Rumänien drei Wochen im Autember



Drei Wochen im Autember

6300 km von der Mosel bis ans Ende der Karpaten

 
Vorweggesagt, war die Reise nach Rumänien eine ziemlich Enttäuschung!!!
 
Miserabelste Infrastruktur, vagabundierende Hunderudel, schlechte Grundversorgung, nach unseren Maßstäben abgründige Unterkünfte, grenzwertiges Nahrungsmittelversorgung, ständiges Betteln, Sanitäre Einrichtungen mit Würgreizgarantie, Diebstähle und Korruption vom Grenzposten an……….

von all diesen abenteuerlichen Dingen haben wir nur sehr wenig gesehen oder erlebt.
 
Dieser Reisebericht wird daher mehr von den netten, freundlichen,  und hilfsbereiten Menschen erzählen und zeigen wie man sich auch mit einer 250er und 49 Liter Gepäck durch die vielen großen und kleinen Abenteuer einer solch langen Reise hangeln kann.
Eigentlich war es von vornherein eine ziemliche Schnapsidee und ich weiß auch schon gar nicht mehr welche Bierlaune uns dazu getrieben hat, diesen langen Weg zu bestreiten. Jedenfalls kann ich mich noch gut an die Tage nach diesem denkwürdigen Abend, an dem Sabine, Helga, Lutz und ich beschlossen hatten diese Reise anzugehen, erinnern. 
Da war z.B. die erste Abschätzung der Strecke durch die Gebirge bis zum Schwarzen Meer, die mir mit respekteinflößenden 6.800km ein mächtig flaues Gefühl im Magen bescherte.  Dazu kam, dass die Reise mindestens 3 Wochen in Anspruch nehmen würde. Allein die üblichen Mengen an Ausrüstung und Bekleidung würden eines Service-LKW nötig machen.
  
Aber es waren ja noch gut 9-10 Monate bis dahin und insgeheim ertappt man sich dabei, 
wie man sich einen Plan zurecht legt, wie man möglichst sozialverträglich aus der Nummer wieder herauskommen könnte. Aber die Mädels kannten kein Pardon und so nahm das Projekt langsam Formen bzw. Deformierungen an.
 
Mit Blick auf das Alter meiner treuen 650er SLR (siehe Sardinen) und den zu erwartenden Gepäckmengen, wurde die Reise für die Vierzylinder ausgeplant. Noch schnell zwei Sätze des guten alten Michelin Pilot Road I (der Reifen schlechthin, wenn man nicht genau weiß was einen erwartet) bestellt und schon mal dies und das aus dem Fundus hervorgekramt.

Doch zwei Monate vor dem Abfahrttermin, kurz nach meiner Offroad-Alpentour) sorgten zwei degenerierte Bandscheiben, eine abgerissene Achillessehne und eine angerissene Schultersehne für reichlich Ärger. 
In meinem Falle führte das dazu, dass ein 300kg Motorrad nicht in Frage kam. Sabine witterte eh schon lange die Chance endlich ihre neue 250er Enduro auf große Fahrt zu führen und als dann Honda die CRF für 4000€ verschleuderte, reifte in mir eine, für einen leistungsverliebten Fahrer, geradezu verwegener Plan. 
 
Keine zwei Tage später standen zwei CRF 250L in der Garage und die Frage im Raum, 
wie um alles in der Welt bekomme ich da Gepäck für drei Wochen drauf und wie verkaufen wir Helga und Lutz, dass längere Autobahnpassagen auf den Transferstrecken ab heute gestrichen sind.
 
Tag 0        
Etappe:  Wohnzimmer –Garage- Ausfahrt (RLP)  0,1 km
Ausfälle: ca. 20 kg Gepäck, das zu hause bleiben muss
Beschreibung: Ausgeglichene Tour mit kurzen aber sehr steilen Anstiegen (Kellertreppe)
 
Da liegen nun also das verblieben Bündel Habseligkeiten, die gerade noch so in den Packsack passen, dass auch das Thermofutter der Jacken und Hosen dazu gestopft werden kann. Denn das sollte nötig sein, denn in Rumänien ist es Heiß und bis mitte September herrscht eine strenge Dürreperiode.
 


 
So der Plan……….
und ich kanns und möchte es schonmal vorweg nehmen, die Futter waren eher selten in der Tasche. Noch seltener war nur die Nässeschutzmembrane eingepackt .
 
Es nahte der große Moment der CRF Erstbepackung und das klappte viel besser als erwartet.



 
Mit ca. 12 kg noch recht zivil ausgefallen, machte sich das Gewicht  auf dem Heck hoch thronend während der Fahrt deutlich weniger negativ bemerkbar als erwartet und auch der kleine Tankrucksack trübte allenfalls im Stehen auf den Rasten das Fahrvergnügen etwas.
Für eine 25oer ist es eben doch ein sehr erwachsenes Motorrad. 

Tag 1
Etappe: Löf-Franzensbad (CZ)  483 km
Ausfälle: Tachowelle Zephyr, Startprobleme

Beschreibung: Lange und recht unspektakuläre Verbindungsetappe durch bekannte Regionen die selbst im WesterWald bereits ein Mensch gesehen hat.



 
So ging es dann für uns Drei (Sabine, Volker und den Mutbär)


 
am  17.08.2013 noch ohne Frühstück von der sonnigen Untermosel in den kühlen Westerwald hinauf. Ein guter Zeitpunkt um unser neues Topinvestment (NAVI) ausgiebigen Tests zu unterziehen.


Als Treffpunkt hatten wir gegen acht / halb das BurgerKing in Heiligenroth auserkoren.
So der erste Plan, der schon gleich daran scheiterte, dass alle Lokalitäten dort oben im Wald erst nach neun Uhr Mittelwesterwälder Zeit öffnen. Wir sind tatsächlich bis auf die Autobahnraststätte zurück geeiert um diese fürstliche Mahl zum sagehaften Sondertarif  von 16€ ++ einzunehmen.  

Aber ich wills gleich vorwegnehmen, es sollte das teuerste aber auch wenns lecker war  das zweitschlechteste Frühstück dieser Reise werden. Und somit ist es schon fast ein Qualitätsprädikat für das, wass wir noch vor uns hatten.

Nachdem Michaele (sie wollte uns nur ein kleines Stück begleiten), Helga und Lutz eingetroffen waren gings dann quer durch den Vogelsberg in und an der Rhön vorbei in den Thüringer Wald. Pünktlich vor HiBu trennte sich Helgas 100 000 km Zephyr dann zwanglos von ihrer Tachowelle, was einen Besuch bei Bruno (befreundeter KAWA-Händler und stets hilfsbereiter Genosse) notwendig erscheinen ließ. Und wieder passte das Timing perfekt, denn Gabi und Bruno waren obwohl erst Samstagnachmittag war nicht mehr in Ihrem Laden.  Servicewüste sag ich nur. :-)
 
Den Wunsch der Mädels, zum Kuchen ins http://www.cafe-otto.de/ (beste Konditorei im ganzen wilden Osten) zu fahren fand ich ebenso verlockend wie von den zusätzlichen km her gänzlich abwegig. Man muss auch mal nein sagen können. Und so erreichten wir nach einem kulinarischen Stopp in Sonneberg unsere Unterkünfte im zarten rot der langsam versinkenden Sonne. 

Vorher hatte ich noch reichlich Spaß mit dem Tschechischen Geldautomaten, der nach der in bestem Deutsch formulierten Frage nach der gewünschten Sprache ohne Umschweife meine linguistischen Wünsche ignorierte und lustig wilde für mich unverständliche  tschechiche Auswahlmenüs anbot. Nach 4 Versuchen (try and error, wobei  jedes Mal die Karte wieder ausgeworfen wurde) hatte ich es dann bis zur PIN geschafft und zwischen mir und meinen ersten Kronen stand eigentlich nur noch der Polizeiwagen, der mittlerweile hinter mir Platz gefunden hatte.
Es zeigte sich, dass die Beiden etwas barsch auftretenden Ordnungshüter vom Schlage -ich hab dank der Uniform endlich mal was zu melden- aber nur an unseren falsch parkenden Motorrädern interessiert waren, denn schließlich sind wir in einer Kurstadt, da kann mann nicht eben mal auf dem Bürgersteig anhalten, auch wenn der 20 Meter breit ist. Nachdem wir den Beiden ein wenig Beachtung geschenkt hatten, war dann auch alles wieder gut und wir durften endlich zum Essen.

Zu Franzensbad muss ich noch ein paar Worte loswerden. 
Der alte Kurort ist wirklich eine Augenweide. Er ist leicht und schnell zu erreichen und ein idealer Eingang zum deutsch-tschechichen Grenzgebirge. Das Essen ist gut und Unterkünfte gibt es in verschiedenen Preisklas ab 30€ aufwärts reichlich. Leider ist er aber auch ein etwas altbackener Urlaubsort und man ist mit 39 Lenzen  (oder en wenig mehr), von einigen mitgeschleppten Enkeln und Urenkeln abgesehen, der Jüngste in der Disco. Gut das störte uns nach rund 500km Landstraße nun weniger, aber an sommerlichen Wochenenden ist eine Zimmerreservierung absolut ratsam, da der Ort schnell ausgebucht ist.

 
Tag 2
Etappe: Franzensbad-Jablonne(CZ)  326 km
Ausfälle: zerbröseltes Nummernschild, abgebranntes Hotel
Beschreibung: Launige Strecke entlang des Grenzkamms mit reichlich Aussicht und einigen  von der Reiseleitung geplanten aber auch ungeplanten Überraschungen 



„Mein Gesicht gezeichnet von einem kurzen bleiernem Schlaf, in der Stille des Sandes und der Kälte der endlosen Weiten um mich herum , reißt mir der sonderbar monotone Gesang des Muezzin von Baghlan die letzten Schleier von meinen roten Augenliedern. Fremdländische Klänge in einer mir fremden Einsamkeit, weit,  soooo weit weg von der Heimat“
Ne warte mal, so wars im Kunduz…. 


Der Morgen startete mit strahlendem Sonnenschein und einem ausgiebigen Frühstück und der ersten freien Routenwahl durch das deutsch-Tschechische Grenzland.


 Ganz grob orientierten wir uns an Martins letztjähriger Tour, wobei ich es nicht versäumen mag , mich an dieser Stelle für seinen tollen Reisebericht zu bedanken, der uns bis zur Grenze als Inspiration dienen sollte.
Es geht also an den Grenzkamm, den wir schon von unserem Urlaub im Erzgebirge recht gut kannten. Dennoch wars erstaunlich, mit welcher Geschwindigkeit sich diese Region entwickelt hat. Da war nix mehr mit einsamen Wegen. Schade, aber das kennen wir ja schon aus dem Piemont und Ligurien und irgendwie finde ich es ja auch verständlich, dass immer mehr der reizvollen Gegenden auch für weniger mobile Menschen erreichbar werden. Aber einsam wars irgendwie  schöner.
Alles Ändert sich.....nein nicht Alles ..... die einzige Möglichkeit sich hier zu orientieren sind nachwievor die Radwegkennzeichnungen und es ist brüllend heiß.



Ich muss abermals die Route anpassen, denn wir sind spät dran (ein Zustand, der in den nächsten 20 Tagen Normalzustand werden sollte) und wir wollen unbedingt noch Höhlen vom MotoKlub „Pekelne Doly“  besuchen, die am darauffolgenden Tag geschlossen wären. Naach einer leider viel zu flotten fahrt durch die Schluchten dieser aufregenden Gegend und nach einer Pause bei Napoleons Haustier


 und dem obligatorischen Palatschinken mit riesen Portion Eis


(sorry war unterzuckert, hab ddas Bild aufgefressen)

schaffen wir es tatsächlich um kurz nach sechs, bei den Grotten einzubrechen.







Wir verbringen in und um die Höhlen eine knappe Stunde und ich muss schon sagen, dass der durchlöcherte Fels schon ein kleines Highlight war und die verschärfte Anreise durchaus wert.







 
 Helga gefällt es sogar so gut, dass sie sich bei der Ausfahrt (also gewissermaßen an der Kasse) samt Motorrad auf die Erde wirft und gar nicht mehr raus will. Die Sache geht sich glimpflich ohne Defekt aus, denn die Mühle lehnt gewissermaßen mit dem Lenker an einer der Sofalehnen. Ja mit 100.000 km darf man ja auch mal müde sein.
 
Wir verlassen das Tal, dass zu den Höhlen führt und halten auf Jablonne zu, da wir hoffen dort Unterkunft zu finden. Wir fragen Passanten, aber die meinen es gäbe hier nichts. Mein Navi ist anderer Meinung. Ich lasse die Gruppe kurz unbeaufsichtigt zurück und finde ein altes Hotel am Markt. 



Eine noch etwas jüngere Frau mit Teil-Iro (rechts normal von links Glatze) wird auf mich aufmerksam. Ich frag und sie gibt uns drei riesige Zimmer. 

Als ich zurückkomme hab ich scheinbar gerade das Beste verpasst, als Micha den laufenden Verkehr durch forsches lebensverneinendes Vortreten gestoppt hat um nach Hotels zu fragen. Ich hätte es sehr bedauert sie auf unserem Weg nach Osten bereits hier zurücklassen zu müssen.
Die Iro-Maus ist super nett und wir dürfen die Motorräder im Innenhof parken. Wobei wir feststellen, dass das Dachgeschoss des Hotels frisch abgebrannt ist. Egal diese riesigen Zimmer mit Wanne und Jacuzzi sind Spitzenklasse

und das Beste in Form der Speisekarte sollte noch kommen.
 

Hat schon mal jemand gebratenen Hermelin bestellt ohne in einen ernsthaften Konflikt mit dem Tierschutzverband zu geraten????
Wir schon. Und die Teuflischen Massen im Kartoffelpuffer stehen neuerdings ganz oben auf meiner „was ich schon bald wieder essen will“ Liste.

 
Fazit Tag 2:
Das Tschechich-Deutsch-Polnische Grenzgebiet ist mit seiner schönen Landschaft den kleinen Preisen und dem guten Essen und Trinken eine der leckersten Alternativen zu meinen geliebten Vogesen oder dem Schwarzwald.



Tag 3 "Trennungsschmerz"
Etappe: Jablonne-Schönburg (CZ) 309 km
Ausfälle: Michaele 
Beschreibung: Ausgelassenes Canyoning mit 4500 Kalorien


„Langsam verschmilzt die Kamelcaravane mit dem sandigen Horizont zu einem unaufhörlichen Flimmer. Es wird auch für uns Zeit weiter zu ziehen“
Menno ich will nach Afrika oder so.
 
Wie bereits angekündigt hat uns der Regen eingeholt und es sieht alles danach aus, als würde er uns auf unserem Weg nach Osten noch ein gehöriges Stück begleiten. Genauer gesagt, gibt es ein lokales Tiefdruckgebiet von ca 300 km Breite das in einem Wirbel mit uns ziehen wird.
Bei dem tollen Frühstück, das uns die Iro-Maus gezaubert hat, fällt es auch irre schwer seinen Elitekörper raus in den Sprühregen zu befördern. Wir verabschieden Michaele, die uns heute in Richtung Wildnis (Selters im Westerwald) verlassen wird. 
Als wäre der Regen nicht schon Strafe genug, ist eine der schönsten Passagen des heutigen Tages, die uns durch eine enge Schlucht führt mit Baustellen gespickt. Die Straße ist glitschig und die einzige Chance mal entspannt den Blick über das Tal schweifen zu lassen ist an diesen beknackten Baustellenampeln, die allesamt uns mit rötlichem Schein begrüßen, der dann noch Minuten anhalten soll.




Selbst regungslos im Bach treibend käme man hier schneller vorwärts.
Der einzige Trost.... die neuen Klamotten sind auch nach Stunden noch superdicht und mollig warm und sobald ich mir mit dem Hersteller einig geworden bin, verrat ich auch welche das sind :-).
Die kleine Dürreunterbrechung begleitet uns den ganzen Tag und auch die schönsten Städte und Pässe wollen mir dabei nicht so recht gefallen. Einzig das leckere Essen in den reichlichen Pausen lässt es einem etwas warm ums Herz werden.




 
Noch immer tropft der Himmel den Boden unter mir voll und mit der Unterkunft will heute auch nicht klappen. Es ist schon fast acht, als wir endlich eine Bleibe finden. Eigentlich wollten wir gar nicht bis Schönburg fahren, aber die Suche nach geeigneter Unterkunft hat sage und schreibe 75 km und fast 3 Stunden gedauert und ich ringe mir selbst das Versprechen ab,  günstige Gelegenheiten wie z.B Urlaubsgebiete, demnächst besser zu nutzen. 

Die heutige Etappe war wirklich sehr schön, aber leider hat das feuchtkalte Wetter verhindert, dass man sich an den schönen Plätzen einfach mal eine Stunde in die Sonne flötzt um auszuspannen. 

Die Unterkunft in Schönburg war superklasse, weil man uns trotz des späten Abends und unserer triefnassen Klamotten und Ausrüstung und obwohl der Biergarten gerade wie irre brummte, sehr freundlich behandelt hat. Die Zimmer waren mit 14€ auch sehr preiswert und sauber. Zumindest bis wir drin waren.
Ja und dann war da noch der Lutz, der gerne eine eine Karte der Slowakei mit Anteilen Tschechiens kaufen wollte. Eine gute Idee, die letztlich am real existierenden Kartenangebot



kläglich scheiterte. 

Fazit Tag 3:
Ja ich gebe es zu mir fehlten heute definitiv die mediteranen Momente
und ich glaube langsam wächst mir ein weiterer Bauchmuskel.
Aber dieses Eight-Pack fühlt sich seltsam weich an. Ich werde es kritisch im Auge behalten.

Morgen gehts in die hohe Tatra........
Wetterscheide ......
........da wird alles Gut und wir tauchen in die heißen Gefilde des sommerlichen Kontinentalklimas.
So der Plan!!!


 
Tag 4 "einfach ein paar Pillen mehr empfehlen......"
Etappe: Schönburg (CZ)- (PL)-(SK)-(PL)-Zdiar(SK)   350km 
Ausfälle: Gute Laune und Schmerzmittel werden langsam knapp
Beschreibung: Lustige Kreuzfahrt bei schlechter Sicht und teilweise unter 5 Grad durch eine herrliche Landschaft, die uns leider hinter den nebligen Schleiern des wohl größten und kältetsen Dampfbades Osteuropas verborgen blieb.


 
„Es regnet unaufhörlich und der Weg vor uns verwandelt sich in eine undurchdringliche Moorlandschaft. Es tut nichts zur Sache, unser Versprechen zwingt uns gen Osten, aber das ungute Gefühl tief in den Eingeweiden kündet davon, dass wir nicht alle zurückfinden werden.“
Ich dreh langsam durch ...........
Verdammte Hacke........... Dürre war versprochen !!!!!!
Mein Entschluss steht fest wie in Wattschlick gegraben. 
Nächstes Jahr Marokko?!!!!!!?

Der Tag startet mit einer verschärften Rüge an Lutz. Das tat mir selber mehr weh als Ihm, war aber unumgänglich, da ich es nicht dulden konnte, dass er vor den Anderen mit seinem ausgewogenen Frühstück spielte.


Da ich immer noch sehr besorgt wegen meinem 4. Paar Bauchmuskeln war, hatte ich das süße Frühstück bestellt, 


und bekam einen Teller Käse dazu und eine Schale Leberwurst, die ich eigentlich nur bildlich erwähne, da sie uns später als Kettenschmiere noch wertvolle Dienste leisten sollte.

 
Der Weg führt uns von dem eventuell schönen Schöneberg (wir haben durch die Wolken leider nichts davon gesehen) durch die eventuell auch sehr schönen Böhmischen Höhen,
in denen merkwürdige Tiere leben




nach Polen. 
Ja Sabine stellte sich wieder an wie bei Feinkost Köhler an der Süßigkeitenkasse.
 

Aber letztlich hat sie dann eingesehen, dass der Kleine nicht mit kann, da in Rumänien ein striktes Einreiseverbot für Hausdrachen gilt.

Wobei wir (Jetzt kommt der Martin wieder ins Spiel) noch in Vitor  in dieser Instandsetzungseinrichtung



Rast machten.
Da bei der Kälte der Schmerzmittelverbrauch des Invalidenkorps unerwartet dramatisch in die Höhe geschossen war, versuchte Helga, beim örtlichen Medizinmann die Reiseapotheke aufzufüttern.

Und wie der auffüttern konnte.
Liebe Offroadfreunde
es ist schier unglaublich
aber hier kommen sogar die 
IBUs von

KTM




Es geht weiter! 
Wenn wir tatsächlich noch das Meer sehen wollen, dann müssen wir heute noch durch Polen durch. Ein wenig anheimelnder Plan, wenn man die Nebelwand betrachtet, die sich am Horizont auftut.

Die Suppe ist so dicke, das wir unbemerkt die Grenze zur Slowakei überschreiten. 
"He Lutz, klasse hier können wir in Euro zahlen", kläre ich meinen Mitstreiter freudig erregt über meine neusten Erkenntnisse auf.
Tatsächlich mit leichter Verzögerung machten mir die in Euro ausgezeichneten Preise an der Tankstelle diesen Umstand bewusst. Noch einen Kaffee und ein paar Erdnussflips, dann geht es Richtung hohe Tatra weiter. 

Auf die glorreiche Idee, Zakopane zu umfahren, sind auch ca. 21456 andere Verkehrsteilnehmer gekommen und so zockeln wir eine gefühlte Ewigkeit im Wochenend-Touristenverkehr in, durch und aus diesem vortriebverneinenden Verkehrs-Zyklotron.
Zumindest spürt man im Stop and Go die Kälte nicht so sehr, denn die Anfahrt über eine lange Kammstraße mit Sichtweiten unter 15 Metern war eisig und hat ihre Spuren in unseren Gesichtern gelassen. Ja es gab einige Momente, in denen ich den lauschigen Komfort meiner CBF vermisst habe.
Es gibt nur eine kurze Pause an der Schanze in diesem polnischen DisneyLand, dem ich so absolut garnichts abzugewinnen vermag. 

Wir müssen weiter. Ohne jegliche Kenntnis der tatsächlichen Sachlage verspreche ich leichtsinnig, dass es ab nun wieder runter geht und somit wärmer wird und ich glaube selber so fest dran, dass meine Laune das Tagestopp erreicht.
Es sollte anders kommen! Noch weiter hoch, noch kälter  aber nicht mehr nasser.
Maaaaarokooooooo jajaja.

Irgendwann wird es noch dunkler als es eh schon ist. Es geht auf " zu spät "zu und in einem Seitental sehe ich ein Neubaugebiet mit recht vielen großen, viel zu großen Häusern. Die Hoffnung steigt, die ersten brauchbaren Unterkünfte im Nebel gefunden zu haben.
Der erste Halt ist ein Volltreffer. 
Hotelier kein Wort deutsch.
Kleiner König kein Wort slowakisch.
Zimmer mich gezeigt bekriegt.
Klasse ganze Etage zwei riesige Betten in einem Tanzsaal, riesiges Bad mit großer Wanne.


  
Gibst Du mich 50€??
Ja geb ich dich, nach fragen Freunde. OK?
Freunde schon in Tiefgarage, kein Bock mehr, auch nur noch einen Meter zu fahren. 
Moppeds abgeladen, 4 Dosen Starkbier mit aufs Zimmer.
Keine 20 Minuten später  sitze ich mit Sabine in der Wanne. 

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Das Leben kann so gut sein.

Später gab es dann Pizza, wobei auch hier die Sprachbarriere recht groß war. Bedient wurden wir von der jungen Tochter des Hoteliers, die eine gewisse Ähnlichkeit mit Lisbeth Salander hatte. Wirklich sehr hübsch und sehr pfiffig. Als wir bei der Pizzakarte irgendwann nicht mehr weiter wussten und sie das englische Wort für die Zutat nicht kannte, flitzte sie ab und knallte uns eine Dose Mais auf den Tisch.
Wir hatten viel Spaß an dem Abend und definitiv zu viel Starkbier.




Fazit:
Eclaire heissen hier Caramelbananen.
Die Eingeborenen sind alle sehr hilfsbereit, aufgeschlossen und freundlich

Die Schönheit der Berglandschaft bleibt uns in dem dichten Nebel gänzlich verborgen. Zum Ausgleich hätten wir fast einen unserer Weggefährten am Straßenrand exekutieren müssen. Aber nach kurzem Halt blieb uns dieses Schicksal dann doch erspart. Aber unter diesen Bedingungen spüren nun alle aus dem Invalidenkorps, dass dies eine lange Reise werden wird.
Ich bin total besoffen und schlafe endlich mal in einem durch.
Noch ein Tag bis zur rumänischen Grenze. Noch ein Tag bis zur versprochenen Dürreperiode.



 

Tag 5 "der erste Kontakt"

Etappe: Zdiar (SK)- (HU)- SatuMare (RO)    355km
Beschreibung: Hat jemand Feuchtgebiete gelesen........... 
Weniger aufregende Etappe aus den Feuchtgebieten der Tatra in die plötzlich sehr sonnigen Ebenen Ungarns bis zur Rumänischen Grenze. Eine weniger attraktive Verbindungsetappe mit doch sehr schönen und trockenen Momenten. 




Ich glaube in dieser Nacht ist die Entscheidung in mir gereift, dass wir auf dem Rückweg hier nochmal vorbei müssen, um alles das zu bewundern, was wir Nebel leider nicht betrachten durften.
Es ist schon hell als ich die Gehörstopfen aus den Ohren pople. Ich bin es nicht gewohnt zu viert in einem Raum zu schlafen und brauchte auch wirklich mal ein Mützengeschäft voll Schlaf. jetzt habe ich Gehörgänge so groß wir die von Micky Maus und kann genau hören,wie noch immer der Regen auf das Dach unserer Suite prasselt.  
Geh noch mal in die Badewanne rufen meine Bandscheiben. Ich folge meinem Magen. 
Eine gute Entscheidung, denn bei diesem kaltnassen Wetter kann das Frühstück nicht üppig genug sein und wahrlich, die wissen hier zu frühstücken. 
Der Kaffee ist  türkisch, stark und süß. Die Pumpe arbeitet auf MaxLoad. 
Es wird Zeit sich auf den Weg zu machen. Ich ändere den Kurs auf Süd und gegen Mittag befahren wir die ersten trockenen Straßen seit drei Tagen. Sie führen uns durch Ungarns sandig, staubige Ebenen. Heute werden wir Satu Mare erreichen, egal wie, denn hier in Ungarn ist nur ein großes Nichts. 
Mir ist warm und langweilig als sich aus dem sandigen Nichts ein Turm erhebt.


Mein innerer Entdeckerdrang lässt mich die Absperrungen überwinden


mit der Geschmeidigkeit des Wetterfrosches erklimme ich die Leiter
um  zu den versprochenen dicken Glocken



zu gelangen.
Recht spät entdecke ich den elektrischen Glockenantrieb und da es nur noch 7 Minuten bis zur vollen Stunde waren steige ich schnell aus dem Turm zum gedeckten Picknick-Tisch

Es geht weiter durch das flache Land. Die einzige Abwechslung bietet ein Bauer, der seine Felder kalkt und bei dem starken Wind eine mehrere Kilometer lange Wolke mit sich zieht. Das Knirschen zwischen den Zähnen wird uns noch bis an die rumänische Grenze begleiten.

Dann liegt sie vor uns und mit ihr, wie eine böse Ahnung, eine dunkle Gewitterwolke. 
Was hat man uns alles berichtet über die Abfertigungsgebahren an rumänischen und ukrainischen Grenzposten. Soll ich schon mal einen 10€ Schein in meinen Reisepass stecken????
Wir stehen noch nicht richtig in der Schlange, als das Gewitter loslegt. Einer der Grenzer hat uns gesehen und sofort energisch in eine zweite Box hinein gewunken. 
Die ist nämlich überdacht und so werden wir nicht nass. 



Nun genießen wir die ungeteilte Aufmerksamkeit des Grenzpersonals. Unsere Maschinen werden genau gemustert und nebenbei die Reisepässe betrachtet. Zweites nehm ich halt mal so an.
Dann kommt Helgas große Stunde. Unbedingt will sie einen Stempel in den Ausweis und ich glaube sie hat solange darauf bestanden, bis der freundliche Grenzer etwas belustigt die Pässe eingesammelt und sie zu seinem Kollegen ins Gebäude getragen hat. 
Genug Zeit um ein Bild zu machen. Ich habe die Cam gerade in der Hand, als ich von einem anderen Grenzer unmissverständlich gebeten werde, das zu unterlassen. Na gut, ich kenn das ja mit dem Photographierverbot zur Genüge, bin dann aber doch verblüfft, als mich der Grenzer zu sich ruft, mich neu ausrichtet und verständlich macht, dass ich doch wenn schon bitte in Richtung Rumänien knipsen soll, da es doch viel schöner ist als Ungarn.

Seltsamerweise will keiner der Herren ein Geschenk oder etwas vergleichbares von uns. Vermutlich sind die recht jungen Beamten noch neu und unerfahren und wissen noch nicht recht, was wir von ihnen erwarten. 
Ich stelle die Uhr eine Stunde vor.
Ich hoffe wegen der Aktion mussten die ganzen, völlig abgemeldeten Autofahrer nicht zu lange warten. Wir hatten jedenfalls unseren Spaß und einen ersten Stempel im Ausweis.
Das Gewitter verschwindet ebenso schnell, wie es aufgezogen ist. Obgleich es schon gegen sieben Uhr ist explodiert die Temperatur und die Membranen sind am Limit. 
Kein Grund zu meckern, ich wollte es doch warm.
Wir erreihen Satu Mare.
Selbst für italienerprobte Fahrer ist der Verkehr in rumänischen Städten die reinste Anarchie. Eine Hochzeitsgesellschaft blockiert den 3-Spurigen Kreisel um den Park in der Innenstadt von Satu Mare. 



Der Schleier der Braut schwebt noch einige Meter hinter dem Cabrio über dem Asphalt. Wir schauen uns das Treiben eine Weile an, denn wir müssen noch frisches Geld bunkern und dann schleunigst ein Hotel suchen.
Überhaupt sollten uns die  Vollsperrungen von Straßen und Innenstädten durch Hochzeitsgesellschaften bis zum Wochenende begleiten. Dabei bestechen dir Rumänien durch das Tragen unglaublicher HighHeels und teilweise grenzwertiger Oberbekleidung.


Furchtbar diese kurzen Röcke und engen Kleider.
Wir suchen nicht lange, das erste große Hotel (Hochhaus) bietet uns für 50€ mit Frühstück auch einen kostenlosen Abstellplatz für die Motorräder. Eine gute Wahl, wie sich noch zeigen sollte, denn unsere Unterkünfte liegen im 5. Stock weit über den Dächern und der Hitze der Stadt und wir genießen später, viel später, viele Flaschen Wein später die Aussicht über die Stadt.

 
Satu Mare hat uns wirklich gefallen. Wir sind noch durch den Park spaziert und haben uns dann ein Lokal gesucht, das auch leichte Speisen auf der Karte hatte.
Mir ist nach Salat. Und zwar dem mit Hähnchen.
Ich muss allerdings akzeptieren, dass so ein grüner Salat, wie er durch meinen Kopf geistert, 


sich so garnicht mit den kalorienbewussten rumänischen Salatitüden decken mag.
Noch verwirrter ist jedoch meine Göttergattin,
deren Kartoffelsalat sich als


Bratkartoffelgemüsedings entpuppt.
Dazu gibt's vorweg ne halbe Desperados zum durstlöschen und danach Rotwein zum Flaschenpreis von 30 Lei. Der Abend endet  nach kurzem Spaziergang durch den Park



und dem kurzweiligen Besuch in einem „non Stop Market“ mit der Marktbeute auf eingangs beschriebenen Balkon.


 
Das Leben kann so schön sein und es ist jetzt schon absehbar, dass es eng werden würde im neuen Revit-Motorradzwirn.
 
Nachtrag zum Grenzübertritt usw:
Habe eben festgestellt, dass der zehn Euro Bestechungsschein ordnungsgemäß gestempelt im Ausweis liegt. 
Nicht unerwähnt bleiben sollen auch die Bahnübergänge, die durch stets wechselnde Abstände und Beläge Helga fast zum Abspringen und Ausflippen gebracht hätten. Das war eine echt glitschige Angelegenheit und mit nur einem intakten Arm eine echte Herausforderung. Da hatten wir mit Sicherheit einen der durchsetzungsfähigsten Menschen (Volksmündlich gerne auch als stur bezeichnet), den ich je kennengelernt habe, in unseren Reihen.


Tag 6 "entlang der Hochzeitsstraße"

 Etappe: Satu Mare – Morisei    210 km
Ausfälle: 40 millionen Gehirnzellen statistisch über die Teilnehmer des gestrigen Abends verteilt.
Beschreibung: Kurze und angenehme Wellnesstour entlang der Ukrainischen Grenze durch die endlich erreichte Dürreperiode.


 
Man sieht es an der Tagesleistung, nach dem gemütlichen Randalieren über den Dächern von SatuMare, haben wir es am nächsten Morgen nicht ganz so eilig wie an den vorangehenden Tagen. 
Die KTM Ibu, sonst wegen ihrem harten Ansprechverhalten gelobt, wollen nicht so recht ins dicke Blut eindiffundieren.
Wir cruisen durchs Land und sind beeindruckt von den guten Straßen (kein Scherz), den vielen Neubauten, den schier endlosen Hochzeitsgesellschaften und den wundersam..... wunderschönen Trachten.



 
Zuerst glaubte ich, es wäre ein Feiertag oder Brauch, an diesem Donnerstag zu heiraten, aber es war viel einfacher, denn die Hochzeitsfeiern dauern einfach von Donnerstag bis Sonntag.
 
 Das Produkt von Straßenzustand und landschaftlicher Schönheit blieb überwiegend konstant und gipfelte in einem kilomter langen Kopfsteinpflasterband, das sich von den Räömern durch die herrliche Sonnenblumenfelder gelegt wurde.





Sehr auffällig  sind die Prachtbauten der orthodoxen Kirche, die allgegenwärtig aus der Erde schießen.



und von innen wie außen mächtig zu beeindrucken wissen.



 
Daneben wirken die bettelnden Gipsy-Kinder, die mit Ihren Eltern im Wald leben und vom Verkauf von Beeren und Pilzen leben, geradezu wie aus einem Paralleluniversum ausgespuckt. 
Überhaupt habe ich bisher kein Land besuch,t in dem die Schere zwischen Arm und Reich so offensichtlich weit auseinander klafft wie hier. Aber dazu schreibe ich eher was im Fazit.

Langsam wurde es später Nachmittag und wir gönnten uns eine Pause auf einem Berg mit Klosteranlage.

Verwundert war ich über die  großen Grillplätzen vor der Klosterkirche. Könnte fast eine Ursaarländische Erfindung sein.
 Ein Grill war mit einem mir unbekannten Wort beschriftet auf dem anderen stand "MORTI"



Na ja, irgendwann wars mir dann auch klar geworden, dass diese überdachten Dinger leider einem anderen Zweck dienen.
Die Klosteranlage bestand neben den beiden kleinen Kirchengebäuden auch aus einer Art offenen Gallerie, die einen offenen überdachten Altar umfasste. Das völlig frei zugängliche Gebäude war reichlich dekoriert und wirkte im ungefilterten Sonnenlicht fast surreal.

Noch sonderbarer fand ich die reichhaltigen Freskendingsbumsens.  Da ich in der Vergangenheit schon bei der Übersetzung italienischer Verbotsschilder nicht immer ganz richtig lag (siehe Sardinien), überlasse ich die Interpretation dieses Beispieles eurer Phantasie.





 
Bei bestem Wetter besuchen wir den fröhlichen Friedhof bei Sapanta. Das solltet Ihr einfach mal googeln, denn diese Location ist schon ninimum 100 Mal bestimmt 100 Mal besser beschrieben worden, als ich es könnte.



 
Der Friedhof ist ganz nett, aber man muss ihn nicht unbedingt gesehen haben. Zumindest nicht in der Saison, denn hier wars dann, verglichen mit dem bisher eher beschaulichen Tag, doch sehr rummelig.
 
Der Tag plätschert so vor sich hin und abends kündet dann das  Plätschern des Regens von dem Ende der kürzesten Dürreperiode Rumäniens.
Dummerweise lagen die denkbaren Unterkünfte alle etwas abseits, waren belegt wegen den vielen Hochzeitsgästen


 


oder waren vorrübergehend indisponiert







Und wir müssen doch einige anfahren, bis wir endlich in Morisei ein Hotel an der Hauptstraße finden. Der Wirt war eher etwas mürrisch, aber er gab uns dann doch zwei Zimmer. 
Eines davon und zwar meines war noch mit Pizzaresten und Weinflaschen dekoriert. Also warteten wir noch 20 Minuten. Der Benefit war, dass die Aktion dem Wirt dann doch peinlich war und wir nun neben zwei Begrüßungs-Desperados auch im Unterstand parken durften und somit unsere Moppeten von der Straße nicht mehr zu shen waren.
Ihr wisst schon in Rumänien, so wurde uns ja berichtet, werden die Kisten sofort geklaut.
 
Was mich die ganze Reise über etwas genervt hat war, dass man die Zimmer immer im Voraus bezahlen musste. Vielleicht sahen wir auch einfach nicht vertrauenswürdig genug aus. Dafür waren die Zimmer super Preiswert, super sauber und das Essen war üppig und lecker, was sich erheblich von wohlschmeckend abgrenzt. 



Wohlschmeckend hatten wir auch einmal (das wird sicher auch eines der wenigen Restaurants die ich namentlich würdigen werde) und da war man froh, dass es drinblieb.

So ich muss jetzt ins Bett und Energie für den Prislop Pass morgen sammeln und dann gehts Mittags auch zum ersten mal ins schwere Gelände.

 

Tag 7: "Loch an Loch hält doch"

Etappe: Morisei –Bicaz (etwas weiter hinten) 255 km
Beschreibung: Spannende Tour über das kraterbedeckte Asphaltband des Prislop-Passes und eine erste Schleife durch den Karpartenwald



Eins vorweg
aufgrund einer echt ominösen technischen Störung fehlt sowohl ein Teil des Tracks (Garmin) als auch ein Teil der Bilder im Canyon. Dummerweise ausgerechnet die Bilder der wirklich sehr imposanten Bicaz Schlucht.
Einzig die Cam hat nicht versagt. Daher kann ich wenigstens ein paar bewegte Bilder dazu einstellen.




Geschafft, heute haben wir ausnahmsweise mal vor 6 Uhr ein Zimmer –genauer gesagt zwei ein blaues und ein rosanes- erhascht.  Besonders erwähnen möchte ich, dass es erst nach unserer Ankunft beginnt es zu regnen, alles richtig gemacht also!?
Oder hatte uns das Wetter einfach erst später erwartet??
 
Fahrerisch war heute für jeden Geschmack etwas dabei. Der Schlagloch-Slalom zum Prislop-Pass war spektakulär, die Geschwindigkeitsbeschränkung auf 30 km/h, so wertvoll wie der Hinweis, dass die Geschwindigkeitsbegrenzungen hoch zum Pordoi Joch auch für Fahrräder gelten. Ohne Witz, streckenweise sind 30 km/h nur ohne LKW-Verkehr überhaupt zu erreichen. 
Die Krater erreichen spielend die Dimensionen eines LKW-Rades und sind schnell 25 cm tief. Hier fährt jeder Schlangenlinien und hinter jeder Kurve lauert der Gegenverkehr auf deiner Fahrbahnseite. 
In der Regenzeit-also gerade jetzt- sind die Schlaglöcher teilweise randvoll mit Wasser gefüllt. Wenn der Krater oben glänzt, weiss man also nie genau, ob einen ein tiefes Loch verschlingen will oder ob da ein Dacia im Schlagloch versunken ist, dessen Dach dein Licht reflektiert.
Aber die Quälerei lohnt und ist auch der einzige Weg, den es hier Richtung Osten gibt.
Auf der Passhöhe hat die Kirche sich dann ein kleines Domizil gegönnt, das wirklich unglaublich malerisch die Landschaft füllt.




Der ganze Bau ist aber noch in der Entstehung und aus Stahlbeton für die Ewigkeit konstruiert. Teildekoriert sieht das Ergebnis dann etwas strange aus.


Der Pass selbst bietet gute Möglichkeiten mal ein wenig "auszureiten". Man merkt dann doch, dass hier nicht viele Motorräder lang kommen. Die Hirten und Bauern winken einem noch freundlich zu und scheinen sehr interessiert. Ein Umstand, den man in den Alpen nur noch selten vorfindet.

Die Glocken waren auch schon da, allerdings noch in einem improvisierten Glockengestell. Ganz ehrlich, es hat irre Selbstbeherrschung gekostet, die dicken Dinger.............................
Na ja ihr wisst schon


Sabine hat die Gelegenheit genutzt das Abendessen klar zu machen

 und ich bin dann noch mal kurz auf den Berg, um ein paar Fotos vom nebligen Wetter zu machen
Würg....

Die Abfahr ging dann recht zügig vonstatten. Man hat wohl erkannt, wie wichtig gute Straßen für die Entwicklung des Landes sind und hat die Mondlandschaft frisch bitumiert.
Die Gegend wird also zunehmend interessanter für uns, denn rechts und links vom Asphalt ist immer noch nichts als Kapartenwald.

Was mir gefallen hat, ist die Tatsache, dass man faktisch am Baustil schon den Bauherren erkennen kann. Hier z.B ein Luftschutzbunker der Orthodoxen.


Eine Besonderheit älterer rumänischer Straßen ist die Verwendung von Transparentem Beton.
Den Star Treck Fans unter uns ist sicher das Transparente Aluminium aus Teil 4 geläufig. Nur eignet sich Aluminium halt weniger zum Brückenbau als wie Beton.


Fahrbahnen aus diesem Stoff sind aber eher selten anzutreffen. Besonders gerne wird Transparenter Beton jedoch zur Randbebauung, für Geländer und Leitplanken eingesetzt.


 Volker und ich testen unsere Enduros auf einer unbefestigten Strecke, die vorbei an Bauernhöfen mit Rindern  und Pferden über einen Berg hinweg führt. Vor allem die „Schlammfurt“ zu Beginn kostet Nerven und Volker muss beherzt eingreifen, als ein Holz-LKW sich den Weg bahnt, den ich noch blockiere. (Es sollte auch das einzige Auto bleiben, das auf dieser Strecke unterwegs war. ) Danach geht’s immer besser, auch rudimentäre Brückenkonstruktionen können uns nicht aufhalten.




Nach dem Abstecher treffen wir uns wieder mit Helga und Lutz und setzen die Fahrt gemeinsam fort.
Besonders schön ist die Strecke, die uns erst am See entlang und später durch den Wald, in tollen Kurven nach Bicaz führt. 




Fühlt sich fast schon an wie „richtiges“ Motorradfahren. 

Ja, und dann war da noch unsere erste Begegnung mit einem KapartenLöwen.
Bestien sag ich euch.





 Und so haben wir dann übernachtet




und sollten beim Frühstück dann von unseren bereits erarbeiteten Kenntnissen der rumänischen Sprache....

......gnadenlos im Stich gelassen werden.
Fast hungrig geht es auf die schwierigste Offroad Passage des Urlaubs. Navi und Karten haben uns im Stich gelassen
und dann ist da noch die Karte, die uns ein angetrunkener Waldarbeiter gemalt hat.
Unglaublich, aber davon Morgen mehr...........



Tag 8:  "Abschied vom Meer"

Etappe: Bicaz-Arcalia (237km)
Beschreibung: Warme trockene sehr abwechslungsreiche Etappe mit guten und weniger guten Überraschungen, Hilfe von jemandem, von dem man keine erwartet hätte, und ausweglosen Gebieten

Wie gestern wird es auch heute keine Karte mit Track geben. Gerade heute hatte ich das NAVI sehr häufig in den Fingern, denn oft gab es keine Wege im hinterlegten Kartenmaterial. Daher bin ich so sicher, dass eigentlich Aufzeichnungen da sein müssten.
Ich bin mir keiner Schuld bewusst.  Auch wenn 99% aller Navi-Fehler vor dem TouchPad lauern, hab ich nicht die geringste Ahnung, was da passiert ist und warum auch der Speicher beim Photo heute versagte. Alles sehr mysteriös.


Der Tag beginnt mit.....logisch........... Regen.
Richtig viel Regen. Der Tiefdruckwirbel hat die ukrainische Grenze überwunden und bewegt sich in seiner epischen Breite direkt auf uns zu. An ein zeitlich sinnvolles Erreichen des Meeres mag ich nicht mehr glauben und die Truppe macht mir auch nicht gerade den Eindruck, Teil einer Durchschlagsübung werden zu wollen.
Zumindest vermisse ich diese gewisse Entschlossenheit in den Blicken, wenn Worte wie Donaudelta, Moldavien oder gar Strandbad meine Lippen verlassen.
Ich ändere diesmal also nicht nur die Route sondern den gesamten Plan. Wir werden heute Nachmittag in einer 180 Grad Wende dem Schlamassel genau die Stirn bieten und unsere Freunde etwas früher besuchen.

Die Matratzen in dem rosa und auch dem blauen Zimmer waren pures Grauen und mein Rücken schreit nach Voltaren und Olaf, meinem Freund und Physiotherapeuten.

Das Frühstück gestaltet sich schwierig, da es keine Frühstückskarte gibt und uns niemand versteht. Draußen geht die Welt unter. Wir haben also Zeit und kämpfen uns mit dem Wörterbuch, Gesten und etwas "italiano espeziale" durch.
In Ihrem Blick konnte ich es deutlich lesen. Die Bedienung hält uns für eine Bande von Perversen, als wir süßes Frühstück mit Marmelade und Butter bestellen.
Bei der Marmelade gibt es dann eine reichhaltige Auswahl, roten Beeren oder eine aus dem Glas und eine die man löffeln kann, so aus dem Glas mit den roten Beeren.
Dafür ist sie selbstgemacht, würde ich wetten, und mit ihrem eher derben/herben Geschmack sehr lecker. Butter ist in Rumänien gewöhnungsbedürftig. Sie hat nur knapp über 50% Fett und ist daher so streichfähig wie ein Hefebrocken. Na ja, man hat halt das Gefühl sein Brot mit Biskin zu betreichen.
Derweil geht draußen die Welt unter und auf dem Berg gegenüber erbauen die Einheimischen ein riesiges Holzschiff . Wir packen noch eh sich die ersten Tierpaare davor sammeln.

Das NAVI hat den Weg durch die Bicaz Schlucht gefressen und  als wir die Taschen auf die Moppeds schnallen, wird der Regen wie auf Kommando dünner.

Die Schlucht ist der Hammer und es ist irre schade, dass die Bilder nicht den Weg in den Speicher gefunden haben. Wie toll muss das hier erst bei schönem Wetter und Sonnenschein aussehen.
Aber die Cam auf dem Lenker hat gefunzt heheheh............




Es gibt fünf Filme aus der Schlucht und dem weiteren Weg am Lagu Rosso.
Bei den glitschigen Bedingungen hatte man nicht so recht Lust zu fahrerischen Höchstleisungen, aber eine launige Strecke ist es auf jeden Fall.
 
Es geht also weiter am Lagu Rosso vorbei. Ich bedauere es nun doch sehr, dass wir hier nicht die Zeit finden, uns diese Schlucht zu erwandern.
Die ausgewählte Route führt über eine extrem gut asphaltierte Neubaustrecke. Die Geschwindigkeitsbegrenzung, an die sich verdächtig viele Rumänen halten, macht die Passage unerträglich langweilig. Ein Blick auf die Karte offenbart eine Alternative, aber was ich auch versuche, Lutzis Abkürzung will sich nicht routen lassen. Da die Straße aber auf der Karte dick eingezeichnet ist, wählen wir diesen Weg dennoch, um dann nach gar nicht so langer Zeit umzukehren und an einer Gaststätte kurz einzukehren.


Wir sind uns einig, die Piste wäre selbst bei bestem Wetter mit den Vierzylindern nicht zu machen gewesen und Lutz und Helga müssen die Passage auf dem ursprünglich geplanten Weg umfahren.
Die Gaststätte ist gut besucht und während das Wetter komplett aufklart, gewinnen wir mehr und mehr die Aufmerksamkeit der Waldarbeiter, die hier feucht fröhlich ihre Pause begießen. Der mutigste von ihnen gesellt sich zu uns und redet uns an. Ich verstehe kein Wort, aber kann mir denken, was er möchte. Ich zeige ihm die Karte und unser Ziel "Lapusa".
Er betrachtet Sabine und mich mit hochachtungsvollem Blick (soweit ihm das noch möglich ist). Ein Zweiter gesellt sich dazu. Sie beschreiben uns den Weg in einem ungarischen Dialekt, was uns wirklich mächtig weiter bringt und so verstehe ich nun genau jedes Wort....
ohne zu wissen was es bedeutet.
Nun kommt ein Stück Papier ins Spiel. Unter heftigen Wortgefechten und bild- und gestenreichen Gebärden beschreiben sie uns den Weg.
Also ein Kilometer gerade aus über den Schweinepfad, dann rechts irre steil hoch, links 10 km den Weg über eine Furt in den Wald verlassen.
Die Furt ist ggf. nicht passierbar, da von den Holzerntemaschinen völlig zerfahren. Einfach 10 Meter weiter versuchen und zurück auf den Waldweg am Bach entlang. Nächste Kreuzung rechts, 30 km Piste alles wird gut.
Ich halte das Ergebnis in den Händen.


sehe Sabine kurz an........keine Frage, wir werden es versuchen.

Ein kurzer Abschied von Lutz und Helga, die noch etwas verweilen möchten, dann gehts los. Der Weg ist sehr geröllig mit mehr als faustgroßen Steinen, es rumpelt schon auf dem ersten Kilometer heftig. Wir finden die Rampe. Ich schaue Sabine an und weiß, wenn wir da hoch fahren, wird es schwer nochmal runter zu kommen. Klack, erster Gang Vollgas, klack, zweiter Gang Vollgas und die Drehzahl bleibt erschreckend konstant konstant.  Gripp Traktion alles bestens, aber keine Reserven nach oben mehr. Sabine machts cleverer und bleibt im ersten Gang. Ich haben noch viel zu lernen mit diesen kleinen Motorrädern und dem vielen Gepäck.
Oben angekommen geht es dann recht einfach auf einem gut ausgebauten Wirtschaftsweg weiter.
Die Schafherde war übrigens nicht in der Karte eingezeichnet.


 Alles Andere stimmt erschreckend genau, auch wenn ich erstmal an der Furt vorbeirausche.


Man sieht das auf dem Bild leider nicht gut, aber der Boden ist wirklich komplett aufgequirlt und die Umgehung, vor allem aber der lose weiche Waldboden dahinter, wecken weder bei Sabine noch mir das Bedürfnis, sich dort mit Gepäck durchzuwühlen und mit Matschepampe zu bewerfen.
Wie am entspannten Gesicht abzulesen,
habe ich mich für den Versuch entschieden, die Fangoeinlage zu umfahren.

Es sollte eine der wenigen nicht zielführenden Entscheidungen des Reiseverlaufes bleiben. Wir folgen also weiter der gut ausgebauten Piste. Nur die Bauern mit ihren großen lauten Traktoren erweisen sich als ernstzunehmende Gefahr. Hier rechnet einfach niemand damit, dass er von irgendwas überholt werden könnte und zuweilen ist es auch schwierig, mit diesen alten ausgelutschten Landmaschienen nicht die ganze Wegbreite zu beanspruchen.
Irgendwie will sich kein Weg in Richtung des abgesprochenen Treffpunktes auftun.


 Stattdessen spielen wir ein wenig  im Gelände und genießen die trockenen Pisten.



Die Wege führen alle im Ring um die Berge und führen uns in die Nähe unseres Ausgangspunktes zurück.


Na jedenfalls soweit sie nicht überflutet sind.
Doch wo kein Weg ist, da ist wenigstens eine Brücke


Nach ein paar weiteren nicht ganz barrierefreien Aktionen ploppen wir 5 km nördlich unseres Startpunktes wieder aus dem Wald und geben auf..






Abfangkurs....noch anderthalb Stunden wird es dauern, bis wir Helga und Lutz einholen. Wir fliegen über die Piste 

und dann öffnet sich vor uns die Kornkammer Transilvaniens.


Der Weg bleibt anstrengend und wir kürzen nach Lutzen Karte (die übrigens klasse war und ich würd auch verraten, welche es war, wenn ichs nur gerade wüsste) weiter ab. Nach Dumbrava geht es Richtung Vataval, was eher einer losen Ansammlung von Siedlungen als einem Ort entspricht. Aber diesmal bin ich mir sicher, dass es die Verbindungen auch geben wird. Am "Ortseingang" dieser Siedlungsanlage stoßen wir auf Asphalt, der zum Bedauern unserer vierzylindrigen Freunde nur bis zum Ortsausgang reicht und ich mache mir langsam Sorgen, ob alle wirklich noch weiter können oder schon an den mitgebrachten Wewehchen über Gebühr leiden.
Das Wetter bleibt erschreckend stabil und schenkt uns die Verschnaufpausen, die wir benötigen. 


In Monor entdecke ich einen Supermarkt und wir strecken die Gliedmaßen etwas länger in der Sonne aus.  Wir genießen die beschauliche Ruhe und beobachten Pferde- und sogar Ochsengespanne, die die Ernte einbringen.


Zeit zum Umschalten in den Urlaubsmodus und Ausspannen, der Rest der Etappe wird über Asphalt führen.
Der Dorfpolizist hält eines der wenigen Autos an und kontrolliert demonstrativ jede Kleinigkeit. Ich bin mir sicher, dass er uns nachher laufen lassen wird.



Es wird Abend, es ist trocken und wir erreichen Arcalia, wo uns Isabella schon erwartet.



Die Klamotten sehen nun endgültig aus wie Sau und auch Wäsche wird langsam knapper. Aber nicht nur deswegen wird es langsam Zeit für ein längeres Biwak.  
 

Tag 9:     "In der Nacht wurde ich von einem Wolf geweckt"


Alcalia-Bistrita (50 km)
Beschreibung:  Brechlangweileige Verbindungsetappe zum Ausspannen und Pflegen
nur der Weg am Tag 0 (Keller Einfahrt) war kürzer und langweiliger
Aber das Drumherum war klasse :-)




In der Nacht wurde ich von einem Rudel Wölfen geweckt. Ein Bär hat sie gefressen.
Eine beeindruckend wilde Gegend war das, die wir gestern gequert hatten.

Na ja, der Wolf hat sich dann doch nur als Jacky-Chan , den kleineren von Isabellas Hunden entpuppt.


Die Unterkunft war eher suboptimal (nicht zuletzt wegen der speziellen Ausstattung mit nicht funktionsfähigem Bad und Plumpsklo im Garten), dafür haben wir es nicht weit bis zu Isabella, die uns Frühstück macht. Die Familie ist unglaublich gastfreundlich und teilt alles, was sie hat, mit uns.
Helga nutzt die unbeobachteten Sekunden und sucht sich schon mal das Abendessen aus.


 Wir lenken derweil Isabella mit einem Strauß Blumen ab.





Ja, und dann war da noch dieser kleine Blutsauger. Das ist einer der gefürchteten Vampirschmetterlinge. Sieht man ihn von hinten, kann man kaum glauben, wie gefährlich er ist.


Aber von vorne erkennt man den teuflischen Stachelrussel und man versteht, warum dieser Bestie jedes Jahr Hunderte von Weidetiere zum Opfer fallen und auch Menschen bleiben nicht verschont.


Ich hab schon wieder Hunger............................


aber Rindfleisch ist eher selten auf der Speisekarte, sehr teuer und daher gut bewacht.


Hinkel gibt es hingegen fast überall in allen Variationen. man kann sie quasie von der Straße pflücken.
Ich berichte von unserer verregneten Anfahr und alle lauschen fassungslos meine n Ausführungen als würde ich vom Planeten Melmac erzählen. Es hat hier seit Wochen keinen Tropfen geregnet. Flori lacht mich fast aus, als ich ihm sage, dass es wohl bald losgehen wird.
Am nächsten Morgen sehen wir dann im Fernsehen die Bilder von den schweren Überschwemmungen, die es dicht hinter uns am Gebirgsrand gegeben hat.
 Der Tag plätschert bei super Sonnenschein so vor sich hin und wir bewegen die müden Gliedmaße bei einem ausgeprägten Spaziergang zum Schloß und durch den Schloßpark.

Wir erfahren eine Menge über das Land und die Menschen, die hier leben, und wie es ihnen in den letzten Jahren ergangen ist.

Das Schloss soll nach Floris Meinung von einem Deutschen oder Österreicher erbaut worden sein.



Das wollen wir dann genau wissen und suchen sein Grab
und finden sein Pferd



Aber wir geben nicht auf, auch wenn der Weg schwieriger wird



und Schlangen auf uns lauern.



 Dann erreichen wir das verwilderte Grab. Aber dem Namen nach zu urteilen, war's sicher kein Deutscher oder Österreicher, der hier rumkompostiert.
Es sei denn, er hatte einen gewissen osmanischen Migrationshintergrund, was vor Hunderten von Jahren im Deutschritterorden nicht so gängige Praxis war.

 Wir verbringen den Vormittag entspannt im Garten und mein neues Paar Bauchmuskeln freut sich schon auf die Sarmale (Krautwickel).




Leider müssen wir schon sehr bald nach dem Essen los, denn wir wollen noch Anka in Rechlitna besuchen. Der Ort liegt quasi direkt um die Ecke

und Ankas Haus  ist


mal abgesehn davon, dass es hier weder Straßennamen noch Hausnummern gibt, nach der Überwindung einiger eher für den Fußgängerverkehr freigegebenen Passagen,
leicht zu finden. Eigentlich haben wir sie nur gefunden, weil eine nette Hochzeitsgesellschaft, bei der wir nachgefragt haben, Anka natürlich kannten und sie angerufen haben, damit sie uns mit dem Auto abholen kommt.  

Auch hier zeigt sich der Rumäne an sich recht fleißig und tüchtig.


Faktisch jeder Vorgarten wird genutzt. An allen möglichen und unmöglichen Stellen findet man Nutzvieh, wie hier im Vorgarten.
Ein eben so ein verwirrender wie lustiger Brauch ist es, Kühe an Rentner zu binden.
Vermutlich macht man das um sicher zu stellen, dass Beide nicht verloren gehen und zum Essen pünktlich zuhause sind. Ja, und so ein altes Mütterchen wird mit Kuh am Bein auch von anderen Verkehrsteilnehmern ganz anders wahrgenommen.

Ach, hab ich erwähnt, dass wir bei Anka gaaaanz toll lecker zu essen bekommen haben???
Nee, wozu auch, war logisch.

Dennoch wurde es für mich irgendwie Zeit, in ein Hotel zu kommen. Mal duschen und ausstrecken, denn in Rumänien haben zwar alle Häuser WLAN und GPRS, aber fließendes Wasser und das auch noch in den zwei Geschmacksrichtungen heiß und kalt ist Mangelware.
Ja, und waschen müsste ich auch mal dringend.
Wir lassen uns von Anka ein Hotel in Bistrita buchen, an dem ich trotz NAVI erstmal vorbeirausche. Es liegt deutlich weiter draußen als erwartet, die Hausnummer gehört zu ca. 40 Gebäuden auf beiden Seiten der Straße und die Industriegebäudefassade will so gar nicht zu den Bildern aus dem Internet passen. Hinter der Fassade ist das Hotel aber sehr gut und erstaunlich groß. Für wenige Euro dürfen wir die Motorräder beim Fensterbauer am Ende des Gebäudes unterstellen. Ich erwähne es desshalb, weil ich erst dachte, der Preis wäre pro Motorrad.
Am liebsten wäre ich nach der Handwäsche dringend benötigter Textilien in meinem Bett liegen geblieben, aber wir wollten noch mit Anka und ihrem Mann in die Stadt, in der ein großes Volksfest abgehalten wurde.

Lustig, wie wenig sich das von Innenstadtfesten in Deutschland unterschied. Die gleiche Disco Mucke, dieselben Stände in anderer Farbe, dazu reichlich Bier und ausgelassene Stimmung.
Und es war auch spät noch irre warm.
Bistrita ist einen Besuch wert. Die Stadt ist schön herausgeputzt und hat eine durchaus wilde Vergangenheit, die sich in den unterschiedlichen Gebäuden ablesen lässt. Es gibt schöne Restaurationen, die zum Verweilen einladen und es gibt
Biergärten..................

Leider hab ich die Cam im Hotel gelassen.
Ihr wisst schon, hier wird ja alles geklaut :-)

Tag 10: "Doch noch Strandbad"

Bistrita - Colibita - Piatra Fantanele (116 km)

Beschreibung:
Sehr entspannende Genusstour zu einem in den Bergen versteckten Badeparadies und Besuch eines maximalvermarkteten alten Herrn
Ausfälle: Rückspiegel

Leicht bedudelt von Volksfest bringt uns das Taxi im Tiefflug zurück zum Hotel.
Übrigens Taxifahren im nächtlichen Innenstadtverkehr ist etwas was man nur sehr mutig oder sehr besoffen machen sollte. Letztlich wird man herausfinden, dass das Produkt aus Fahrpreis und Lebensgefahr stets eine Konstante ist. Je teurer die Fahrt, desto größer die Wahrscheinlichkeit sein erworbenes Abendmahl bei sich zu behalten. Oder andersrum, je billiger desto Tod.
Wir begegneten diesem gar zweimal in Gestalt des gleichen Taxifahrers, in dessen Matschia (ein im Innenstadtverkehr gereifter Dacia) Logan die Gurte die Rücksitzbank fixierten und der Airbag schon mal zum Einkaufen herhalten musste.
Einige Sekunden spiele ich mit dem Gedanken mir das Ding auszuleihen, denn beim Aussteigen fallen die ersten Tropfen  zeitgleich mit meinen Münzen in den Matschia.
Gutes Timing, denn es soll noch die ganze Nacht sintflutartig weiter regnen und die Parkplätze des Industriegebietes in eine lose verbundene Seenplatte verwandeln.
Mir tun die Melonenverkäufer am Straßenrand leid, die unter Ihren Planen auf Europaletten gebettet die Nacht überstehen müssen.
Irgendwie schaue ich mir die ganze Nacht beim Schlafen oder Dösen zu und werde schon müde Wach. Es hämmert metallisch in meinem Schädel, dies ist mir nicht gänzlich unbekannt, nur dass sich die Lautstärke mit dem Fensterflügel modulieren lässt ist neu.
Ich geh der Sache, bei der Suche meiner Tagesdosis Ibu, auf den Grund. Das Hämmern schallt von der Schlosserei gegenüber im Hof herüber und stammt irgendwie von einer  Höllenmaschine, die offensichtlich völlig sinnbefreit alle halbe Sekunde ein Hämmerchen niederfallen lässt. Grrrrrrr
Es ist eh Zeit aufzustehen und mal nach den Motorrädern zu sehen, die ja den Eingangsbereich der Fenstermanufaktur blockieren.
Der Besitzer zeigte sich bezüglich der vorgefundenen Motorräder ebenso erstaunt wie tiefenentspannt. Er plaudert ein wenig mit Lutz und mir und gibt uns dann noch ein paar Ausflugstipps.
Ausgehungert schaffe ich es zurück in den Frühstücksraum. Wir werden mit Kaffee und Röstbrot eingedeckt bis wir nicht mehr können und zahlen lächerliche 55 Lei.

Das Wetter klart etwas auf und ich genieße die Sonne, wie sie sich in dem See, wo gestern noch der Lidel-Parkplatz verweilte, spiegelt. Die Fluten weichen langsam zurück und ich denke noch bei mir, wo will Lutz eigentlich mit dem Rückspiegel hin, als mir klar wird, dass wir einen der wenigen Defekte dieser Tour beheben müssen.
Der original Spiegel scheint aus dem Vollen geschmiedet. Genau dieses massive Auftreten ist ihm auf den holprigen Straßen wohl zum Verhängnis geworden, denn das Ding ist satt oberhalb des Gewindes abgeschert und stellt uns nun vor zwei Probleme. Wie bekommen wir den Gewindestumpf aus der Bohrung und wo einen neuen Spiegel her.
Zumindest was den Spiegel angeht hilft das NAVI, denn nur wenige Hausnummern weiter soll sich eine Motorradwerkstatt befinden. Wir laufen mutig zu Fuß drauf los- die paar Hausnummern ha!
Da jede Hausnummer aber ca. einen Quadratkilomer abdeckt, zog es sich dann doch etwas länger bis wir eine kleine MX- und Roller-Werkstatt erreichten. Der Besitzer konnte uns erstmal nicht helfen, bis er in seinem Resteregal noch einen Satz Spiegel von irgendwas yamahaähnlichem fand und uns zum probieren einfach so mitgab.





Und wie man sieht, es passte und die XJ war nun bestimmt 2 kg leichter.
Natürlich hat Lutz die Spiegel dann auch später bezahlt. 

Die ganze Aktion war eher ein Gewinn, denn kaum war der Spiegel montiert kam die Sonne endgültig durch und wir fuhren raus zu dem See, den uns Flori empfohlen hatte.


Schon die Anfahrt war ziemlich klasse, denn die Straße war wieder voll Abenteuermodus. Ich weiß auch nicht mehr so genau ob ich oder das Schaf größere Augen machte, als es getrieben von einer ungeduldigen Schäferin im Steilhang den Halt verlor und mir vor die Räder purzelte. Der Schäferhund lag derweil gelangweilt im Straßengraben und ich meinte kurz eine Bewertungstafel in seiner Pfote aufblinken zu sehen.
Wir erreichen den See und kurz nach der Staumauer erweckt eine kleine Felswand meine Aufmerksamkeit.


Ich kann die Kletterei hier aber nicht empfehlen, denn die Felsen sind hier identisch aus der selben Pampe, mit der ich früher die Berge meiner HO-Eisenbahn gebastelt hab.
Man kann ganze Felsstücke mit der Hand rausbrechen und mit den Endurostiefeln merkt man auch erst sehr spät wann es unter einem zu arg nachgibt.
Aber Spaß hats dennoch gemacht.



 Nach der Klettereinlage erreichen wir das versprochene Hotel und staunen nicht schlecht.


 So viel Karibik hätte ich hier nicht erwartet.



Wir nutzen die Gelegenheit tauchen unsere Füße ins kalte Wasser und lösen eine der größten Umweltkatastrophen der letzten Jahre aus.


Nein natürlich nicht. Es gab keinen Umweltalarm und auch kein Fischsterben, aber die Trägheit, die das plötzlich warme Wetter beschert steht einem deutlich ins Gesicht geschrieben.


Es fällt mir jedenfalls sichtlich schwer mich aufzuraffen. Der Bedienung auf der Hotelterrasse geht es  scheinbar ebenso und so verstreicht eine angenehme Weile, bis wir bezahlen und weiter dürfen. Hatte ich schon den tollen Apfelstrudel erwähnt?
Noch ein verträumter Blick zurück und aufsitzen.


 Der Weg soll uns hier hin führen!!


Macht er aber nicht.
Er endet in einem Schweinepfad in den Bergen und so müssen wir wieder ein Paar km zurück, bis wir dann den Pass mit dem Kloster erreichen.


Es ist ein Nonnenkloster und wenn man vorher noch nie mit dem Antlitz einer orthodoxen Nonne konfrontiert wurde, bleibt der Blick doch etwas länger als höflich gewesen wäre an der Kleidung fixiert.
Das Kloster liegt direkt unter der Anhöhe, auf der ein riesiges Kreuz errichtet wurde. Ich persönlich bin mir sicher, das es sich um eine Vampir-Flug-Abwehranlage handelt, die verhindern soll, dass einfliegende Vampire, Schloss Dracula auf der anderen Seite erreichen.



Und somit befinden wir uns schon mitten in der bizarren Welt,


maximal vermarkteter Minimalattraktionen,

 die uns dieser Knabe hier,

 angedichtet hat.


Das Warnschild fand ich dennoch schwer in Ordnung, auch wenn sich heute kaum noch jemand für dein Blut interessiert, kann man hier ganz schön ausgesaugt werden. Fairerweise muss man aber auch zugeben, dass dieses Draculaland für Kids wohl echt eine spannende Sache ist.

Nachtrag füs private Logbuch:
1. Immer wenn man denkt, man wäre gänzlich allein, kommt, kaum das man nackig in die Fluten springen will, irgendwo doch noch so ein Terrouristenpaar mit Cam an.
2. Die Sache mit den Spiegeln zeigt mal wieder, dass die Rumänen uns vielmehr vertrauen als wir Ihnen.
Direktive an Kleinhirn, Vorurteilsmodus auf 86% reduzieren. 

 

Tag 11: "fast verloren im Getümmel"

Etappe: Bistrita -Targu Mures- Sibiu (Herrmannstadt) (292km)
Beschreibung: Abwechslungsreiche Etappe über Stock und Stein und Asphalt ohne Halt. Die Etappe ist der Beweis, dass man auch ohne hohe Berge kurvige Straßen bauen kann.



Der Tag beginnt mit dem üblichen morgendlichen Regen, der sich aber schon zum Frühstück hin verflüchtigt und da wir gestern Abend ja wirklich wieder alles, was es gab, aufgegessen hatten, bin ich auch guter Dinge, dass es trocken bleiben wird.
Unser heutiges Ziel ist Sibiu. Die Etappe hatten wir beim Abendessen vorgeplant und auch schon das Hotel gebucht. Es wird nämlich eine recht lange Tour, in deren Verlauf wir uns auch trennen werden, da Helga und Lutz noch Besuche zu machen haben und wir noch etwas tiefer in den Dreck wollen.

Am frühen Mittag erreichen wir Targu Mures. Die Stadt zweigt sich als die bisher belebteste und imposanteste rumänische Stadt und der Straßenverkehr läuft dank Komplettverampelung überwiegend anarchiebefreit.



Doch wie der Teufel es will, trennt genau eine solche Lichtzeichenanlage unsere kleine Gruppe und ich nutze die Gelegenheit, mich in der Mitte des Ringverkehrs unübersehbar so zu positionieren, dass ich den Rest der Truppe einfangen kann und zugleich ein paar Bilder der tollen Bausubstanz machen kann.


Der Rest der Truppe hingegen nutzt die Gelegenheit, sich durch Vorbeifahren zwanglos vom Tourguide zu verabschieden.
Mit noch in fassungslosem Blick versteinerter Miene bleibt dem Rest meines Körpers keine Zeit zu verharren. Wenn ich die hier verliere, sehe ich sie vielleicht nie wieder. Ich wende in der Einbahnstraße über die flache Fußgängertreppe und ordne mich geräuschoptimiert in den laufenden Verkehr ein. Drei Ampeln weiter erkenne ich Lutzens gelben Helm und dass sich der Gasgriff viel besser bedienen lässt, wenn ich endlich die Cam wieder in die Jackentasche stecke.
Ab jetzt fließt der Verkehr viereinhalbspurig. Ein letztes beherztes Ignorieren der roten Ampel und schon ziehe ich an Helga vorbei, die mir genau so freudig wie überrascht zuwinkt. Auch Sabine scheint dann doch ganz froh, mich wieder vor sich zu sehen. Wir drehen bei und fahren zurück zu den kleinen Lokalen, die ich vor dem Gebäude hier




entdeckt hatte. Es ist Zeit für Kaffee und durchatmen.


Das Lokal entpuppt sich als Dönerbude, was uns aber sehr entgegen kommt. Es erleichtert das Bestellen doch deutlich, wenn man die Speisen kennt.
Soooo der Plan......
Es war dann doch etwas aufwändiger, aber nichts, was man nicht durch Beharrlichkeit und mit dem Finger drauf zeigen hätte regeln können.
Derb war jedoch die Nummer mit der Toilette. Ihr wisst ja, die sind furchtbar dreckig in Rumänien.
Ja, stimmte leider auch nicht. Die hier war sauber aber abgelegen in einer seitlichen Katakombe nur etwas schwer zu finden. Ein Schild hing an der Tür, das vermutlich auf die Gebührenpflicht für Nichtkunden hinwies. Sooo mein Gedanke.
Etwas unlustig wurde die Sache, als ich merkte, dass der Schnapper defekt war und sich von innen nicht mehr öffnen ließ. Und das bei meiner Klaustrophobie.
Unruhig wurde ich, als ich merkte, dass ich mein Handy auf dem Tisch hatte liegen lassen. Es könnte also dauern, bis ich aus diesem Loch wieder raus komme.
Panisch hingegen wurde ich erst, als ich merkte, dass hier nur rumänische Frauenzeitungen oder die Ru Ausgabe der Bunten zum Lesen lagen.
Wild gegen die Tür hämmernd wurde ich von einer Küchenfrau befreit, die mich vermutlich gesehen hatte, als ich zur Toilette ging und  sich einen Spaß draus gemacht hatte, mich da etwas zappeln zu lassen.


Während des Genusses der pappsüßen Nachspeisen, beobachte ich, wie die Polizei die Straße teilweise absperrt. Ich ahne noch nicht, dass wir in wenigen Minuten Teil dieses verschärften Verkehrschaos werden würden.
Der Weg führt uns durch fast unberührte Teile Siebenbürgens






an die Große Kokel.
Ja nee, heißt echt so.
Die Strecke ist deutlich abwechslungsreicher als die Bilder zeigen. Führt an Flussläufen vorbei und auch schon mal durch den Wald.
Wir trennen uns unterwegs, denn Sabine und ich wollen nach Sighisoara, während Helga und Lutz nach Medias abzweigen.

Auf dem Weg begegnen wir diesem Abschleppwagen. Leider hab ich das Gefährt während der Fahrt nicht optimal erwischt, aber der Wagen stand nur bis zur B Säule auf der Pritsche.
Rumänen-Abenteuer Pur.


Schäßburg selbst zeigt sich dann recht rummelig. Die Stadt hat mit Ihrem mittelalterlichen Flair echt was zu bieten und trägt den Status als Weltkulturerbe zurecht. Für uns wars an diesem Tag aber nicht das Richtige und so suchen wir uns einen schönen Platz gegenüber auf einem Berg, um das Treiben aus der Ferne zu bewundern.






Dabei wurden wir auf diese Topimmobilie aufmerksam.
Leider war die Baugenehmigung für den Pool noch nicht durch, sonst hätten wir zugeschlagen.


Wir ziehen weiter nach Agnita, um Lutz und Helga abzufangen. Dabei queren wir eine der ärmsten Regionen unseres bisherigen Weges. Eigentlich wollen wir nochmal einkehren, aber hier gibt es ausser Landschaft und ab und an einem kleinen Supermarkt gar nichts. Vor den Märkten stehen Landarbeiter, die sich betrinken. Der Regen kommt zurück wir halten kurz an einer Einfahrt, aus der geschwindt zwei Kinderköpfe zum Vorschein kommen. Wir schenken ihnen ein paar Süßigkeiten und ich blicke in erstaunlich dankbare Augen eines kleinen blondgelockten Engels.




In Agnita finden wir diese völlig brachliegende Feste und eine Baustelle, die die ganze Straße erfasst. Die Umleitung erscheint uns bei dem aufkommenden Regen als keine echte Alternative und so holpern wir 2 km über den eigentlich nicht vorhandenen Bürgersteig.

Wie vermutet werden Helga und Lutz sich nicht so einfach bei Ihren Gastgebern davonstehlen können, ohne den halben Vorratskeller durchgekostet zu haben und wir beschließen, nach Herrmannstadt durchzubrummen.
Dank NAVI finden wir das Hotel am Ende der Fußgängerzone auch direkt (also wir sehen es). Einen fahrbaren Weg dorthin zu finden, soll uns aber noch eine Weile beschäftigen.
Wie besprochen dürfen wir mit den Motorrädern im Hof parken.
Wir bekommen die Schlüssel, ich öffne die Zimmertür und.......






kanns kaum Glauben, was man so für 30€ pro Nase inkl. Frühstück bekommen kann.
Fast hat man Hemmungen, mit den schweren Stiefeln über den roten Teppich zu schlappen.
Es gibt auch eine riesige Badewanne und ein Bild von mir, wie ich da mit der Hotelduschhaube auf dem Kopf meinen Elitekörper in Schaumbad ertränke.
Wollt Ihr das sehen?
Besser nicht. Die Farbe der Haube harmoniert nicht sonderlich mit meiner sonnenverwöhnten Haut.

Soll ich noch von dem Spa, dem Schwimmbad und dem Jugendstil-Speisesaal mit dem verschiebbaren Dach und dem Erotikkanal berichten????
Na ja, morgen vielleicht.




Tag 12: Sibiu "ein toter Vogel kommt vorbei und stirbt"

Tag 12 Sibiu - Speisesaal - Schwimmbad - Speisesaal  (0 km)
Beschreibung: Launige Tour durch die plüschbehangenen Gänge und Säle der Jungenstilvilla mit anschließender venizianischer Stadtbesichtigung

Der Weg nach dem Erwachen führt uns durch endlose nur schwach mit künstlichem Licht erhellte Gänge,
von Tür zu Tür in einen Großen Saal. Eine fremde laute Meschenmasse empfängt uns mit gesenktem Blick. Ihre Hände gerüstet mit primitiven Hieb- und Stichwaffen versperren sie uns den Weg.
Werden sie uns feindlich gesinnt sein? Uns versuchen, von unserem Weg abzubringen oder uns zu verjagen?
Wir lassen uns nicht einschüchtern, viel zu weit sind wir schon nach Osten vorgedrungen. Wir sind bereit, für unser Recht zu kämpfen....


bereit, auch unter großen Verlusten das Frühstücksbuffet zu erreichen.
:-)



Der Himmel bleibt bedeckt. Es wird wohl den ganzen Tag regnen.
Wir fröhnen dem üppigen und stilvollen Angebot in dem netten Jungenstilambiente des Speisesaales.


Leider kommen wir nicht in den Genuss des offenen Daches.
In Anbetracht dses ausgewogenen Frühstücks - eine Komposition, die selbst gesundestes Blut in die Konsistenz von 3 Grad kaltem 50er Oldtimeröl verwandelt -


 soll der Tag mit einer Trainingseinheit im gestern Abend schon besichtigten Hotelpool starten.
Soooooooo....................der Plan.


Vermutlich wegen der anhaltenden Dürreperiode - im Senegal -  erweist sich der Pool leider nicht wie geplant als Hort willkommener körperlicher Ertüchtigung,

da er ausgerechnet heute wegen Servicearbeiten abgelassen wurde. Sehr ärgerlich, denn so ein Tag mit Waschen, Schwimmen, Saunieren wäre exakt das gewesen, was uns gerade gut zu Gesicht gestanden hätte.

Während der Pool sich langsam, sehr langsam, viel zu langsam wieder mit Dürrebekämpfungsmittel füllt, verlassen wir unser Hotel  (das da)

und drehen, bei nicht gerade üppigem Tageslicht, eine erste Runde durch Herrmannstadt.


Die Stadt hat mit ihrem etwas angestaubten K&K Flair















 (Das ist St.Hanfes. Habt Ihr gesehen, was der in der Hand hält)




 (ArtWork von  Kiff Heering)

den in diversen Baustilen errrichteten  Kirchen und Gebäuden




doch einiges zu bieten.



Wobei ich die Lust der Orthodoxen am Abknutschen von Reliquien nur schwer nachvollziehen kann.


Auch wenn noch recht viele Hinweise auf deutsche Kultur und Sprache zu finden sind,


möchte ich Euch gleich der Hoffnung berauben, dass in diesem Teil Rumäniens die Sprachbarriere tatsächlich niedriger ausfällt. Nach unseren Erfahrungen bringt einen ein wenig Englisch definitiv besser voran.

Und dann war da noch dieser nette Einheimische, der mich zum Essen einladen wollte



Irgendwie drückt das düstere Wetter dann aber doch auf die Stimmung.
Auch der am Stadtrand liegende bizarre Einkaufstempel mit seinen 4 Etagen Expose kann uns nicht aufheitern.
 Magazinul Dumbrava
Das Ding muss man echt gesehen haben. Der Bau stammt wohl noch aus der Hochblütezeit des Spätsozialismus und war einst Einkaufstempel numero uno in der Region. Die äußere Bausubstanz hat den Sprung in die Einkaufsneuzeit gänzlich unbeschadet überwunden, was in erster Linie dazu dient, Ortsfremde in diese Labyrinth der Geschmacklosigkeit hinein zu locken.
Auf vier Etagen wird dem verwirrten ausländischen Besucher ein unüberschaubares Potpourri an Merkwürdigkeiten und Waren präsentiert,

***Zensiert: Bild widerspricht den Googel-Richtlinien zum Schutz des Augenlichtes***
***Picture is wegmaked by Abusecenter and insperred in a restricted area for never find back to the tageslicht***

welches man sonst allenfalls von Trödelmärkten oder der Altkleidersammlung her kennt. Nach einigen verzweifelten Versuchen gelingt es uns, diesen Tempel des Besonderen zu verlassen und draußen erst mal um Luft zu ringen und sich geistig vom Suizid zu lösen.
Nicht allen sollte dies gelingen.

Ein toter Vogel kommt vorbei und stirbt......



.....der Kellner spiel Klavier......

Der Tagestiefpunkt ist, denke ich, erreicht, als wir weitab aller Unterstellmöglichkeiten von einem Platzregen überrascht werden.
Wir gehen zurück zum Hotel, nicht ohne vorher im Supermarkt noch was zu knabbern und eine Flasche Wein zu kaufen.


Um halb sechs sitzen wir im Zimmer und warten.....



auf was auch immer.
Kanal 16 bringt die Stimmung auch nicht weiter hoch und das Lustigste, was so passiert, ist das Glas Wein, das mein Bettlaken in eine Requisite aus Nightmare verwandelt.
Der Himmel klart unbemerkt auf. Das Dach vom Speisesaal öffnet sich.
Aber irgendwie sind wir alle Vier ganz schön fertig.
Irgendwann döse ich, begleitet von dem aus dem offenen Dach des Speisesaals dringenden Pianokonzert, beseelt ein.


Sooooo schlecht war der Tag dann doch nicht und ich träume schon mal von der Transfogarasan, die wir morgen unter die Räder nehmen werden.


Und vom Ende der Dürreperiode, welches morgen, wenn auch zaghaft, eingeleitet wird.

Tag 13 "jetzt ist er weg"

Etappe: Sibiu-Transfagarasan-Sibiu (233km)
Ausfälle: Geplatzter Kragen
Beschreibung: Endlich Schluss mit Reisen und mal richtig Motorrad fahren vom Feinsten.




Der Tag startet so grau wie der gestrige, aber heute sind wir alle wieder frisch und voller Tatendrang.
Eines unserer großen Ziele, die Transfagarasan, steht auf dem Programm und die Runde wird mit den geplanten 3xx km schon ohne Freestyleambitionen recht umfangreich.
Recht lange passieren wir den Bergkamm in der sonnigen Ebene,


doch leider werden die Wolken um die Gipfel nicht weniger. Bedrohlich schwarz und geschlossen hält sich das Wolkenband im Norden fest.
Es nützt nichts, irgendwann müssen wir beidrehen und hinauf in die feuchte Finsternis.
Der Weg hinauf ist vor allem neblig, nass und kalt. Wir halten an einem kleinen Parkplatz in der Mitte der Auffahrt um uns kurz aufzuwärmen und mal zu schauen, was die vielen Stände dort so zum Verkauf bieten.


Doch es hält uns da nicht lange, denn nun wurden wir doch noch mit ihm konfrontiert...
dem "Resident Evil" der Sanitärausstattung, welches mir als Betonverschlag mit zwei gullideckelgroßen Öffnungen im Boden gegenüber trat. No way.
Nach einem kurzen Ausflug in das gut besuchte Waldstück geht es weiter bergan durch die Wolken hinauf zur Passhöhe.

Mit jedem weiteren Meter Höhengewinn sieht man der Strecke nun auch recht deutlich an, mit welcher Gewalt sie dem Berg abgerungen wurde. Der steile Fels zeigt deutliche Narben, die Bohrer und Sprengungen in seinem Antlitz hinterlassen haben.
Der Weg ist nur selten durch Gallerien gesichert und Felssicherungen fehlen gänzlich.

Was die Straßenmeisterei hingegen gut gelöst hat, ist das Unfallmanagement. Es geht faktisch keine Info verloren. Wird ein Fahrzeug von einem Felsbrocken begraben, so wird das Fahrzeugkennzeichen außen aufgesprüht und der Verbleib so für die Versicherung und die Nachwelt archiviert.


Die Straße ist, auch wenn sie stark frequentiert ist, tatsächlich eins der fahrerischen Highlights und kann schon fast mit den Dolomitenpässen konkurieren.












Zum Glück entscheiden wir uns gegen den rummeligen Parkplatz an der Passhöhe, denn kaum dass wir die dunkle Röhre des Gipfeltunnels passieren, werden wir von der gleissenden  Sonne geblendet, die sich scheinbar seit Wochen auf der anderen Seite des Bergkammes versteckt hielt.
Gleich in der ersten Kehre legen wir uns wie Eidechsen in die warme Strahlenflut. Herrlich.






Die Straße führt nun wieder hurtig bergab und plötzlich ist man mit der 250er gar nicht mehr so sehr untermotorisiert. Ich schalte einige Male die Cam an und fliege ins Tal hinunter, bis sich eine geeignete Location mit Kaffee und Kuchen auftut.




Der Kaffee ist dann auch wirklich klasse und die Pfannkuchen mit Schoki oder Marmelade erst recht. Es wird eine lange Pause und die Sonne lacht uns noch immer an, als wir die Motorräder besteigen und weiter Richtung Vidraru-Stausee fahren. Gleich an einer der ersten Abfahrten machen wir uns runter ans Wasser und langsam bekommt man ein Gefühl dafür, dass der See fast das ganze Tal verschluckt hat.



Die Ruhe soll nicht lange währen, denn beim Prüfen der Gabel fällt plötzlich auf, dass die CRF-Zwillinge sich gar nicht mehr so sehr gleichen.
Suchbild finde den Fehler
(Auflösung Teil 14. oder früher)



Sa.i.e (Name gemäße Googele Datenschutzpolicy anonymisiert) hat den Tankrucksack mit Handy und Geldbeutel beim Cafe liegen lassen.
Der Schreck sitzt erstmal tief und der Gedanke wild rumtelefonierender Finder, die gerade allen Bekannten berichten, wie sie unser Konto plündern, lässt die kleinen Hondas die Strecke zurück fliegen.
Objektiv betrachtet war die Hoffnung, alles wieder zu bekommen, zwar nicht so groß, aber es gab ja auch keine Alternative.
Gut eine Stunde später erreichen wir das Gasthaus, doch der Sack ist nicht zu sehen. Sabine geht fragen und kommt dann freudestrahlend mit dem guten Stück zurück. Auch ich bin nun deutlich erleichtert. Das hätte sicher ganz schön Ärger gegeben, so ohne Papiere in Rumänien.

So weit so gut. Puls wieder unter 180 und auch die Lust jemanden die Felswand runterzustürzen, lässt langsam wieder nach. Das Ganze hatte sogar noch was Gutes, so würden wir die Möglichkeit haben, die steilere Rampe nach Sibiu nochmal trocken zu fahren.
Soooo.......... der Plan.


Siehe da, den Tunnel hatte ich gar nicht so lange in Erinnerung. So lange war er ja auch garnicht, an seinem anderen Ende wurde es nur nicht heller.
Echt zum Schreien, aber die Wolken kleben wie Kettenfett am Hosensaum an den Steilwänden fest.


Mit jedem Meter Höhenverlust nimmt der Regen zu. Zum Frustabbau fahre ich ein paar Rennen im Nebel, aber es macht nicht wirklich Freude.



Letztlich bleiben wir an einer Gallerie stehen, da der Regen so zugelegt hat, dass Weiterfahren keinen Sinn mehr macht. Sturzbäche ziehen aus dem Fels über die Straße in die Tiefe, während unaufhörlich Nebelschwaden den Weg zum Gipfel erklimmen.
Erst in der Ebene verebbt der Regen. Wir tanken in der Sonne mit einem argwöhnischen Blick auf die dunkel verhangenen Berge.
Ich bin mir sicher, dass das gute Wetter nun dauerhaft kommen wird oder hoffe ich es nur? Denn langsam wird das Wetter zum Problem.
Ich mach mir Gedanken um Helga und Lutz, die fast die doppelte Strecke durch das ebenso verregnete parallel laufende Tal zurücklegen müssen.
Wir stellen zur Begrüßung schon mal Desperados, Radler und Rotwein raus.
Es wird unsere letzte Nacht in Hermannstadt werden und die kälteste und regenreichste des Urlaubes.
Mal sehen, wo ich das Video mit den Überschwemmungen beim Abendessen hingezaubert habe.


Tag 14: " von Schweinefraß und Schweinehunden"

Etappe: Sibiu - Rasnov- Brasov-Sinaia  (251 km)
Beschreibung: Lustige Reise von Tourimagnet zu Tourimagnet mit dem schlechtesten Essen und der zweitschlechtesten Unterkunft, aber den schönsten kleinen Straßen, die nicht immer irgendwo hinführten.


Ein denkwürdiger Tag nimmt langsam seinen Lauf. Ich bin noch immer ziemlich übernächtigt und suche mir nach dem üppigen Frühstück erst mal ein ruhiges Plätzchen, um meine Gedanken zu ordnen.
Wir werden heute Abschied von Herrmannstadt nehmen. Das alleine wäre schon schade genug, aber damit beginnt auch unwiderruflich alles das, was man mit dem bösen Wort Rückreise verbindet.


  
Ein letztes Mal führt uns der Weg nach Osten, denn wir wollen uns noch gerne Kronstadt und Sinaia ansehen und so den Bogen zur Transalpina schlagen. Wir meiden die Hauptstraßen und zockeln von Ort zu Ort, ohne eine Gelegenheit zum Kaffee ober Pausieren auszulassen.
 





Wir erkunden kleine Kirchen und finden den vermutlich unlustigsten Friedhof - mit viel Platz für einen Geocash.

Vom vielen Einkehren müde............nein, stimmt gar nicht. Wir sind müde von den beiden Ausflügen in die Seitentäler. Hinweisschilder hatten uns dort Touristenattraktionen versprochen, die wir aber leider nicht gefunden hatten. Was wird fanden, waren aber wirklich launige Sträßchen, von denen sich einige jedoch zur Sackgasse entwickelten.
Dafür gab es handgemalte Fahrplanschilder.

Zu gerne hätte ich den dazu passenden Bus gesehen.
Irgendwann war es dann Zeit, was Warmes zu sich zu nehmen, denn die Sonne lachte zwar noch immer vom Himmel, aber es war unerwarteter Weise saukalt.
Wir entscheiden uns, bis Rasnov zu fahren, da wir dort eh mal einen Blick auf die  Bauernburg werfen wollten.
Unsere Wahl fällt auf diese nette Restaurant, da wir direkt davor parken können und ziemlich viel schwarz gekleidete Jugend darauf hindeutet, dass hier nicht Karell Gott gespielt wird. Ein schwerwiegender Fehler.



Diese Bild zeigt das wohl schlechteste Restaurant unseres Rumänienaufenthaltes. Merkt euch das Bild ich kann es nicht empfehlen, dort zu speisen.


Wirt, Personal und Küche sind völlig überfordert oder einfach unfähig. Als wir drinnen (draussen wars zu kalt) Platz gefunden haben, bekommen wir schon mit, wie sich die Gäste an den anderen Tischen beschweren. Zu spät, wir haben schon bestellt. Es dauert ewig, bis das Essen so nach und nach aus der Küche findet. Lutzens Pansensuppe kommt als erstes und sieht nach Eiterbrühe mit Brocken aus. Sie schmeckt aber anders, eher wie Eiterbrühe mit Knoblauch. Widerlich.
Helga und ich kommen mit unserem kalten Hähnchenknorpel an Mehlpampe noch ganz gut weg.
Sabines Spaghetti all'amatriciana kommen guterletzt doch noch und das einheimische Rezept entpuppt sich dann doch als Mama Schmiraculie mit etwas mehr Knoblauch.
Die Krönung des Nachmittags geht jedoch am Nachbartisch ab, an dem zwei Familien mit geschätzten 12 Kindern darauf warten, dass auch das letzte Kleinod rumänischer Küche den Weg auf die Tafel findet. Denke mal, die zwei Stunden Wartezeit und die erlesene Qualität der Speisen lassen dann bei der Mutter das ohnehin bereits stark gespannte Band der Zurückhaltung zerreißen.
In einer bis zur Bauernburg wahrnehmbaren verbalen Entäußerung scheint sie sich innerhalb weniger Minuten von alldem zu entledigen, was sie dem Wirt in den vorangehenden Stunden bereits mitteilen wollte.
Ich liebe diese Menschen, denn der Wirt entgegnet ihr nicht weniger erregt seine Sicht der Dinge, was den Vater schon mal durchladen lässt.
Es geht einige Minuten hin und her, wobei der Wirt irgendwann so was in der Art loslässt,
"Wenn man schnell und billig will, dann soll man zu MC-Doof gehen, bei ihm wäre alles lecker und hausgemacht und das dauert eben."
Der Kerl weiss, wie man die Lacher auf seine Seite zieht.
Aber der Tipp ist Gold wert und mein NAVI weiss auch schon wohin
Brasov


So macht man Sabine froh!!!


Der Weg nach Brasov führt über eine gut ausgebaute Passstraße mit einem schönen Panorama auf die Stadt in der Ebene und somit auf das Ende der Kaparten. Brasov selbst hat viel mehr zu bieten, als die zubetonierte Außenhülle verspricht. Der alte Stadtkern soll uns aber verborgen bleiben, denn auf unserem Plan steht noch Sinaia mit den Schlössern Schloss_Pelisor und Schloss_Peles.



Nach der Stärkung bei MC ist die Stimmung wieder besser. Auf dieser Seite der Berge ist es auch angenehm warm und so treiben wir im Strom der anderen 10000 Touristen in Richtung des Neuschwanstein Rumäniens.
Eigentlich wollten wir uns hier eine Bleibe für die Nacht suchen. Aber ganz ehrlich. Sinaia hat keine Chance. Zu rummelig, zu viel von alldem, was wir nicht wollen. Wir cruisen einige Male um den Ortskern und verpissen uns dann in ein Seitental.

Es wird immer später. Erst als wir mutig einem Abzweig in die hohen Berge folgen




kommt ein abgelegenes Hotel.
Die aufgehübschte Fassade täuscht. Im Inneren entpuppt sich der Bau als sozialistische Vorzeigeruine. Nicht so schlimm. Die Zimmer sind recht sauber und nach 6 Minuten wird das braune Leitungswasser immer mehr durch Klares verdrängt. Als dieses dann auch noch heiß wird, ist der Abend  schon fast gerettet.
Sooo............. der Plan.

Das Abendessen wird ein Problem, da, kaum dass wir aus der Dusche in den dunklen Speisesaal fallen, uns von der eben noch sehr netten jungen Bedienung, mitgeteilt wird, dass nach acht (das ist in 3 Minuten) die Küche geschlossen ist.
Wir ernähren uns von Beutelfutter und Rotwein und ich verabschiede mich ungewohnt früh aus der Runde. Ich habe eine Nacht Schlaf nachzuholen und dieser Abend wird definitiv nur noch später aber nicht mehr schöner.


Nachtrag: Kackköter Schweinehund Misttöle

Noch lustiger als das Hotel und das Restaurant war eigentlich nur noch dieser nette Geselle hier.




Als ich in dem Hotel mit der aufgehübschten Fassade
also dem hier (fahrt bloß nicht dahin)
 wegen dem Zimmer nachfragen wollte,
ist mir wohl ein Handschuh von der Sitzbank gefallen.
Jedenfalls war nach meiner Rückkehr weder vom Handschuh noch vom Hund eine Spur zu entdecken.
Es dauerete etwas, bis sich mir die Korrelation Handschuh-Hund und der kausale Zusammenhang des fast gleichzeitigen Verschwindens eröffnete.
Den Hund hatten wir recht schnell im Wald gestellt. Jedoch wollte er uns selbst unter Androhung von Trockenfutter nicht verraten, wo er den Handschuh versteckt hat. Sabines Spürsinn ist es zu verdanken, dass ich nicht mit völlig verbrannter Haut auf der linken Pfote nach Hause kam,

zerkauter Neoprenhandschuh.

denn so viel kann ich schon mal verraten.
Das Wetter sollte ab jetzt nur noch sonnige Momente für uns bereithalten und der Weg zu diesem  minderguten Hotel sollte sich noch als echter Glücksfall erweisen. Aber noch nicht beim Frühstück... (davon morgen mehr)















Tag 15: "Sie mögen Tochitura?"


Etappe: Vale Dorului - Curtea de Arges (250km)
Beschreibung: Supergeile Ausfahrt über unbewaldete Höhen und durch unüberhöhte Wälder bei sonnigstem Sonnenschein.


Eigentlich ist es wie immer. Man mus nur die Augen aufhalten, dann sieht man auch die Zeichen. Stehen um acht in der Nacht keine Autos vor dem Hotel, dann hat das sicher einen Grund und der lautet "zu" oder "Schei...nbar mindergut"
In dieser Baracke hier ist es aber sehr speziell gewesen. Irgendwie bin ich hin und her gerissen, ob die Vorfälle nun einer Absicht oder einfach Unvermögen zuzuschlagen sind.
Da war z.B. die Sache mit den Flaschenweinen. Ich wollte den Merlot aus der Auslage. Der war aber alle. Der Souvignon auf Nachfrage auch. Irgendwann sagte die Bedienung dann, dass die Flaschen nur Deko wären. Da war die Zeit, dies lustig zu finden, schon lange vorbeit.

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Nie buchen!



Jedenfalls begann der Morgen sonnig und, was das Hotel anging, in etwa so, wie der Abend geendet hatte.
Frühstück sollte es ab acht geben, aber der Speisesaal war abgeschlossen. Gegen halb neun war das Problem behoben und wir konnten bestellen. Na ja zumindest mit gewissen Einschränkungen.
Das Omelette mit Schinken und Käse war nicht ohne Käse zu bekommen.
Das Omelette Natur gabs dafür nicht mit Schinken.
War aber auch egal, denn am Schluss kamen eh nur 3 statt vier Omelettes.
Dies, werte Leser, ist normalerweise der Moment, in dem der eigentlich grundentspannte Homo Saarpiens (Urvolk aus dem Saargau) seine Flinte durchlädt und seine Bestellung samt Kellner in die Küche bläst. Die Flinte war noch zum Trocknen auf dem Balkon und so bezahlten wir und machten uns auf den Weg.



Was wollen uns diese Blicke fragen?

Wohlan, wann gibts was zu futtern und Kaffee is auch alle?!

Ich liebe es wenn Wege derart Beschildert werden.


Landschaftlich war der Exkurs auf den Berg, den wir ohne dieses Hotel vermutlich nicht entdeckt hätten, der Burner.
Hoch, weit, sonnig, nicht zu heiß, lange Offroad-Passagen, lecker Kaffee und Essen, hier gab es einfach von allem, was wir suchten, mehr als genug.


*********************************Video************************************









Nach einem Kaffee müssen wir dann doch raus aus dem Berg und weiter nach Westen. Wir meiden weiterhin jede Hauptstraße und müssen lernen, dass nicht jede Straße in einer Karte auch zu einem Ziel in unserem Kopf führt. Die Reste der Dürreperiode haben das Hinterland noch immer fest im Griff. Oft sind es nur wenige Kilometer, die für die beladenen Vierzylinder und teilweise auch für uns zu unpassierbaren Hindernissen werden.






Auch Brücken beweisen sich als Quell ewiger Freuden.





Und so verliert man schnell ein zwei Stunden, wenn man die vermeintliche Abkürzung über den Berg nicht passieren kann.
Aber Umwege erweitern die Ortskenntnis und es gibt noch viel zu entdecken.



Und ab und an kann man auch noch was für die Werkstatt zu Hause lernen.







Die Dorfdisse hingegen scheint mir nicht so empfehlenswert.
Insgesamt wirkt die Gegend nun wieder ärmlicher. Wir passieren die ein oder andere Gipsysiedlung, die unvermittelt aus dieser schönen Landschaft bunt und schrill herauspoppen.



Wir halten an einem Park und ich setze mich in ein Geschäft ab, um die Anderen mit einem Picknick zu überraschen. Es gibt Käse, Salami und Cremewurschti mit Brot und Antipasti in der Sonne. Das Leben kann so gut sein.

Die Strecke von Targoviste nach Campulung entpuppt sich als Auenlandkulisse. Ein Bach schlängelt sich durch die idyllischen sattgrünen Wiesen dem Talverlauf folgend vorbei an Pferden und Fohlen.

Das einheimische Handwerk bietet seine Holzschnitzereien am Wegesrand feil.


Wir drehen nochmals auf Nordkurs, denn es gibt da noch einen Teil, der mir wegen eines Tankrucksackes bisher verborgen blieb.




Hier fällt es uns auch leicht, eine gute Bleibe für die Nacht zu finden.
Faktisch von Straßenrand aus werden wir von dem Wirt einer Pension freundlich empfangen.
Die Zimmer sind groß mit modernen Bädern. Das Wasser auf Anhieb superheiß und klar. Es gibt Abendessen, so lange wir wollen, und man muss auch nicht um Getränke betteln.
Die Karte hat ein paar echte Schmankerl zu bieten. Zum Beispiel Tochitura in gaaaaanz spezieller Ausprägung.
Eigentlich schade, dass wir so müde sind.


Tag 16:  "die aus dem Wald kommen"


Etappe: Curtea de Arges - Kreuzung 70/67c (Eingang Transalpina) (226 km)
Beschreibung: Landschaftlich wie fahrerisch sehr reizüberflutete Etappe mit den üblichen Hindernissen und .............



Der Sonntag beginnt eben so spät wie fettig.



Der Wirt hatte uns ja schon gestern Abend gebeten, nicht zu früh aufzustehen, da die gute Frau, die sonst das Frühstück macht, an diesem Morgen nicht kommen könne und er es vielleicht nicht ganz so früh in die Küche schafft.
Endlich mal eine Anforderung, die wir am Tag 16 unserer Reise problemlos umsetzen können.
So leicht ist's dann doch nicht, denn der merkwürdige gelbe Ball am Himmel, der in dünnen hellen Fäden durch das Rollo ins Zimmer strahlt, hat schnell meine Neugier geweckt und mich aus der Koje vor die Tür gelockt. Die Luft aus den Bergen zieht eisig kalt durchs Tal. Die Strahlen des gelben Balles fühlen sich sonderbar und  unbekannt auf der Haut an.
Ein guter Zeitpunkt für einen kleinen einsamen Spaziergang.
Verdammich....Chance verpasst...
der zweite Sonnenschein hat es gerade vor die Tür geschafft.


Die beschauliche Runde runter zum Fluss tut wirklich gut. Seit Sibiu ziehe ich das rechte Bein nach. Es muss noch 7 Tage halten.


Der Tag beginnt also extremst untypisch und sonderbar. Wir sind uns nicht schlüssig, ob es ein gutes Zeichen ist, dass die Sonne über den Gipfeln scheint.....
dort in der Ferne, wo die Kaparten uns erwarten....
oder lauern.
Vermutlich werden wir gegen Abend den Fuß der Transalpina erreichen. Diesen einzigen Weg nach Norden, der uns durch die einst schier undurchdringlichen Kaparten wieder Richtung Heimat bringen will.
Also nochmal hindurch, durch die feindliche Wildnis, vorbei an Wölfen, die mit den Bären am Wegesrand um die karge Nahrung ringen ...
die Touristen.....
..............................
dort aus dem Fenster werfen. :-))

Kaum zu glauben, aber wir frühstücken in der Sonne auf der Veranda vor dem Hotel. Wir müssen nicht mit der Karte und dem Wörterbuch jonglieren. Alles, was wir bestellen und sei es so was ausgefallenes wie Omelette Schinken/Käse ohne Käse, wird geliefert und sogar für Extrawürste wird gesorgt. Kaffee gibt's auch satt, den muss man sich aber holen gehen, da der arme Wirt die Küche und den Service tatsächlich alleine managen muss.



Die Lust zu packen und uns aufs Motorrad zu setzen, steht uns ins Gesicht geschrieben. Aber es gibt leider keinen Plan B mehr, denn es ist noch ein weiter Weg bis zur Mosel und wir wollen ja nochmal in die Tatra.
Unser Weg zur Transalpina bringt uns an so manchem schönen Punkt vorbei.............






und natürlich an dem ein oder anderen Lokal.




So mancher Weg führt über Brücken, über die schon der Kaiser flanierte,
um dann im Nichts zu enden.


Die Strecke, die wir uns ausgearbeitet haben, ist spitzenklasse und macht irre Laune, auch wenn wir nicht so recht übern Berg gefunden haben. Das Terrain ist für die Vierfüße wieder mal ne Nummer zu derb und irgendwie hab ich auch immer weniger Lust, mir im Wald eine Suhle zu graben.
Das Umfahren funktioniert gut und selbst die kleinen Stücke Hauptstraße sind superschön. der Weg am unteren Teil des Sees (Transfagarasan) ist sehenswert, wobei durch die vielen Autos vielleicht eher nicht am Wochenende zu empfehlen.



Das Picknick als kleines Amuse-Gueule am frühen Nachmittag hat sich schnell etabliert.
Wobei es neben den landesüblichen Leckereine auch immer Cremewurschti für Lutz gab.
Ich hab bis heute nicht rausgefunden, ob er das Zeug eigentlich mochte oder nur gegessen hat, da es eben immer gekauft wurde.
Die Cremewurschti hier waren jedenfalls grottig und wir dekorieren die Landschaft damit, um Tiere anzulocken und zu fotoknipsdingsen.
Aber es kommen keine und für  die Asphaltschwalben, die hier auf den Parkplätzen jagen, ists noch zu früh.




Unerwartet früh gegen sechs erreichen wir die Kreuzung und somit den Eingang zur Transalpina. Leider finden wir hier nicht wie erwartet eine breite Auswahl an Unterkünften.
Dafür finden wir eine breite Auswahl an Gipsys, die hier zu Hunderten die Straßen in Beschlag nehmen. Wir tänzeln mit den Motorrädern durch die Menschenmassen. Überall am Straßenrand stehen über Hunderte von Metern Abwrackprämien-PKW und Lieferwagen. Getankt wird aus Plastikflaschen. Eine riesige Menge von Pilzen und Beeren wechselt gegen Bündel von Geldscheinen den Besitzer. Einige der Fahrzeuge werden den Heimweg nicht antreten. Wir werden sie morgen piratisiert am Straßenrand wiederfinden.
An allen Ecken wird gegrillt und vereinzelt auch Musik gemacht. Ein Riesen-Happening und wir etwas ungelenk mittendrin.
Auch auf dem Aufweg zur Transalpina findet sich kein Hotel. Wir müssen zurück. Nochmals durch das Zigeunerfest.
Das Wetter hat sich in alter Tradition etwas zugezogen, aber noch regnet es nicht. Wir kehren bei der ersten Unterkunft 300 Meter vor dem Gipsylager (Obrasia Lotrolui) ein. Zum Glück gibt es noch Zimmer. Die sind nicht gerade preiswert, aber sehr sauber und modern. Und Essen wird es auch noch geben. Auch wenn wir den Plan, draußen zu sitzen, verwerfen müssen. Es ist für September schon verdammt kalt.


Schnell findet man hier ähnlich gekleidete Freunde


So müssen Trophäen aussehen



Was gabs sonst noch???
Helgas KAWA zickt den ganzen Abend schon rum.
Wir müssen auf einem Parkplatz neben der Hauptstraße halten und so wies hier aussschaut geht hier nachts ganz schön die Post ab.
Und zwar die Schneckenpost.
Die KAWA wird es wohl noch bis Heim schaffen.

Irgendwie haben wir es heute versäumt, reichlich Fotos zu machen. Vielleicht ist es die Tatsache, dass wir uns bereits auf dem Rückweg befinden, die uns das Fotografieren vermiest hat.
Dabei gabs schon ein paar bemerkenswerte Dinge.
Helga hat Obst am Straßenrand gekauft. Sie hat sich die Früchte ausgesucht und die gute Frau hat sie dann einzeln gewogen. Dabei stand der Preis, glaube ich, schon von Anfang an fest.
Touris Ausland 5 Lei.
Aber sehr sehr nett und die Kinder interessiert, aber sehr höflich.

Was nicht vergessen werden darf
Die überwiegend dunkelhäutigeren Menschen, die auf der Straße das verkauften, was sie im Wald gesammelt hatten, leben auch genau in diesem Wald. Sie wohnen in improvisierten Zelten aus Ästen und Nylonbahnen. Sie leben dort mit ihren Frauen und Kindern. Man sieht sie nur wenn sie am Straßenrand stehen und ihre Waren anbieten oder morgens in der Frühe, wenn sie aus dem Nebel am Waldrand hervortreten um an den wenigen Brunnen, wie hier an unserer Unterkunft, frisches Wasser in Kanistern und Eimern zu füllen und es in den Wald zu tragen.


Tag 17: "kein Tag ohne Griffheizung"

Etappe: Transalpina- Beius (288km)
Ausfälle: ein Stück der Transalpina
Beschreibung: Superschöne Etappe durch dicht bewaldete Hügel, mit unerwartet guten Straßen und fast durchgehend Asphalt.


Der Tag beginnt sonnig und eisigkalt. Als ich endlich vor die Tür schreite, kommt mir Lutz bereits entgegen. So wie es scheint, hab ich die Odyssee der Waldbewohner zur Wasserstelle verpasst. Nach gewohnt reichhaltigem Frühstück geht es bestens gelaunt auf die Moppeds, denn vor uns liegen Kilometerdekaden allerfeinster Karpatenlandschaft.



Der üppige Sonnenschein trügt ein wenig über die mehr als weihnachtlich tiefen Temperaturen hinweg. Selbst ich hatte kurzfristig die Heizgriffe an und die Investition für Sabines Heizgriffregler war ohnehin rausgeworfenes Geld.

  
Lasst euch nicht von dem Bild irritieren. Von der einst so abenteuerlichen Streckenführung und Wegbeschaffenheit ist nur die Streckenführung erhalten. OK, vielleicht im letzten Drittel noch, das wir uns aus Zeitgründen und wegen einer kleinen Fehlinformation für die nächste Reise aufgehoben haben.


Hier beobachten Lutz und Helga, wie sich Sabine in der Steilwand austobt.




 Da ist sie wieder gesund und munter, ohne Kratzer am Mopped zurück.
 

 Irgendwie war mir irgendwann klar, dass ein Stück der Transalpina uns verborgen bleiben würde. Und die Länge des Rückweges über die Tatra machte mir angesichts der wenigen verbleibenden Tage etwas Kopfzerbrechen. Auch das NAVI sagte mir stets das Gleiche.

Ihr seid zu spät dran.....hahahaha.





Nach einem Kaffee geht es dann raus aus den Bergen hinein in die staubige Ebene von Sebes bis nach Alba Iulia. Alba Iulia hat einiges an Sehenswürdigkeiten zu bieten und ist einen längeren Aufenthalt auf jeden Fall wert. Der Straßenverkehr in der Neustadt bringt einen, im Zusammenspiel mit der äußerst kreativen Beschilderung, schnell mal aus der Fassung. Hat man den Weg hinauf in die Altstadt aber gefunden, beruhigt sich alles und man beginnt die alten Bauten und die eigenwillige Verkehrsführung zu schätzen.



Die Festungsanlage mit der alten Kirche ist über einen Parkplatz leicht zu erreichen, wenn man sich nicht so unbedingt an der vorgegebenen Fahrtrichtung orientiert.
Die Befestigungsanlagen selbst erinnern sehr stark an die Bauweise, wie sie Vauban bevorzugte.


 Allerdings ist das der Festung innewohnende Baugut von viel schönerer Ausprägung als in den schnöden Garnisonsbefestigungen der Franzosen.






 Ein alter König
 und seine Gattin,
bewachen noch heute den Eingang.

Nach einer ausgibigen Besichtigungsrunde geht es weiter nach Oradea.
So der Plan................





Jedoch durften wir erst einmal einen der wenigen maximalen Navigationsgerätefehler genießen.


Denn hier wären uns die Vierzylinder definitiv verreckt.

Irgendwie wurde es dann auch schon bald wieder Zeit, Nahrung aufzunehmen.
Wir bevorzugten mittlerweile das zweistufige System.
Erst nehmen wir Nahrung ins Topcase auf
dann an einer schönen Stelle
nehmen wir diese Nahrung aus dem Topcase auf.

Bei diesem netten Herrn um die Ecke



füllten Sabine und Helga das Topcase denn mit allerlei Fettigem und etwas Antipastischem.
Nur Brot wollte man uns nicht verkaufen.
Ich drehte dann mal eine kleine Runde durch die doch etwas größere Stadt


und fand dann auch so manchen Laden und viele kleine Sehenswürdigkeiten


aber kein einzigen Krümel Brot.
Dafür glücklicherweise aber uns Anderen wieder, denn wir wollten Volker hinterher und stellten dabei fest, dass es viele Abzweige von der Hauptstraße gab.



Erst Kilometer später sollten wir dieses Manko an einer Tankstelle mit einem herrlichen selbst gebackenen Landbrot egalisieren können.
Wenn Brot bei uns noch so schmecken würde.


Auch ein geeigneter Picknickplatz war dann schnell gefunden.


In Beius beschließen wir schließlich, dass wir für heute weit genug gekommen sind. Nach etwas hin und her finden wir ortsausgangs eine kleine Pension, die unseren Vorstellungen (große Zimmer, sauber, familiärer Biergarten) entspricht.
Es wird unser letzter Abend in Rumänien, den wir mit Pizza und farbigen Wasserspielen und reichlich Ciuc feiern.

Und die Pizza war auch viel besser, als es die gigantischen Mengen Ketchup, die hier wohl verbraucht werden, suggerierten.



 Tag 18 "leaving Romania"

Etappe: Beius-Puszta-Muran (389km)
Beschreibung: steht alles unten grrrrrr (ich will noch nicht heim)



Immer wenn es regnet
muss ich an Sonne denken
mag nicht weiter fahren
will mich nur ablenken
nass bis auf die Haut sitz ich da
LMAA

Der Tag startet zur Abwechslung mit einem kräftigen Regenschauer. Wer hätte das gedacht, dass, nach dem klaren kalten Tag gestern, ein ebenso kalter aber nasser Tag folgen würde.Die beiden BMW-Systembekleidungsdurchdiegegendfahrer, die gestern Abend noch mit ihren gelben Warnnummernschildern (NL) ins Hotel gefallen sind, schauen etwas pikiert. Ich denke bei mir, wenn die wüssten, was wir schon hinter uns haben und erwische mich heimlich dabei, wie die dunkle Seite meines Gehirns schon die Quote für eine Beendigung der Freundschaft der beiden Niederländer ausrechnet.
Wir sind gestern sehr nah an die Grenze zu Ungarn gerückt und lassen  uns heute Morgen nicht nur wegen des dichten Regens also etwas Zeit, die jeder unterschiedlich zum Stressabbau nutzt. Lutz faltet die bettlakengroße Karte mit einer mir völlig fremden akribischen Sorgfalt und Ruhe zusammen zusammen. Es gibt einfach ein paar Dinge (außer Helga), um die ich ihn echt beneide.



 Aber auch ich nutze die Zeit, um in Selbstmittleid zu ertrinken. Alternativ hätte ich gerne jemanden verprügelt, aber alle, die in Frage kamen, wirkten stärker als ich.
Das Hotel jedenfalls war durchaus zu empfehlen, wobei die Sicht hier aus dem Biergarten heraus etwas täuscht, denn von der Straße ist das Haus fast nicht als Hotel zu erkennen und wenn, dann verbreitet es eher den Charme einer billigen Absteige.


Mit der Pusztapassage steht heute der vermeindlich heißeste Abschnitt der Heimreise auf dem Programm. Aber das fällt wohl ins Wasser.
Der ganze Rumänientripp entpuppt sich eher für nicht zu frustrierende Skandinavienfans als geeignet.
Der Regen lässt nach. Wir stürzen uns in den morgendlichen Verkehr und rollern nach Oradea











Oradea entpuppt sich als wirklich superschöne Stadt mit einem Straßenverkehr im besten Anarcho-Stil.

Es macht  mir aber erstaunlich wenig graue Haare, die Gruppe hier durchzuwuseln, was wieder zeigt wie sehr wir uns in den letzten  3 Wochen aufeinander eingespielt haben.

Dennoch hätte es mich an diesem Tag fast zwei mal zerrissen. Das erste mal hätte eine Straßenbahn,

 nicht die da aber ähnlich modern


die trotzt meines grünen Leuchtfeuers (Linksabbiegerampel an riesigem Kreisverkehr) ohne Klingeln oder Warnung einfach durch den Kreisverkehr mittig durchratterte. Ich hab das Ding echt im allerletzten Moment im Winkel des Helmaausschnittes wahrgenommen und es gerade noch geschafft stehen zu bleiben.
Beim zweiten Versuch hab ich einen PKW im mehrspurigen Kreisverkehr übersehen und diesmal war ich ganz froh, dass die Menschen hier so geistesgegenwärtig und aufmerksam fahren, sonst wäre ich sicher im Spital gelandet.

Wie man sieht, hat es aber irgendwie doch allen gefallen, hier durchzubrummen.






Da ging es schon an die Grenze. Noch einmal billig besten rumänischen Sprit tanken.
Ach apropopos
Könnt Ihr euch noch an die Zeit erinnern, als man uns immer sagte
"tankt nicht den minderwertigen Sprit in Polen.... die mischen da billigen Alkohol mit bei und strecken den so....darum ist der so billig."
Hahaha. In einer Zeit, in der man nun E10 fürs gleiche Geld wie früher das gute Normal vorgesetzt bekommt, kann man da sogar im Nachhinein nur noch den Kopf schütteln.
Der billige Rumäniensprit besteht fast 100% aus Mineralöl und daher haben wir bei der Befüllung der Tanks sogar die Oberflächenspannung mit ausgenutzt.
Die Tanke war auch super mit Karten ausgestattet und hatte eine Wechselstube.
Dort haben ich meine letzten Lei in Nutellacroissants, Milchkaffee und Kartenmaterial umgetauscht. Eine sehr gute Entscheidung, denn die erworbene Karte der Slowakei ist Spitzenklasse und wird mir noch sicher viele Urlaube dienen.


Der Grenzübertritt war bis auf den scheißendreck gelaunten ungarischen Grenzer unspektakulär, genau so unspektakulär wie die Fahrt durch die Ungarische Ebene. Ich denke mit Freude daran, dass die Fahrradreise, die ich einst für hier geplant hatte, niemals stattfand. Ich glaube, da wäre ich eingegangen.
Das NAVI fand einen Weg jehnseits der Hauptstraße und dafür möchte ich mich mal an dieser Stelle bei dem NAVI, über das ich sonst nur schimpfe bedanken, denn der Weg war für Pusztaverhältnisse schon fast als abwechslungsreich zu benennen.
Dennoch flogen wir durch den sandigen Boden, an schier endlosen, mit Cornflakes-Rohmasse bebauten Feldern, der Tatra entgegen.
Bereits um viertel vor zwei stehen wir 6 km vor Polska, wo uns entgegen meiner Erwartungen aber keine tanzenden Einwohner auf der Straße begrüßen.

Am späten Nachmittag erreichten wir die Eurozone abermals und werden von dieser netten Raubkopie in der Nitzke Tatry empfangen.
Wir haben es tatsächlich bis Muran geschafft. Das hätte ich heute Morgen niemals geglaubt. Die letzten Kilometer waren wirklich beseelend, stets die Berge im Visier, vorbei an den goldenen Hügeln und grün- braun- roten Herbstwäldern


Irgendwie war heute recht schnell das Tagesziel erreicht, oder anders ausgedrückt.........
nach Erreichen der Berge hatte keiner von uns mehr Bock weiter zu fahren.
Recht schnell fanden wir ein abgelegenes Wanderer-Hotel, das wieder diesen herrlich plumpen Charme einer sozialistischen Kaderschmiede verströmte.


Es war auch nicht gerade billig. Wobei man auch einräumen muss, dass nach 2 Wochen Rumänien einem jede Herberge weiter westlich überteuert vorkommt.
Mir gefiel die Ausstattung mit Sauna und Schwimmbad, denn mein Bein hatte sich deutlich verschlechtert und brauchte dringend Therapie.
Irgendwie haben wir es dann doch nicht in den Pool geschafft und ich fand mich nach einem kleinen sehr anstrendgenden Abendspaziergang (mit deutlicher Schleifspur rechts)







im Speisesaal vor einem leckeren Bier sitzend wieder.

Es würde nur als Erstes an der Spitze einer ganzen Dynastie von Bieren stehen, deren Aufstieg und Fall durch einen Schankbeleg bestens für die Nachwelt dokumentiert werden sollte.

Tag 19:  "entlang der eigenen Fußstapfen durch die hohe Tatra"

Etappe: Muranska Hurta-in den Wald von Komorni Lhotka (369km)
Beschreibung: Aüßerst sehenswerte Strecke am Fuße der und durch die hohe Tatra.
Verluste:  Aufzeichnung der Tagesstrecke



Leider hat das NAVI mal wieder seinen eigenen Kopf gehabt und daher fehlt zum zweiten Male in diesem Urlaub ein ganzer Tagestrack. Vielleicht sollte ich das Gerät doch öfter mal anhalten und so kleinere Tracks aufzeichnen.
Sehr schade, denn wir hatten uns zu Beginn eine sehr schöne Strecke über kleine Nebenstraßen erarbeitet. Im Wesentlichen bewegen wir uns am frühen Morgen aber in einer umfassenden Schleifenbewegung erst etwas in den Nord-Westen, dann zurück auf Ostkurs. So gleiten wir mit herrlichstem Panorama am Fuße der Berge entlang, um dann wieder auf West-Nord-West einzudrehen und auf den bekannten Weg nach Zakopane einzudrehen.

Am frühen Nachmittag sitzen wir am Fuße der hohen Tatra in der Sonne vor einem Kiosk und trinken Kaffee.



Eben noch etwas verärgert, dass uns eine Schranke und ein Parkwächter den Zugang zu dem Hotel mit der riesigen Sonnenterrasse verwehrt hat, amüsieren wir uns nun über den Mineralwasser-Sommeillier im Adlon Berlin und stellen uns vor, wie er für besondere Feinschmecker, mittels einer Brausetablette, eines Strohhalmes und eines Glases besten Berliner Leitungswassers eine 96er Perrier Oktoberabfüllung fabriziert.
Es ist selbst in der Sonne erstaunlich kühl und wir genießen die Stille.
Um diese zu garantieren, hat jemand den Auftrag bekommen, darüber nachzudenken, was Gold ist. Bemerkenswerterweise geht der Vorgang nicht ohne Geräusch ab. Phhh...

Nach einer erholsamen Pause geht es weiter, einmal um den Berg in  Richtung Zakopane.




Am Straßenrand gibt es viel zu entdecken und so finden wir z.B. das Original zu den berühmten Märklin M-Gleisen.





Wir kommen durch die betörend schöne Landschaft überraschend flott voran und so verweilen wir im immer noch sehr trubeligen Zakopane eine Weile. Es war ein Versprechen, das wir Helga gegeben hatten, denn sie wollte doch so gerne das Antlitz einiger der wirklich hübschen Holzhäuser digitalisiert nach Hause tragen.
Leider muss ich da passen und aufs Web verweisen, ich hab keinen Schimmer, wo die Häuserbilder geblieben sind.
Jedenfalls wars eine gute Gelegenheit, in der Sonne Wärme aufzutanken und zu beschließen, dass nun baldmöglicht wieder Zeit zur Nahrungsaufnahme wäre.
Lutzens Topcase hatten wir ja sicherheitshalber schon mal gut gefüllt.
Der Park in Zakopane kam dann aber nicht in Frage, da dort neben dem störenden Hundeverkehr auch die notwendige Tisch-Bank-Geile Aussicht Kombi fehlte.



Erst kurz vor dem Wiedereintritt in die Slovakei sollten wir an einem durch einen Sturm verwüsteten Landwirtschaftsmuseum einen geeigneten Platz.....


...mit Aussicht.....


....und  Bestuhlung....


...zum Abwickeln unseres Rollkäses, finden.


Apropopo ....wenn es ein Lebensmittel gab, das ich seit dem Übertritt in die Tschechei absolut vermisst habe, dann ist es guter Käse.

Und so zeigte sich auch der Rollkäse mehr als netter Pausenjoke denn als Gaumenverzücker.

Dafür lohnt es sich, den ein oder anderen Kilometer durch geschickte Wahl möglicher Abkürzungen einzusparen.


Der Tag verging heute wie im Fluge und erst als sich die Dämmerung ankündigte, verschwendeten wir die ersten Gedanken an eine Unterkunft.
Die Residenz Napoleon an der Hauptstraße entsprach nicht so unseren Vorstellungen und so verließen wir die Transitroute hinter der Stadt wieder und fuhren querab in die Landschaft. Das NAVI hatte mehrere kleine Pensionen identifiziert. Die erste entpuppte sich als Bahnhofsabsteige. Schon beim Betreten des Schankraumes konnte man sich dem Eindruck nicht erwehren, dass die Dampflok hier noch immer mitten durch den Schankraum dampft.
Die Nächste sah von außen auch nicht besser aus. Der Ort Komorni Lhotka hatte aber einige Unterkünfte zu verzeichnen. Nur leider waren die fast alle geschlossen. Ich ließ die Gruppe am Marktplatz zurück und folgte den Schildern, die hinauf in den Berg führten. Die besseren Unterkünfte waren geschlossen oder nur wochenweise zu vermieten. Weit oben gab es eine Berghütte. Die hätten uns sogar genommen, aber es gab da kein fließend warmes Wasser und man war dort auch eher auf Wanderer eingestellt. Also wieder hinunter in Tal und auf der anderen Seite hoch. Es wurde dunkel. Der Weg führte weiter in den Wald und ich wäre sicher bald umgekehrt, hätte ich da im Dunkeln nicht noch die beiden Rucksackgestalten in ihren kurzen Hosen erspäht. Ich dachte mir, wenn die da noch hochlaufen, dann gibt es da auch noch was.
Nach weiteren 2 km zeigte sich, dass ich Recht behalten sollte. Ein riesiger Flachbau lag hier mit Spielplatz und Biergarten im Dunkel. Ich schlürfte am dunklen Speisesaal vorbei zum mit Bierwerbung beleuchteten Eingang und meine Hoffnung, dass der Laden noch auf hat, wurde erfüllt.

Mein Freund, der Kampfköter, empfing mich lautbellend, noch bevor ich den Türgriff in der Hand hatte.
Zum Glück kam Herrchen und bat mich herein. Der Muskeldackel entpuppte sich nach ausgiebig schnuppern nun als Kampfschmuser. Und er sprach genausogut deutsch oder englisch wie seine Herrchen.




Aber man gab mir zu verstehen, dass es auf jeden Fall noch Zimmer geben würde und der ältere kautzige Herr machte auch noch einen guten Preis. Auch der Umstand, dass wir in Euro zahlen mussten, störte ihn nicht.
Er schickte nach seinem zweiten Sohn und einer Frau, die mir die Zimmer zeigen sollte.
Die Zimmer lagen in einem separaten Trakt, waren sauber und groß und für 6 Personen, wobei ich fürs gleiche Geld auch 4 Zimmer hätte haben können.
Was mich störte, war das fehlende Doppelbett. Leider verstand mich die gute Frau erst, als ich ihr zeigte, dass ich an aneinander geschobenen Betten interessiert wäre.
Wir suchten dann ca. 14 Räume ab, bis wir zwei mit Doppelbetten fanden.

Nun wollte ich doch mal Sabine Lutz und Helga informieren, die seit gut 50 Minuten auf meine Rückkehr warteten.
Ich sagte, ich hab was, es wird noch dauern.
Der zweite Sohn war eingetroffen. Er hatte von seiner Oma (Sudetendeutsche vermutlich) deutsch gelernt, sparach aber lieber englisch, da er gerade mehrere Jahre in Dubai weilte.
Ein sehr angenehmer Mensch war das. Überhaupt wurden wir alle langsam miteinander warm.
Ich verabschiedete mich dann, um meine Freunde zu holen und sagte, dass wir in 30 Minuten zurück wären.
Es war wirklich ein weiter Weg durch den dunklen Wald und einmal wäre ich fast im Graben gelandet. Ich glaube, Sabine war froh mich zu sehen. Dann gings schon zurück in den Wald und ich glaube, Helga war bis zum Schluß davon überzeugt, dass ich sie veräppeln will. Jedenfalls glaubte von den drei kaum noch jemand, dass sie bald ins Bett dürften.
Dann erreichten wir so plötzlich wie beim ersten Mal das Hotel. Es ploppte förmlich unverhofft aus dem Dunkeln des Waldes. Wir parkten im Innenhof und die beiden Söhne (unser Alter) kamen, um uns beim Gepäck zu helfen.
Dann hatten wir es endlich bis in den Schankraum geschafft.
Eigentlich wollte ich nun schnell aufs Zimmer. Aber erstmal gab es vier Bier und die Info, dass es mit den Zimmern dauern wird.
Wir bekämen bessere Zimmer im Haupthaus. Ich denke mal, als unser Gastwirt von den beiden Frauen erfahren hat, wollte er noch was drauflegen und den Aufenthalt noch angenehmer und vor allem, wie er sagte, wärmer gestalten.
So strippten wir uns im Schankraum aus den Jacken und genossen unser Bier.
Wir waren schon auf Verpflegung aus dem Topcase eingestellt, als man uns fragte
"essen?"
"warm?"
Wir nickten.
"Nur gibt Hirschgulasch, hat Brot dabei."

Was soll ich sagen.....
es sollte eines der besten Wildgulaschs meines Lebens werden.


Es gab auch noch ein paar Biere und die Zimmer waren groß, warm, sauber und mit riesigem Balkon.
Aber davon morgen mehr.


Tag 20 "die Zeit verrinnt"

Etappe: Wald von Komorni Lhotka - Jablonne (414km)
Beschreibung: Abwechslungsreiche Tour mit einem erheblichen Transitanteil in der Streckenmitte. Insgesamt führt die Strecke aber immer wieder an Flüssen entlang, durch Tälern oder über seichte Kuppen.



Heute ist schon der 05.09.
Also hoffentlich!!!!!!!!!!
Und auch wenn wir gestern bestens Richtung Westen voran kamen, haben wir doch noch verdammt viel Strecke vor uns.

Die Voraussetzungen und die Stimmung sind gut, denn der Tag startet so sonnig wie der gestrige endete.
Die Zimmer waren "sozialistisch chic" - bequem und super geräumig.
Das Bad groß mit viel heißem Wasser und einem sehr eigenwillig designten Heizkörper.


Auf unserem Balkon könnte man bequem Tischtennis spielen und der Ausblick reicht über den Kinderspielplatz und den Biergarten, an dem wir gestern unsere Moppeds abgestellt hatten
und wo sie zu meiner Freude noch immer unberührt standen.



Den Spielplatz haben wir dann auch einer gründlichen Sicherheitsinspektion unterzogen.


Gott sei Dank vor dem Frühstück, denn danach wäre ich vielleicht nicht mehr aus dem Kindersitz gekommen.



Wir hatten auch ein paar sehr aufmerksame Beobachter.

Aber irgendwann gings dann doch an den Frühstückstisch, an dem uns zwei Kannen Tee, etwas Weißbrot und eine Marmelade erwartete.
"So, jetzt haben die uns also doch noch veräppelt" war mein erster Eindruck und tatsächlich fühlte ich mich in Anbetracht der mickrigen Auswahl ein wenig übervorteilt. Für 18€ pro Person für die Übernachtung mit Frühstück hatte ich irgendwie mehr erwartet. In Gedanken fand ich mich schon auf der Suche nach dem nächsten Kaffee, der Tee zum Frühstück würde mich sicher nicht befriedigen.



Aber es sollte alles ganz anders kommen, denn in der Küche warteten schon vier heiße Pfannen auf unser Erscheinen. Kaum das wir saßen, kam auch schon einer der Söhne um unsere Kaffeewünsche aufzunehmen und wenige Minuten später kam dann das Frühstück frisch aus den Pfannen auf den Teller.




Eigentlich läuft es recht häufig bis immer nach dem selben Schema ab. Der erste Eindruck täuscht selten und die anfangs etwas knuffig wirkenden sind letztlich die nettesten und ehrlichsten. Sogar der Wechselkurs für unsere Euros war supergünstig.
Beim Frühstück plauderten wir noch ein wenig mit dem Sohn. Allerdings überwiegend auf Englisch, da das wenige Deutsch, das er bei seiner Oma gelernt hatte, über seinen Aufenthalt in Dubai zugunsten des Englischen verschütt gegangen war. 
So erfahren wir zum Beispiel, dass das Hotel im Winter ziemlich ausgebucht ist, da hier sehr viel Schnee fällt, viel mehr als in anderen Gegenden Tschechiens und das Hotel recht häufig völlig im Schnee versinkt.

Gerne hätten wir noch etwas länger mit ihm geplaudert, aber da draußen warteten über 400 km darauf, bewältigt zu werden, und so packten wir abermals unsere Motorräder und starteten den Tag mit einer kleinen Fahrt durch den Wald.

Die Reise ging dann ziemlich pronto richtung Vitor, wo wir noch ein Date mit einer Konditorei und einer Apotheke wahrnehmen mussten.
Mittlerweile war es nicht nur sonnig, nein, auch die Temperaturen gingen langsam nach oben.


 Was sich nicht nur bei mir erheblich auf Stimmung und Entspannungsgrad auswirkt.


Der Kaffee blieb
türkisch


die Kalorien in den kleinen Süßigkeiten
tückisch.


Der Weg führte uns nun dicht an die alte Grenzlinie, die in den 30er Jahren als Ergebnis der Lehren des ErstenWeltkrieges hier wie in Frankreich stark befestigt wurde.
Die Sperrwerke sind annähernd in unzerstörtem Zustand, da sie nie in kriegerische Handlungen involviert waren. Anders als ihre Pendants im Westen wurden dies Sperrwerke schon mit Beendigung der Sudetenkriese praktisch kampflos an Nazideutschland übergeben.
Im Nachhinein eine sehr ungüstige Angelegenheit. Zwar haben solche Werke bereits zu Kriegsbeginn kaum noch eine Rolle gespielt, wären sie aber durch die Wehrmacht zu nehmen gewesen, hätte Deutschland eine seiner schlagkräftigsten neuen Taktiken preisgeben müssen.
So blieb diese neue Waffengattung aber bis zur Einnahme der Forts an der Maas Eben-Emael verborgen.




Das zur Anlage gehörende Museum war wohl geschlossen bzw. es war gerade keine Führung und so nutzten wir die Gelegenheit, das Topcase zu plündern.


So hätte es eigentlich schon auf der Hinfahrt werden sollen. die ganzen 6300 km eine einzige Wellnesstour.
Kaum zu glauben, wie wenig einem 400 km ausmachen, wenn die Sonne lacht und der Hintern trocken bleibt.




Noch schnell den letzten Rollkäse in eine geschmacklich akzeptable Form bringen.
Wie hier beim fertiggestellten Rollkäsekonfekt.





Noch schnell einen Blick auf den Freiluftbereich des Museums werfen und dann sollte es auch schon weiter gehen.


Das Museum hatte dann doch auf und der Freiluftbereich sollte sich als der Museumsschrottplatz herausstellen.

Das war aber erst auf der anderen Seite der riesigen Halle, die wir für eine Speditionshalle oder sowas hielten, zu erkennen.
Vollgemampft und wieder angezogen auf den Moppeds sitzend, hatte nun aber keiner mehr Böcke, sich alte Militaria anzusehen.
Alte Panzer und Ausrüstung kann man auch bei der Bundeswehr zu Genüge sehen, dafür muss man nicht unbedingt so weit fahren. :-)



Es ging weiter immer an der Grenzlinie lang. Weit und breit waren wir die einzigen Touristen und die Straßen und Orte wirkten geradezu menschenverlassen. Leider galt diese Einsamkeit dann auch für Gasthäuser und so wurde es erstaunlich schwierig, einen Spätnachmittagskaffee zu genießen



Irgendwann hielten wir an einem See mitten in einem Dorf, um noch einemal für den Tagesendspurt Endergie zu tanken.
Für die Mädels bedeutete das, nochmal mit letzter Kraft den Bauch für ein Foto einzuziehen.
Wie in der Werbung
"hält 30 Sekunden"



Ich konnte faktisch das Badewasser schon einlaufen hören, als uns eine Baustelle doch nochmal auf eine 10-minütige Extrarunde schickte. Aber dann hatten wir es tatsächlich geschafft.
Das abgebrannte Hotel lag vor uns und die großen Tanzsäle waren auch noch frei.

So sieht Vorfreude aus.



Und nach dem Bad im Jacuzzi gab es was?????????????????


Genau!
Teuflische Massen in Kartoffelpuffer

Ein wirklich toller Tag geht zu Ende.





Tag 21+22 :" Weniger ist mehr .............oder vom Trost sich was fürs nächste Mal aufzuheben "

Etappe : Jablonne- unerwarteterweise Franzensbad (366 km) und dann nach Löf
Kurzbeschreibung:  Sehenswerter Abstecher in die Sächsische Schweiz.




Heute Morgen bin ich schon recht früh aufgewacht.
Zum Einen bin ich etwas ungeduldig, da ich die Heimat schon fast riechen kann,
zum Anderen etwas traurig, da sich das Ende unseres kleinen Abenteuers deutlich abzeichnet.
Und falls heute wirklich schon der 6. ist, dann müssen wir uns langsam ganz schön sputen.
Gestern war ein irrer Ritt und wir sind schon fast wieder im Zeitplan. Na ja, so hab ich es den Anderen jedenfalls erzählt. In meinem Kopf dreht sich alles um die Frage, welchen Teil der geplanten Strecke ich liegen lasse, damit wir gegen Abend zumindest in Grenznähe zu Deutschland übernachten.
Im Hotel ist schon arg viel Betrieb, denn die anderen Gäste wollen/müssen heute ganz früh los. Die kleine Iro-Maus tut mir echt leid. Denke mal, sie kam noch deutlich nach uns in die Federn und steht nun schon wieder alleine in Küche und Rezeption.
Ich sollte Recht behalten, über eine Stunde später tischt sie uns völlig übermüdet unser tolles Frühstück auf,



um sich dann ins Bett zu verabschieden.
Hurra, wir haben die Macht über das Hotel ergattert.

Wir sitzen gut eineinhalb Stunden beim Frühstück und basteln die Route. Glaube, so viel hatte man mir noch nie vorgesetzt. Auch mit dem x-ten Kaffee (wir mussten etwas suchen, bis wir alles dafür in der Küche gefunden hatten) war das einfach nicht aufzuessen.


Letztlich haben wir die Reste (das Bild zeigt nur eine Portion ohne Cremewurschti und Ei)  auf einen riesigen Teller gepackt und in den Kühlschrank verfrachtet.

Zeit, die Moppeds unter sakraler Aufsicht zu beladen



und sich zu verabschieden. Der gewählte Weg führt über verwunschene Straßen in die Sächsische Schweiz. Sicherlich keine Abkürzung, aber da Lutz und Helga noch nie hier waren, dachte ich mir, es wäre den kleinen Umweg durchaus wert.

Ich hab mir die Route entlang der Kirnitzschtalbahn ausgesucht und auf dem Hinweg sind wir durch schöne Landschaften und Dörfer gefahren





und auf so manche Tschechische Sammelleidenschaft gestoßen.




Die steilen Felswände des Kirnitzschtals





im Zusammenspiel mit der sich malerisch am Bach entlang schlängelnden Schmalspurbahn ist wirklich jeden Umweg wert.




Wir rasten an der Neumann-Mühle



und ich freue mich darüber, wie wenig Betrieb heut hier ist. Fast haben wir das anheimelnde Tal ganz für uns.
Nur der Kaffee wird schlagartig wieder schlechter, was die Stimmung aber nicht zu drücken vermag.

Dann gehts weiter Richtung Bastei und Bad Schandau.
Wir werfen einen Blick auf die großen Steine, über die Sabine und ich vor ein paar Jahren gewandert und geklettert sind.




Diese Steine sind


aber auch für Ausländer frei zugänglich.

Leider sind sie mit dem Motorrad nur beschränkt zu besichtigen.
Apropopo .....wer hängt eigentlich solche Schilder auf.

Nach diesem Ausflug auf die Rechte Grenze des Weges halten wir den Lenker nun wieder etwas linker und finden nach einigen vergeblichen Versuchen wieder hinüber in die Tschechei.

Früher war der Weg von der Grenze bis zu diesem netten Fliegzeug von freudig winkenden Frauen jeglicher Form, Farbe und Alters gesäumt.
Aber heute scheint der Grenzverkehr doch etwas abzuebben.


Ein letztes mal ultrabillig tanken und dann müssen wir schon weiter, denn es ist schon so was ähnliches wie Nachmittag und wir haben uns noch nicht wirklich in Richtung Heimat bewegt.

Leider lässt die landschaftliche Attraktivität der Route nicht wirklich nach


und die Entscheidung, auf die Schnellstraße zuzusteuern, ist mir wirklich nicht leicht gefallen, als wir gegen halb fünf, faktisch noch in der Mitte der Etappe, verstört feststellen, dass der Urlaub nun ein Ende finden wird.


Wir umfahren Chomutov und gehen danach auf die Schnellstraße Richtung Cheb.
Nicht ganz geplant, endet die Etappe in Franzensbad. Glaube wir haben uns dafür entschlossen, da es schon nach sieben war und wir uns in dem Ort ja schon ein wenig auskannten.
Dummerweise hatte das Wetter viele Wanderer aus Bayern hierher gelockt und so bekamen wir kurz vor" es gibt nix mehr", doch noch die fast letzten Betten der Stadt.

Entgegen meinen Bedenken bekamen wir auch am späten Abend noch was zu knabbern, ohne weit laufen zu müssen.
Ein Hotel um die Ecke lockte mit einheimischen Leckereien.



Die aufgeschnittenen Klöße wollte ich schon lange mal probieren und da mir eine der ebenso reifen wie netten Bedienungen versprochen hatte, mir ein separates Kännchen mit Extrasauce zu bringen, war das die optimale Gelegenheit dazu.


Kostenlos gab es dazu die frivolsten Geschichten des alten Franzensbad. Aber die werde ich jetzt nicht erzählen, dass soll ja hier ein jugendfreier Blog bleiben.
Der Abend wurde ein eben so langer wie kalorienreicher und daher waren wir am nächsten Morgen auch nicht gleich mit den ersten Sonnenstrahlen auf.
Ganz im Gegensatz zu diesem kleinen Angler hier.


Beim Packen wurden wir dann genau beobachtet. Nicht dass wir versehentlich einen Hotelbademantel einpacken.


Viel zu schnell erreichen wir die Grenze.


Ein letzter Blick auf die bunten Auslagen der fliegenden Händler, die uns in den letzten drei Wochen begleitet haben, und dann

geht es auf die lange stille Verbindungsetappe in den Vogelsberg, wobei wir 20 km südlich von Fulda von einem kurzen aber heftigen Regenschauer begrüßt werden. Schön, dass sich manche Dinge einfach nie ändern. Richtung Vogelsberg sieht das Wetter dann auch wieder besser aus. Über nasse Straßen fahren wir zum Oldtimer-Café, um uns mit Bauernbratwürsten und einem Berg Fritten für die letzten Kilometer zu stärken.

Über Gießen und Wetzlar geht's dann pronto bis Montabaur, wo wir Lutz und Helga tschüss sagen müssen. Ein trauriger Moment, haben wir doch satte 22 Tage mit uns ertragen müssen/dürfen.
Gegen 19 Uhr erreichen wir müde und ziemlich glücklich und ganz schön traurig und ganz herrlich entspannt das blaue Haus, wo uns unser kleiner Fellknäuel schon sehnsüchtig erwartet.


Wir haben es tatsächlich geschafft


6300 abwechslungsreiche km durch den wilden Osten auf einer 250er Enduro und eine der besten Reisen, die wir je angegangen sind. Letztlich haben die vielen unerwarteten Hindernisse, wie Regen, kleine Schäden, usw., was wirklich Gutes, denn
wir konnten nicht alles erfahren, was wir uns vorgenommen hatten, und
somit gibt es viele gute Gründe, dies nochmal nachzuholen,
denn so wie's ausschaut, warten noch ein paar abenteuerliche Jahre auf uns.

Fazit Freundschaft 
Fazit Motorrad
Fazit Ausrüstung
Fazit Rumänien

Fazit Freundschaft/Leute 

"nur zusammen sind wir viel"

6300 km in drei Wochen abreißen ist schon an sich eine ziemliche Belastung.
Auch der Umstand, diese Strecke in fünf verschiedenen Ländern und dem Allerbesten, was osteuropäischer Straßenbau an Überraschungen für einen bereithält, bewältigen zu müssen, trägt nicht gerade zur Stressregulierung bei.
Hat man dann auch noch unter 14 Tagen ständiger Dürreperiode (Gewitter, Landregen, Dauerregen durchzogen von vereinzelten Schauern) zu leiden, kann so ein Trip schnell mal die zwischenmenschlichen Beziehungen schwieriger gestalten.
Oder kurz gesagt.
Willst du so was mit deinem Partner machen, um wieder enger zueinander zu finden und/oder eine leicht angeschlagene Beziehung zu reanimieren,
vergiss es.
Tank lieber voll und fahr gleich zum Anwalt.

Nach meiner Einschätzung funktioniert so eine Reise mit unterschiedlichen Motorrädern und unterschiedlichen Erwartungen nur dann, wenn man sich auch sonst super versteht und die Eigenheiten des Anderen zu tolerieren, schätzen und lieben gelernt hat oder sich völlig egal ist.
Die Drei haben es mir da sehr einfach gemacht, wofür ich mich hier mal bedanken möchte.



Auf solch einer Reise kann sich so manches Wesen ein wenig verändern.

Der Eine entdeckt unerwartet seine feminine Seite


Der oder die Andere den verfrühten Winterschlaf


So eine Reise ist aber der perfekte Weg
Freundschaften zu festigen.


sich über Kleinigkeiten zu freuen


gemeinsam schön zu sein oder einfach schön gemeinsam zu sein


 sich auch mal schweigend zu verstehen


 oder grundlos zu lachen


nachzudenken
ohne zu grübeln


seinen Freunden was anzubieten


rauszufinden, dass wir nur zusammen viel sind





 gemeinsam einen Weg zu beschreiten


 gemeinsam den Bauch einzuziehen


 abzuschalten und zu wissen, dass einer auf einen achtet


 gemeinsam der Dummheit entgegenzutreten


 oder sich ähnlich zu sehen





Das machen wir sicher nochmal.





 


Fazit Motorrad:


Natürlich ist es kein Pappenstiel, auf einer 250er mit Gepäck in 21 Tagen 6300 km auf nur rudimentär vorhandenen Straßen zurückzulegen.

Aber das wäre es mit einem anderen Motorrad genau so wenig und so gab es viele Momente, in denen ich die Leichtigkeit und Luftigkeit dieser kleinen Räuber zu lieben gelernt habe.

Ich will es mal anders darstellen und ein paar Vorurteile ausräumen.

Geringe Durchschnittsgeschwindigkeit:

Also wenn du nicht gerade über die Autostrada bolzt oder dich im Kampfmodus auf jeder noch so schönen Passstraße der gebotenen wunderbaren Aussicht berauben willst, dann muss man sich eingestehen, dass man mit der 250 ca. genau 0,nix langsamer ist als mit einem 100 kW Bike.

Einzig Überholen im dichten Verkehr ist eine Angelegenheit, die man etwas sorgfältiger planen sollte. Nach meiner Erfahrung aus dieser wie auch anderen Reisen sind Faktoren wie Wetter, Straßen- und Verkehrsbedingungen und die eigene Kondition viel entscheidender und letztlich bestimmender für die Länge der Tagesetappen.

Platzangebot:

Nun, dies ist definitiv einer der Schwachpunkte einer 250er Enduro. Außer einem kleinen Tankrucksack und ca. 50-70 Liter Gepäcksack lässt sich kaum weiteres Gepäck verstauen. Zelt, Schlafsack und Kochgeschirr finden sinnvoll eher keinen Platz auf solch einem Motorrad. Das liegt weniger an der Konstruktion –gerade die CRF bietet da schon genug Reserven- sondern eher an der hecklastigen hohen Gewichtverteilung. Es macht wenig Sinn, ein 145 kg Motorrad mit 70 kg Gepäck zu beladen.

Man beraubt sich einfach der Vorteile dieser Motorradklasse. Daher halte ich auch die Montage von Koffern für wenig geeignet, den Reisespaß zu vergrößern. Man muss sich vorher sicher sein was man möchte. Will ich in den Bergen komfortbefreit übernachten, dann muss ein kleiner Schlafsack genügen. Will ich mir ein Land ansehen, aber nicht auf den Luxus einer Pension verzichten, dann bin ich mit der kleinen Enduro optimal bedient.

Ergonomie:

Die Sitzposition (Kniewinkel, Ellenbogen, Schulter) sollte passen. Der Lenker muss hoch genug sein, um im Stehen fahren zu können und neben dem Tank muss Platz für die Knie bleiben.

Man sitzt auf einer Enduro in der Regel recht aufrecht. Das muss auf langen Etappen nicht unbedingt von Vorteil sein. Die Möglichkeit, die Sitzposition in eine leicht nach vorne gebeugte Position zu variieren, sollte durch das Gepäck nicht verhindert werden.

Vibrationen sind bei der CRF kein Thema. Selbst bei Marschgeschwindigkeit Tacho 120 spürt man vom Motor recht wenig. Schätze mal, dies ist auch der Grund, warum die Reisegeschwindigkeit sich nicht von meinen Erfahrungen mit 650er Einzylindern unterscheidet. Das Geräusch ist allerdings deutlich hochfrequenter. Im Gegenzug muss man sich keine Gedanken um die Haltbarkeit des Triebwerks machen. Denn im direkten Vergleich zu den bekannten großvolumigen luftgekühlten Einzylindern wird man eine CRF durch Dauervollast niemals zerstören. Ja, und dann ist da noch der über die 6300km Distanz nicht messbare Ölverbrauch. Da kann eine XT oder Domi schon mal 3 Liter durchblasen.

Das Fahrwerk bleibt auch jenseits der 100 stabil, wobei eine leichte hochbeinige Maschine auf äußere Einflüsse natürlich stärker reagiert als ein 6 Zentner Tourer. Und bei derben stürmischen Verhältnissen sollte man den Lenker schon mal etwas beherzter anfassen und sich den Einflüssen entgegenstemmen.

Die Sitzbank:

Der erste Eindruck täuscht nicht, es handelt sich eher um den String-Tanga unter den Motorradsitzmöbeln.

Brauchst Du in der S-Bahn eher zwei Sitzplätze (ausgenommen der Mainzer Modellbauversion einer S-Bahn) oder empfindest bereits die Sitzbank eines Carrera 4 für puren Sadismus, dann wirst du mit diesem String nicht klarkommen. Knackst Du aber mit deinen Pobäckchen im Advent Nüsse (nein keine Kokosnüsse), dann wirst du das Ding abmontieren und durch eine Kohleschaufel ersetzen.

Von solchen Extremen abgesehen, sollte der normal leidensbereite Hintern ab dem zweiten Tag mit dem roten Sitzbalken gut klarkommen. Bei Tagesetappen um die 10 Stunden ist eine weiche üppig gepolsterte Sitzbank auch nicht das Richtige und steigen dann noch die Temperaturen, bist du schnell froh, nicht zu viel von deiner Alabasterhaut am Gesäß durch die Sitzbank abzudecken und so der kühlenden Konvektion zu entziehen.

Mit 75-80 kg wird es in der Regel nicht gelingen, die Sitzbank der CRF bis auf die Karkasse durchzusitzen und somit halten sich die Druckstellen an deinem Allerwertesten in Grenzen.

Ich kann die Sitzbank also eingeschränkt empfehlen. Verbesserungspotential sehe ich primär darin, sie im Mittelteil etwas breiter und sogar noch etwas härter zu gestalten.

Reichweite:

Den kleinen 7,7 Liter fassenden Tank hielt ich anfangs für einen schlechten Witz. Im Normalbetrieb hat er sich dennoch als dicke ausreichend gezeigt, denn mit Verbräuchen von maximal 3,6 Litern (Autobahn annähernd Dauervollgas) bis deutlich unter 3 Litern (Landstraße im Urlaubsmodus) bewegt sich der Spritkonsum auf einem geradezu lächerlich niedrigen Niveau. Verlässlich 240 km schafften wir auf dem Rumänientrip, bevor wir wieder an die Säule mussten.

Oder anders gesagt!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

Wir haben fast 500€ Spritkosten dadurch gespart, dass wir unsere Vierzylinder auf der Koppel haben grasen lassen und mit den Fohlen ausgeritten sind.

Würden wir es wieder tun:

Aber hallo!

Die Planung unserer 6000 km Italien, Slowenien, Kroatien, Bosnien, Montenegro, Albanien und dann mal sehen Tour in 2014 ist schon weit fortgeschritten.