter der Grenze wird die Straße besser, aber nicht breiter.



Zudem führt sie kilometerlang von Tunnel zu Tunnel an der zerklüfteten Steilwand zum Niresh-Stausee entlang und wir sind ganz froh, dass wegen dem schlechten Wetter heute nur mäßiger Verkehr herrscht.
Die Straße steigt von Pivsko kommend steil nach Trsia an, wo uns unsere Unterkunft erwartet. Das gute Wetter hat leider nicht gewartet. Gestern noch 30 Grad auf 1400 Metern verschwindet die Hochebene zunehmend in den Wolken.

Für eine kurze Motorradtour zum Akklimatisieren hat es noch gereicht, dann verschwinden die Berge um uns herum im Nebel des Grauens.






So wie es scheint, haben wir uns wohl verfahren


oder uns irgendwo für den falschen Abzweig entschieden.

Na genug der Spinnereien, nach zwei Tagen sind wir im Montenegrinischen Hochland gelandet.
Zur Anreise und den Wegen werde ich noch ein paar Infos am Ende des Blogs verstecken. Nur soviel sei schon mal verraten, der gewählte Weg durch Bosnien war der Hammer und ich hab es sehr bereut, diesen Teil der Reise nicht im Sattel meiner CRF bewältigt zu haben.

Insgesamt war die Entscheidung für die Mitnahme unserer eigenen Kisten,..............


..gemessen an dem lokalen Angebot an Leihmotorrädern, aber die einzig richtige Entscheidung.

Wir befinden uns zwischenzeitlich also in Montenegro. Genauer gesagt in der Nähe von Zabljak, wo wir eine tolle Unterkunft gebucht haben. Dort werden auch unsere Autos gute 2 Wochen auf uns warten müssen.
"Sicher"   wird das wieder gut gehen :-), denn die Gegend hier ist sehr einsam und gut behütet.
Gestern sind wir noch ein wenig über die Hochebene und hinunter zum "Pivsko Jezero" gefahren. Ein unglaublich wildromantisch angelegter Stausee und ich muss zugeben, dass ich etwas vergleichbares bisher noch nicht gesehen habe.
Zufällig habe ich auch den Grund gefunden, warum nicht damit zu rechnen ist, dass Montenegro in den nächsten Jahren zu einer großen Basketball-Nation aufsteigen wird.


Leider ist neben dem Basketballkorb auch das Wetter gekippt und so sind wir heute mehr oder weniger in der Hütte gefangen.
Vielleicht gar nicht so schlecht, denn die letzten drei Tage waren anstrengend.


In dunkler Nacht sind wir über den schmalen, kaum 3 Meter breiten aber überwiegend gut asphaltierten Sedlo Pass von Trsa kommend mit unseren Bussen gekrochen.
Zu empfehlen ist die Piste mit den Autos eher nicht, aber in unserer Karte war die Strecke "gelb" eingezeichnet und obendrein über 50 km kürzer als die Route außen rum.
Die Zeitersparnis ergab sich mit ca. minus zwei Stunden. Aber der Abenteuerfaktor war schon extrem hoch.
Die Unterkunft war in der Dunkel- und Einsamkeit erstaunlich schwer auszumachen. Dafür sprach Tanja (die Hauswirtin) sehr gut englisch und hat uns dann bei einer Nachbarin gleich noch Frühstück und Abendessen für die nächsten Tage organisiert.
Ein sehr empfehlenswertes Gesamtpaket.



Morgen geht es dann also mit den Motorrädern los.
Der Weg wird uns über die Tara Schlucht


am Fuße des Kom Kucki (nein hab ich nicht erfunden) vorbei nach Gusinje.
Dort endet dann neben Montenegro auch der Asphalt.
Es geht am Vermosh Tal vorbei (mal sehen wer sich da mit mir hinein wagt)
Richtung Koplik.
Koplik oder Shkodra sollen dann Ausgangspunkt für den Besuch des Thetit Nationalpark werden.
Wie weit wir wann tatsächlich kommen, wird vom Wetter und dem Zustand der Straße nach Budac SH 20 abhängen. Es wurde wohl schon mächtig mit Teer gespielt, aber über die "Leqet e Hotit" (hier guggen du musst)hinaus ist man wohl noch nicht gekommen und das ist auch gut so, sonst hätten wir ja nix zu erzählen.


Mbledhja e vogël e përshtypjeve


Ok, schnell mal das dünne Netz nutzen und eine kleine Auswahl der gesammelten Eindrücke raushauen.
Wir sind mitten im Never Never Land gelandet.
Ich hänge mit dem Bericht ein paar Tage hinterher
und so wies ausschaut wird sich daran auch nicht viel ändern.

Wir sind von Montenegro über einen kleinen vereinsamten Grenzübergang nach Albanien hinein.
Der Zöllner hat unsere Einreise noch handschriftlich in seinem Buch eingetragen und ich war mir nicht so ganz sicher, ob wir ihm nicht etwas zu Essen hätten dalassen sollen.

Zehn Meter hinter der Grenze endete der Asphalt.
kam dann kurz nochmal wieder, um dann für 30 km zu verschwinden.
Der Einstieg war heftig, die Piste wurde dann aber zunehmend leichter.
Dennoch wars Stockdunkel, als wir Shkodra erreichten.
Genau wie der Kleine Junge im Vermoshtal, der unbedingt meine durchgeschüttelte und angetrunkene Cola haben wollte, gesagt hatte.
Von Shkodra gings nach Puke und dann querab über Teerreste nach Burell.

Wie schon in der Überschrift gesagt nur ein paar picoli Impressioni.




















24.+25. Septober 



Das war ein knappes Ding.
Mit dem ersten Regen stehen die Moppeds in der improvisierten Tiefgarage in Pogradec
und ich drücke dem netten Portier schnell mal 200 Lek für seine Bemühungen in die Pfote.
Ein aufregender Tag.
Letztes Jahr war es der gebrochene Fuß, der uns zum wunderschönen Ohrid See trieb.
Dieses Jahr eine Gewitterfront und ein plattes Hinterrad.
Keine Frage, was ich bevorzuge, aber an meinem Nagelmagnetismus muss ich unbedingt arbeiten, denn das nervt auf Dauer und ist ja dieses Jahr auch schon das 2. Mal.
Heute hat mich der Nagel auf den Höhenzügen der Albanischen Grenzkammstraße erwischt.



Ziemlich mittig.........


nicht nur im Profil sondern auch bezogen auf die Strecke.
In beide Richtungen rund 20 km gar nichts.
Reifen runter wuchten schien nur die zweitbeste Lösung.
Glatter Durchstich 5 mm Loch.
Sollte mit Reifenpilot dicht werden.
So der Plan,
der nach dem dritten Mal Sprühen, einer CO-Patrone und anschließend auf 2 Bar aufpumpen mit Lutzens Kompressor endlich aufging.

Das muss jetzt bis Urlaubsende halten, denn so viel Reifendichtschaum, wie da aus der Felge lief, wird der Schlauch sicher nie wieder vom Mantel zu trennen sein. Und wenn ich an die Felge denke, könnte ich kotzen.
Dennoch war's insgesamt ein geiler Tag. Tolle Landschaft, nette Leute,
wie zum Beispiel der gute Mann der angehalten hat und sich über seine Regierung beschwert hat und die Deutschen diesbezüglich lobte,
und nicht nass geworden.
Aber irgendwie kamen wir schon wieder nicht so recht vorwärts, was diesmal nicht nur an den "Schotter-Schnecken"


lag, sondern auch an der genialen Streckenführung,


dem verwirrenden Kartenmaterial und dem verzauberten NAVI,
welches nämlich eben so wenig Ahnung wie wir davon hatte, dass wir uns teilweise auf der Neubaustrecke bewegten.

Vom Verkehr in Pogradec hatten wir ziemlich bald die Nase voll, zumal das Wetter sich 20 km vor dem Ohrid See ja extrem verschlechtert hatte und das Gewitter uns nun langsam einholte. Die Uferpromenade ist mal sehr hübsch und dann wieder übersäht mit Bauruinen, für die sich niemand zuständig fühlt,
aber vor allem ist sie Einbahnstraße, was mächtig nervt, wenn man eine schöne Bleibe sucht.
Irgendwann halten wir wieder im Promenadenkern, der durch zwei neue imposante Hotels gekennzeichnet wird.
Ich gehe mal zum Ufer um mir ein Bild zu machen, dann gehe ich in das größere der beiden Hotels und frage nach 2 DZ.
Ja, hat er, alles recht nobel hier, denke ich
Kostet?
25 € sagt er.
Ich frage nach "per person"?
No, for the Room.
Breakfast?
Included what else?
Keine Frage, wir haben ein Hotel gefunden, das mit Schwimmbad und Spa zu gefallen weiß und da wusste ich ja noch nixos von der Moppedgarage.
Abend gab's dann gegrillten Fisch, aber darauf komm ich eh nochmal zurück.



Der 25. ist dann leider nicht so erwähnenswert, denn scheinbar habe ich den Koran
(eine Forellenabart hier im See), also den hier



nicht so wirklich vertragen. Der Freitag findet daher ganztägig mit Fieber im Bett statt. Egal, draußen regnet es in Strömen und Shirts müssen eh gewaschen werden.
Jetzt macht es sich zumindest bezahlt, ein großes Hotel direkt an der Uferpromenade genommen zu haben.
Und während die Anderen die Stadt noch unsicherer machen, als sie eh schon ist, schwitze ich den Koran langsam wieder aus.